LUXEMBURG
JACQUELINE KIMMER

Der „Tourisme de mémoire“ trägt zum besseren Verständnis der Vergangenheit bei

Der Erinnerungstourismus oder „Tourisme de mémoire“ („legacy tourism“) beschäftigt André Bauler. Der DP-Nordabgeordnete will in einer parlamentarischen Anfrage an Wirtschaftsminister Étienne Schneider wissen, wie es um diesen Fremdenverkehrsbereich hierzulande bestellt ist, was besichtigt werden kann und was das zuständige Ministerium zu tun gedenkt, um diesen Tourismuszweig auszubauen.

In seiner nun vorliegenden Antwort weist Wirtschaftsminister Étienne Schneider darauf hin, dass der Erinnerungstourismus als Ergänzung des traditionellen Fremdenverkehrs in erster Linie die Kriegsschauplätze valorisieren könnte. Die Besichtigung dieser Stätten trägt zu einem besseren Verständnis der Vergangenheit bei. Mit dem Verschwinden der Zeitzeugen kommt dem „Tourisme de mémoire“ nach Schneiders Worten immer mehr Bedeutung zu, um den künftigen Generationen dieses Gedankengut zu übermitteln.

Nicht ausschließlich auf das Geschehen des Zweiten Weltkrieges beschränken

Allerdings dürfe man den Erinnerungstourismus nicht ausschließlich auf das Geschehen des Zweiten Weltkrieges beschränken, meint der Minister. Es gelte nun vielmehr, die Vorreiterrolle des Großherzogtums im europäischen Integrationsprozess zu unterstreichen. In diesem Zusammenhang erinnert der Minister an die Edward Steichen-Ausstellung „The Family of Man“ oder an das Europazentrum in Schengen. Auch dürfte das industrielle Patrimonium nicht vergessen werden, da die Resistenz- und Streikbewegung in den 1940er Jahren von den großen Industrien im Norden und im Süden des Landes ausging. Unter www.visitluxembourg.com finde der interessierte Besucher diesbezüglich jede Menge nützlicher Informationen. Fünf Besichtigungsvorschläge im Bereich des „Tourisme de mémoire“ wären unter der genannten Adresse aufgelistet.

Neue Dauerausstellung in der Hauptstadt

Inzwischen hätten sich bereits einige private Tourismusakteure auf die Promotion von Erinnerungsstätten spezialisiert und würden ihren Kunden, von denen die meisten aus den USA, Deutschland und Großbritannien stammen, maßgeschneiderte Besichtigungen anbieten. Auch weist Schneider darauf hin, dass im kommenden Mai eine neue Dauerausstellung über das Leben in Kriegszeiten im „Lëtzebuerger City Museum“ eingeweiht wird. Darüber hinaus bedauert Schneider, dass hierzulande keine Zahlen in Sachen Erinnerungstourismus existieren, nur die Zahlen der Besichtigungen der Museen oder Gedenkstätten sind bekannt. So wird der amerikanische Militärfriedhof in Luxemburg-Hamm alljährlich von 80.000 bis 90.000 Personen besucht. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Sandweiler werden zwischen 2.000 und 2.500 Besucher im Jahr gezählt.