LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Jumbo“ erzählt eine kuriose Geschichte

Im Mai 2018 wurde in der luxemburgischen Ortschaft Goetzingen (Gëtzen) in einem leerstehenden Haus ein Teil des Erstlingsfilms der belgischen Regisseurin Zoé Wittock gedreht, „Jumbo“. Produziert wurde der Film auf luxemburgischer Seite von Gilles Chanial (Les Films Fauves) und mitfinanziert von der französischen „Insolence Productions“ und der belgischen Kwassa Films. Der fertige Film feierte seine luxemburgische Premiere beim zehnten „Luxembourg City Film Festival“. Da momentan das Coronavirus die Leute daran hindert, ins Kino zu gehen, haben sich die Produzenten entschlossen, den Film für zwei Online-Plattformen freizugeben. „Jumbo“ kann man sich seit dem 23. März auf VOD.lu und PostTV zum Preis von 7,99 Euro ansehen.

Objektsexualität

Als Hintergrund für Wittocks Drehbuch diente die Geschichte der Amerikanerin Erika LaBrie, die sich in den Pariser Eiffelturm verliebte und ihn schließlich im April 2007 heiratete, was zu einem Medienereignis wurde. Die Ehe wurde zwar nicht anerkannt, doch darf sich Erika fortan mit dem Familiennamen Eiffel schmücken. Diese Objektsexualität faszinierte die Regisseurin, deren Vater Diplomat ist und sie daher viel in der Welt herumgekommen ist.

In ihrem Spielfilm verliebt sich die scheue Jeanne (Noémie Merlant) in ein neues Fahrgeschäft im Plopsa-Parc im belgischen Coo. Nachts putzt sie den Park und wird auf Geräusche aufmerksam, die vom neuen Karussell „Move it“ kommen. Sie wird neugierig und inspiziert das Fahrgeschäft, das ein eigenes Leben führt, und das sie schließlich Jumbo nennt. Nach und nach kommen die beiden sich sozusagen näher, und Jeanne verliebt sich in Jumbo, das in verschiedenen Leuchtfarben mit ihr kommuniziert. Marc (Bastien Bouillon), ihr direkter Chef, hat sich in sie verkuckt, nur lässt sie ihn abblitzen. Jeanne lebt allein mit ihrer Mutter Margarette (Emmanuelle Bercot) und bastelt gerne Karusselle aus Draht. Margarette hat allerdings ein reges Sexleben und somit nicht viel Zeit für ihre Tochter. Ihr neuer Freund Hubert (Sam Louwyck) ist ein netter Kerl, der viel Verständnis für Jeanne zeigt, als bekannt wird, dass Jeanne sich in eine große drehbare stählerne Maschine verliebt hat.

Fast wie King Kong

Einige Szenen mit dem „Move it“, das seine Arme mit den Sitzschalen so bewegt wie eine Hand, erinnern unweigerlich an King Kong, den Riesenaffen, der sich in eine zierliche Frau verliebt hat und versucht diese mit seinen riesigen Tatzen zu streicheln. Als Zuschauer glaubt man nur bedingt an diese Objektliebe, weil diese sich sehr dem Bereich der puren Fantasie nähert und Regisseurin Wittock an der möglichen Realität einer solchen Affäre festhält, statt sie mit Fantasie auszuschmücken.

Das Umfeld von Jeanne ist sehr spärlich gezeichnet. Ihre Mutter führt ein extravagantes Leben, in dem es keine Zeit gibt, sich mit den Problemen ihrer Tochter abzugeben. Eine innige Mutter-Tochter-Beziehung gibt es nicht. Emmanuelle Bercot kontrolliert ihre Rolle nur bedingt und passt sie ihrem überspitzten Treiben an, was nicht wirklich glaubwürdig wirkt. Sie gewann übrigens 2015 den Interpretationspreis in Cannes für ihre Rolle in „Mon Roi“ von Maïwenn. Noémie Merlant spielt diese scheue junge Frau, die auf viel Unverständnis wegen ihrer bizarren Beziehung stößt, mit Zurückhaltung, die in Freude übergebt, sobald sie ihre Liebe gefunden hat. Sam Louwyck ist dagegen der ruhende Pol in dieser Dreiecksbeziehung, der versucht sowohl der Mutter wie der Tochter gerecht zu werden. Auch wenn aus „Jumbo“ nicht der überragende Film geworden ist, könnten die Aspekte der Objektsexualität interessieren. Ob der Film in die Kinos kommt, steht noch nicht fest.