LUC SPADA

Ich weiß nicht wirklich, in welcher Zeit wir leben. Die Zeit des Roboters? Die Zeit der Nippelfreiheit? Die Zeit des dümmsten Präsidenten? Ich weiß nicht einmal, ob wir überhaupt in einer Zeit leben. Was ich weiß, ist, dass Redensarten vielen Menschen helfen, die Geister der aktuellen Ereignisse in kurzen, knackigen Sätzen nicht besser zu verstehen, aber einfacher zu akzeptieren oder humorvoller damit umzugehen.

Komplexe Sachverhalte aufs Einfachste versuchen, runterzubrechen, ist auf jeden Fall ein aktueller Trend.

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. So der Volksmund. Womöglich eine der bekanntesten Redensarten, die allerdings unter der Kategorie „etwas abgelutscht“ an „salon credibility“ verlor. Dabei ist diese Redensart übers „Nicht-Reden“ eine der wichtigsten Sätze, Weisheiten und Wahrheiten, ja, ich will nicht übertreiben, ALLER ZEITEN.

Reden: Stopp! Nein! Ruhe, Stille. Auch einfach „einmal den Mund halten“, ist die bessere Kommunikation. Keinen Mucks mehr von sich geben. „Gold“ ist das „unausweichliche Denken“ vor dem „Silber“. Der Kaffee im Tiramisu. Das nicht vorhandene Gemüse im Gin-Tonic.

Aber… Nein. Atempause, bitte. Sag jetzt einfach einmal nichts. Pssst. Ist sie nicht schön? Diese Lautlosigkeit. Dieses durchgestrichene Glöckchen. Dieses kaputte Radio. Dieser geschlossene Mund, ich möchte ihn küssen, wenn Du kein Wort mehr sagst. Willst Du geküsst werden?

Endlich habe ich überhaupt nichts zu sagen. Und Du, Du musst nichts bereden heute. Schau Dir die weiße Wand an, guck sie einfach. Ist sie nicht spektakulär? Diese herrlich unspektakuläre, weiße Wand. Da ist nichts außer weiß. Wenn Du sie lange genug anschaust, wirst Du hindurch sehen, und so viel wird sich von selbst klären, aber da hilft es nur, dem inneren Schweigen eine Chance zu geben, den inneren „Schweigehund“ eben NICHT überwinden.

Es ist gut, die Stille auszuhalten, sie führt zu mehr Gelassenheit. Ganz ohne „in ein fernes Land mit Backpack“ fahren oder irgendeinen anderen aufgesetzten Scheiß.

Ich bin jetzt still.