LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

FLTT-Präsident André Hartmann über die letzten Vorbereitungen zur Tischtennis-EM für Mannschaften vom 13. bis 17. September

In einem knappen Monat findet die Liebherr-Tischtennis-Europameisterschaft in Luxemburg statt, das wohl größte Event in diesem Sport, das jemals im Großherzogtum über die Bühne ging. Wie kam es dazu und wie weit sind die Vorbereitungen? Wir haben bei André Hartmann, dem Präsidenten der nationalen Tischtennisföderation nachgefragt.

Herr Hartmann, weshalb fiel die Wahl auf Luxemburg als Austragungsort der diesjährigen EM?

André Hartmann Im Sommer 2015 hat uns die Europäische Tischtennis-Union mit Sitz in Luxemburg gefragt, ob die FLTT interessiert wäre, ein größeres Tischtennis-Event im Rahmen des 60. Jubiläums der ETTU im Jahr 2017 in Luxemburg zu organisieren. Eigentlich wollte die FLTT die Top 16-Spieler zu einem Turnier nach Luxemburg holen. Aber Frankreich bekam den Zuschlag dafür, weil es mehr Preisgeld geboten hatte.

Im März 2016 stellte sich dann heraus, dass die europäische Föderation noch auf der Suche nach einem Organisator für die Tischtennis-EM für Mannschaften sei. Nachdem wir u.a. mit der Regierung, der Stadt Luxemburg und der Coque die Unterstützung für dieses Event abgeklärt hatten, meldeten wir unser Kandidatur bei der ETTU an. Der Zuschlag kam im Juli 2016.

Die FLTT alleine hätte die Organisation nicht stemmen können?

Hartmann Nein, ein Ereignis dieser Größenordnung braucht viele Partner. Wir haben zwar einige Erfahrung: 1989 hatten wir die Jugend-EM, 1998 das TOP12 der Jugend, 2003 und 2012 die europäischen Qualifizierungswettbewerbe für die Olympiade und im vergangenen Mai war die chinesische Nationalmannschaft zur Vorbereitung der WM in Düsseldorf bei uns, aber eine Europameisterschaft, das ist schon eine Herausforderung anderen Kalibers.

Das aber eine einmalige Gelegenheit darstellt, den Ruf Luxemburgs als Tischtennis-Austragungsort zu festigen...

Hartmann Nicht nur, dass wir den größten und prestigeträchtigsten Wettbewerb in Europa haben: Die EM ist auch eine Gelegenheit, das Großherzogtum in der Welt zu zeigen. Es geht um „Nation Branding“. Die Tischtennis-EM wurde auch in diesem Sinne neben der Cyclocross-WM und den Etappen der „Tour de France“ in die Liste der drei Sport-Highlights für das Jahr 2017 aufgenommen. Vorderstes Ziel bei einer solchen Organisation ist aber, die Gelegenheit zu nutzen, Werbung für den Tischtennissport in Luxemburg zu machen.

Wie steht es mit der finanziellen Absicherung des Events?

Hartmann Wichtig war in einer ersten Phase, die Finanzierung des Events abzusichern, das etwa 1,2 Millionen Euro kosten dürfte. Die Regierung, die Hauptstadt, die Coque, das COSL, die Oeuvre Nationale Grande-Duchesse Charlotte und die ETTU unterstützen uns da. Größte Herausforderung war die zusätzliche Gewinnung von Sponsoren und Partnern. Auch die 82 Tischtennis-Vereine haben sich engagiert, zu helfen. Finanziell und auch personal-technisch. Wir können auf rund 200 freiwillige Helfer zählen. Das ist enorm.

Und wie weit sind die Vorbereitungen?

Hartmann Nach unermüdlicher Arbeit seit anderthalb Jahren, für die ich mich in erster Linie bei Camille Gonderinger und Jean-Marc Linster sowie allen Beteiligten, herzlich bedanke, sind die Vorbereitungen für den Wettbewerb bis auf eine Reihe technischer Details so weit abgeschlossen. Aber es gibt noch eine Menge Koordinationsarbeit. Schließlich haben wir auch ein ausgedehntes Rahmenprogramm, das am 6. September im Detail vorgestellt wird.

Es wird eine „Journée de la Grande Région“ geben, für die wir Teilnehmer und Zuschauer aus den großen Tischtenniszentren der Großregion - Saarbrücken, Metz, Charleroi, Lüttich, Trier - erwarten, eine „Journée de l’Intégration“, wo wir jung und alt, Luxemburger und Nicht-Luxemburger rund um den Tischtennis zusammen bringen wollen, eine „Journée de l’Inclusion“ die wir gemeinsam mit den Special Olympics und Paralympics organisieren und eine „Journée de la Famille“.

Wie sieht es mit dem Publikumsinteresse am Wettbewerb aus?

Hartmann Das Interesse steigt täglich. Wir setzen natürlich in erster Linie auf das luxemburgische Tischtennis-Publikum. Bei 4.100 FLTT-Lizenzierten müssten wir alleine mit unseren Mitgliedern die Coque füllen. Viele Zuschauer kommen aus der Großregion.

Ich gehe davon aus, dass sich viele Interessierte erst in letzter Sekunde entscheiden werden. Auch bei der internationalen Presse steigt das Interesse für das Event, das schließlich in die ganze Welt ausgestrahlt wird.

Können Sie sich vorstellen, auch einmal eine WM in Luxemburg zu organisieren?

Hartmann Das wäre ein Traum, aber mit den derzeitigen Mitteln ein paar Nummern zu groß für uns. Luxemburg hat in den letzten Jahren ordentlich an seinem Ruf als Tischtennis-Standort gearbeitet. Außer den Großevents betreiben wir ja bereits seit einigen Jahren hier in Luxemburg das „China Table Tennis College Europe“, das einen intensiven Austausch zwischen China und Europa auf Spieler- und Trainerebene ermöglicht.

Derzeit findet am „Institut National des Sports“ wieder in Zusammenarbeit mit FLTT und ITTF ein Trainingslager für die 32 größten Tischtennistalente der Welt statt. Im kommenden Februar dann werden die 16 besten Junioren und Juniorinnen beim „World Junior Circuit Final“ in Luxemburg antreten. Der Platz Luxemburgs auf der Tischtennis-Weltkarte ist also gesichert.

Ticketverkauf und weitere Infos: www.ettc2017.lu