LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Handwerkskammer, IFSB und FDA-Kompetenzzentren erstmals mit kollektivem Katalog

Kohärenter, strukturierter, transparenter, praxisorientierter und komplementär: Das sind die Leitlinien für die Zusammenarbeit in Sachen Weiterbildung in der Baubranche von Handwerkskammer, „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“, sowie den beiden Kompetenzzentren des Handwerkerverbandes für Gebäudetechnik und Gebäudevollendung. Die Partner, die kürzlich eine Vereinbarung unterzeichnet haben, um ihre Zusammenarbeit zu stärken, stellten gestern gemeinsam eine Weiterbildungsbroschüre vor, in der insgesamt 734 Kurse aufgeführt sind, in die man sich auch über die Internetseiten der Teilhaber einschreiben kann. „Das ist das erste nach Außen hin sichtbare Resultat unserer Konvention“, freute sich der Generaldirektor der Handwerkskammer, Tom Wirion.

„Mehr als eine Broschüre“

DIE PARTNER

Geballte Kompetenzen

Die „Chambre des Métiers“: Sie ist die institutionalisierte Berufskammer der gesamten Handwerksbranche. Zu ihren Aufgaben gehört von Anbeginn an die Organisation der Ausbildung im Handwerk aber auch die Weiterbildung, besonders um es seinen Mitgliedern zu ermöglichen, ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen zu können. www.cdm.lu

Das „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ besteht seit 2002 und wurde von den beiden Unternehmens- verbänden im Hoch- und Tiefbau gegründet. Es ist nicht nur das zentrale Aus- und Weiterbildungszentrum für die Branche, sondern positioniert sich auch als Kompetenzzentrum für nachhaltiges Bauen in der Großregion. 17.000 Weiterbildungsstunden jährlich werden hier angeboten. www.ifsb.lu

Die Kompetenzzentren „Génie Technique du Bâtiment“ und „Parachèvement“ wurden 2015 von der „Fédération des Artisans“ aus der Taufe gehoben. Ziele sind, in den Branchen ein kohärentes und integriertes Weiterbildungsangebot aufzubauen, aber auch die technischen Entwicklungen im Auge zu behalten und in die Solidarwirtschaft zu investieren. www.cdc-gtb.lu / www.cdc-par.lu

Die Vereinbarung stärkt nicht nur die Zusammenarbeit in Weiterbildungsfragen - ein sehr wichtiger Punkt in einer sich rasant verändernden Branche - sondern auch die Koordinierung gemeinsamer Standpunkte und Aktionen auch auf politischer Ebene. So hatten Handwerkskammer und „Fédération des Artisans“ bereits am vergangenen 20. September eine gemeinsame Pressekonferenz zur Berufsausbildung veranstaltet. „Es ist mehr als eine Broschüre“, unterstrich Marc Ant die Reichweite der Zusammenarbeit, die einen bedeutenden Beitrag dazu leisten soll, das Handwerk fit für die kommenden Herausforderungen zu halten, vor allem auch im Passiv- und Niedrigenergiebau, wo ab kommendem Januar neue Normen gelten.

Ant leitet die Kompetenzzentren, die zum 1. Januar diesen Jahres an den Start gingen und bald über eine eigene Halle in der Nähe des IFSB auf „Krakelshaff“ in Bettemburg verfügen sollen. Die Pläne dafür lägen mittlerweile vor.

Das Weiterbildungsangebot wurde nämlich auch neu strukturiert. Es wurde nach großen Fachgebieten gruppiert und dann in spezifische Angebote für rund 42 Berufe untergliedert. Auch richtet sich die Struktur des Angebots nach verschiedenen Weiterbildungsstufen. Grundlage bildet hier der europäische Zertifizierungsrahmen. CEC 1 etwa ist Anfängerniveau, während CEC 4-Kurse sich an spezialisierte Handwerker oder Teamleiter richten.

Ein „Bachelor Chef de Chantier“ am ISEC geplant

„Wir möchten den Leuten helfen, eine echte Weiterbildungslaufbahn aufzubauen“, erklärt Marc Ant. Diese Laufbahn soll auch einmal zu höheren Studien führen. So soll am „Institut Supérieur de l‘Economie“, der Hochschule, die Handels- und Handwerkskammer im vergangenen Jahr gegründet haben und das bereits Weiterbildungen für Baustellenleiter anbietet, ein „Bachelor Chef de chantier“ aufgebaut werden. Geht es nach den Partnern aus dem Handwerk, sollte das ISEC den praxisorientierten Studiengang mit akademischem Diplom bereits ab September 2017 anbieten können.

„Das hängt aber nicht nur von uns ab“, erklärte Tom Wirion, „der Lehrgang befindet sich derzeit in der Akkreditierungsphase“ beim Bildungs- und Hochschulministerium. Die Schaffung von Brücken zwischen traditioneller Aus- und Weiterbildung im Handwerk und Hochschulstudien verfolgt auch das Ziel, die Berufe attraktiver für junge Leute zu machen, indem es mehr Perspektiven bietet. Die Branche sucht seit Jahren händeringend nach Nachwuchs.

Während die gestern vorgestellte Weiterbildungsbroschüre für das Bauwesen in diesen Tagen nun an rund 4.000 Unternehmen mit etwa 56.000 Mitarbeitern verschickt wird, wurden auch die Weiterbildungskataloge für die Branchen „Lebensmittelhandwerk“, „Mechanik und Mode“, „Gesundheit und Hygiene“ überarbeitet und neu gestaltet. „Es muss sich zeigen, ob auch diese Branchen einmal in Richtung Kompetenzzentren gehen möchten“, sagte Tom Wirion abschließend.