LUXEMBURG
JEAN-MARC FRIEDERICI

Die Fusion von fünf der sechs „Nordstad“-Gemeinden kommt langsam aber sicher voran. Doch wie wichtig ist es, dass diese Gemeinden miteinander fusionieren? Jean-Marc Friederici, Project Manager und Urbanist der Nordstad, verrät uns, wieso die Fusion aus seiner Sicht Sinn ergibt.

„Die ganze Region ,Nordstad‘ hängt von Natur aus zusammen, doch bisher ist es uns leider noch nicht gelungen, unsere Zusammenarbeit so zu organisieren, dass wir auf Landesebene als Einheit auftreten und uns somit besser positionieren können. Wenn wir die Nordstad mit Städten wie Esch-sur-Alzette oder auch Dudelingen vergleichen, so verfügen diese Städte über weitaus spezialisiertere Dienste wie etwa einem ,Service urbanisme‘, Citymarketing, Tourismusbeauftragten sowie Personen, die sich um europäische Förderprogramme kümmern. Es ist selbstverständlich, dass man mit 30.000 Einwohnern über diese Dienste und das nötige Personal verfügt.

Bei einem Zusammenschluss der fünf Gemeinden Bettendorf, Diekirch, Erpeldingen/Sauer, Ettelbrück und Schieren könnte sich vieles in diesem Sinne ändern. Dann könnten die Dienste anders aufgestellt werden, ohne dabei Abstriche machen zu müssen – eher würden neue Dienste entstehen im Sinne von allen Bürgern. Aus administrativer Sicht ergäbe sich daher ein enormer Mehrwert, wenn die ,Nordstad‘-Gemeinden miteinander fusionieren würden.

Die Attraktivität unserer Innenstädte könnte sich außerdem, durch einheitliches und koordiniertes Handeln und Auftreten nach Außen, deutlich steigern. Unsere zentrale Lage in Luxemburg, welche gleichzeitig nahe der Hauptstadt ist wie auch mitten im Grünen liegt, könnte so viel attraktiver für die Ansiedlung neuer Betriebe werden. Durch den Anstieg der Arbeitsplätze und die damit verbundene Steigerung der Einwohnerzahl, unter Wahrung einer ausgeprägten Lebensqualität, würde es zu einem starken Zuwachs an Kaufkraft in der Region kommen, was nicht zuletzt die Angebotsvielfalt in den Fußgängerzonen erweitern würde. Dies würde vor allem den Einwohnern der Nordstad zugutekommen.

Die ,Nordstad‘ ist daher für die Region des ganzen Nordens von äußerster Wichtigkeit. Deshalb bin ich der Ansicht, dass wir unbedingt geschlossen und mit gemeinsamer Stimme – vor allem gegenüber den anderen CDA (Centre de développement et d’Attraction) – auftreten müssen.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass wenn die Nordstad eine juristische Einheit darstellen würde, unsere Einwohner von der gleichen staatlichen Unterstützung profitieren könnten wie zum Beispiel die des CDA Esch-sur-Alzette. Außerdem sind die Vorteile der finanziellen Unterstützung von staatlicher Seite im Rahmen einer Fusion nicht von der Hand zu weisen. So zum Beispiel könnte die Nordstad gezielt in den Ausbau von öffentlichen Infrastrukturen investieren, dies zum Vorteil der lokalen Vereine und Bürger.

Es gibt natürlich auch Ängste bei den Menschen, welche ich auch nachvollziehen kann. So etwa, dass die Verwaltungen weniger gut zu erreichen wären. Durch die Digitalisierung kommunaler Verwaltungen sowie die Einführung eines, Guichet unique‘ wird dem Bürger der Zugang zu Gemeindediensten deutlich vereinfacht. Auch der befürchtete Identitätsverlust wird voraussichtlich ausbleiben – anstatt dass man aus den jeweiligen Städten kommt, wird man diese als Viertel oder Ortschaften verstehen, so wie man das anhand der Hauptstadt schon länger sehen kann.“