LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Gerade erst hatten wir - die Luxemburger - , nachdem wir angesichts der quasi geschlossenen Grenzen mit Deutschland, Belgien und Frankreich wochenlang zu Gefangenen im eigenen Land geworden waren, einigermaßen verdaut, dass wir bei unseren Nachbarn vielleicht doch nicht so beliebt sind, wie wir uns das bis dahin immer eingeredet hatten, und schon sind wir der nächsten Unbill ausgesetzt. Schaut man sich nämlich die Karten der „Johns Hopkins University“ und des Robert-Koch-Instituts über die Corona-Hotspots und die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner an, so sticht das Großherzogtum hier - als einziges Land in ganz Europa -  als blutroter Klecks hervor, auf dass auch jeder versteht, wie gefährlich ein Besuch Luxemburgs inzwischen geworden ist.

Da können die Politiker, so wie dieser Tage Außenminister Jean Asselborn, noch so oft wiederholen, dass Luxemburg mit einer Testrate von über 12.000 Tests pro 100.000 Einwohner im europäischen und im weltweiten Vergleich Spitzenreiter sei, und in den Zahlen auch die rund 200.000 Grenzgänger aus Deutschland, Frankreich und Belgien erfasst seien, die auch zu Tests in Luxemburg eingeladen würden.

Die Mehrzahl der anderen Länder zeigt sich davon gänzlich unbeeindruckt und setzt das Großherzogtum auf die Liste der Parias, mit, als Folge, dass Luxemburg nun von Ländern wie Deutschland zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde, was wiederum mit sich bringt, dass die Bewohner Luxemburgs in diesem Sommer vielerorts  zur Persona non grata erklärt werden.

Dass die Grenzen mit unseren Nachbarländern in den nächsten Tagen ganz geschlossen beziehungsweise wiederum streng kontrolliert werden, ist angesichts des weiteren Anstiegs der Corona-Zahlen nicht auszuschließen, und dürfte auch erklären, dass Jean Asselborn diese Woche - ein eher ungewöhnlicher Schritt - den deutschen Botschafter einbestellt hat, respektive „zu einem Gespräch empfangen“ hat, wie es in der offiziellen Mitteilung des Außenministeriums hieß, dies nachdem der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag angekündigt hatte, eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen, die voraussichtlich bereits in der kommenden Woche in Kraft treten soll.

Asselborn zufolge könnte dies zu massiven Problemen an den Grenzen führen, wie er gegenüber unseren Kollegen von RTL unterstrich, um - in Anspielung auf den Corona-Skandal beim deutschen Fleisch-Riesen Tönnies - auf die für ihn typische Weise hinzuzufügen, dass Luxemburg ein Land sei und kein Schlachthof, und eine Entscheidung, um die Grenzen de facto zu schließen, eine politische Entscheidung sei, und Luxemburg, das jedes Land respektiere, auch von Deutschland Respekt einfordere. Die Schengen-Errungenschaften und der Geist der Großregion könnten jedenfalls auf längere Zeit Schaden nehmen, aber das haben sie, und das weiß natürlich auch Jean Asselborn, natürlich schon längst getan.

Sieht man sich die aktuellen Zahlen an, und die 83 Neuninfektionen von gestern auf heute geben kaum Anlass zu Optimismus, dann könnte es sein, dass diejenigen, die bislang noch nicht in Urlaub gefahren sind, in diesem Sommer tatsächlich „Vakanz doheem“ machen müssen, und ihren Sundowner statt in Knokke oder in Cannes diesmal in Clerf oder Vianden nehmen müssen. Es gibt Schlimmeres...