LUXEMBURG/TRIER/KONZ
DANIEL OLY

„Das Homunculus Protokoll“ will aus einem Studentenprojekt eine feste Serie machen

Eine mysteriöse Zukunft; eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie Technologie und Elektrizität funktionieren; ein Wechsel zwischen Digitaler Wirklichkeit und der realen Welt - und die zentrale Frage: Wie blickt die Menschheit künftig auf unsere heutige Zeit zurück? Der Trailer zum Studenten-Filmprojekt „Homunculus Protokoll“ wirft direkt eine Vielzahl an interessanten Punkten auf. Vor allem macht er aber eins: Lust auf mehr.

Das ist natürlich beabsichtigt: „Dieser Trailer soll als unser ,Proof of Concept‘ herhalten“, erklärt Regisseur Yaar Harell. „Er ist unser Beweis dafür, was wir aus dieser Idee machen können, was wir selbst als Studentenprojekt auf die Beine stellen können.“ Der Plan sei ganz klar, damit jetzt auf die Suche nach neuen Investoren zu gehen, die der Serie einen Sendeplatz einräumen und einen echten Piloten finanzieren können. „Wir wollen damit genügend Kapital generieren und die nötige Aufmerksamkeit erhalten, um den Traum zur Wirklichkeit werden zu lassen“, meint er.

Regisseur Harell (2.v.r.) hat den Anspruch, die Vorgaben der Schreiber vollständig umzusetzen. Da ist auch mal Detailarbeit vonnöten - Lëtzebuerger Journal
Regisseur Harell (2.v.r.) hat den Anspruch, die Vorgaben der Schreiber vollständig umzusetzen. Da ist auch mal Detailarbeit vonnöten

Begonnen hat das Ganze als reines Studentenprojekt durch den Projektleiter Frank Kramp. „Ich hatte die Idee bereits schon länger - quasi ein ,Loblied auf die Digital Natives‘ und die Gamer-Kultur unserer Zeit“, erklärt Kramp. „Die Idee kam mir vor vier, fünf Jahren; damals arbeitete ich noch im Vertrieb und hatte bereits die Idee im Kopf, diese Welt zu schaffen - quasi als Memorial und großes Dankeschön für all die Menschen, die ich zu diesem Moment kennen gelernt habe“, meint er. Als er dann 2016 sein Studium in Trier anbrach, war der erste Plan zu Umsetzung bereits gefasst: „Ich wollte eine Machinima daraus machen.“ Zur Erklärung: Als „Machinima“ bezeichnet man Videos, die mit einem Grundgerüst eines Spiels (der damit zusammenhängenden „Engine“) geschaffen werden.

2017 kam dann der entscheidender Moment: Im Rahmen eines Drehbuchkurses lernte er Harell kennen, fixte ihn für die Idee an und begeisterte ihn für das Projekt. „Ich brauchte sowieso ein solches Projekt für mein Jahresthema in meinem intermedialen Studium, also war ich entsprechend offen“, erklärt Harell. Dann ging die große Suche los; ab November 2017 verbrachten die beiden extrem viel Zeit damit, das richtige Team zusammen zu stellen. „Wir haben persönlich mit jedem gesprochen und die passenden Leute gesucht“, meint Kramp. Das lag sicher auch an einer Tatsache: „Wir hatten keine Ahnung vom Filmemachen“, erklärt er. Harell - ein Rettungssanitäter - und der ehemalige Spieledesigner Kramp mussten sich so das nötige Know-How ins Boot holen, bevor der Dreh wirklich beginnen konnte. „Wir mussten sehr viel dazu lernen, bevor wir überhaupt wussten, worauf wir uns einlassen - wir haben uns quasi in ein Boot gesetzt, bevor wir wussten, ob es überhaupt schwimmt“, meint Harell.

Dadurch habe man aber sehr schnell dazu gelernt, wie Kramp bestätigt: „Damit es ein reines Studentenprojekt bleibt, mussten wir uns sehr lange herum fragen. Aber mit Erfolg: Wir haben genau das richtige Team gefunden.“ 30 Menschen - allesamt Studenten.

Kramp (r.), Harell (2.v.r.) und das Team müssen Realfilm und 3D-Animation kombinieren - nicht so leicht, vieles musste hart erlernt werden - Lëtzebuerger Journal
Kramp (r.), Harell (2.v.r.) und das Team müssen Realfilm und 3D-Animation kombinieren - nicht so leicht, vieles musste hart erlernt werden

Probleme und Rückschläge gab es natürlich auch. „Wie bei jedem Projekt“, meint Harell nur. So ging die Arbeit sehr schnell über das normale Pensum eines Studentenprojektes hinaus. „Wir wussten nicht so recht, wie man einen Realfilm und einen Animationsfilm nahtlos kombiniert - da machten wir natürlich zu Beginn eine Menge Fehler“, erklärt Kramp. „Das gemeinsame, erfolgreiche Lösen dieser Probleme hat uns als Team aber sehr viel beigebracht.“ Zu allem Überfluss kam es dann kurz vor dem Dreh zum absoluten Horror-Szenario: Einer der gebuchten Schauspieler taucht nicht auf. „Wir mussten spontan den Dreh verschieben, für den wir sowieso nur wenig Zeit hatten - Albtraum pur!“, meint Harell.

Davon ist jetzt nichts mehr zu spüren. „Das Projekt für den Trailer ist jetzt endlich beendet“, erklärt er. Der Plan sei ganz klar, damit jetzt auf die Suche nach neuen Investoren zu gehen, die der Serie einen Sendeplatz einräumen und einen echten Piloten finanzieren können. „Wir wollen damit genügend Kapital generieren und die nötige Aufmerksamkeit erhalten, um den Traum zur Wirklichkeit werden zu lassen“, meint er. Liegt die Zukunft damit automatisch bei einem Sender, der die Show als Serienformat bringt? „Das ist nicht so einfach. Entweder man wird entdeckt, oder meldet sich selbst. Unser Trailer ist jetzt unser bestes Mittel um entdeckt zu werden“, weiß er.

Da hat das „Homunculus Protokoll“ durchaus gute Chancen, denn die Story schlägt gleich mehrere interessante Richtungen ein: Der Realfilmteil spielt in einer ziemlich post-apokalyptischen Zukunft, in der von unserer Zeit nicht mehr viel übrig geblieben ist, in der ein autoritäres Regime herrscht und Elektrizität quasi in Vergessenheit geraten ist. „Es ist eine ziemlich düstere Zukunft mit einem Teil der Bedrohungen von heute zu Ende gedacht“, sagt Kramp. Die Frage daran sei: „Wie blickt eine solche Gesellschaft auf uns heute zurück?“ Die Virtuelle Welt ist hier das einzige Relikt aus der heutigen Zeit - und ausgerechnet ein Spiel, respektive ein Spiele-Rechner von heute.

Es war dem Team auch wichtig, den Dreh in der Großregion zu machen. „Es ist ein europäisches Zentrum, das wollen wir gewissermaßen auch ein bisschen in den Mittelpunkt rücken“, meint Harell. Warum nicht also auch ein paar Szenen in Luxemburg spielen lassen. „Wer weiß“, lacht Kramp. Er selbst hat enge Verbindungen zu Luxemburg: „Die Ursprungs-Idee kam auch aufgrund von zwei wundervollen Menschen aus Luxemburg, die ich online kennen lernen und bei deren anschließender Hochzeit ich Trauzeuge sein durfte“, erklärt er. „Luxemburg hat deshalb ganz klar eine enge Verbindung zu mir.“

Bislang erhielten sie viel Unterstützung - zum Beispiel vom Veranstaltungstechniker „Pro Musik“ in Trier, der Hochschule selbst, der Filmwerkstadt Düsseldorf sowie der Medien- und Filmförderung Rheinland-Pfalz. Auch der Drehort selbst, der Roscheider Hof in Konz, gehörte zu den Helfern. „Ohne diese viele Hilfe wäre nichts daraus geworden“, betont Kramp, und dankt allen freiwilligen Helfern, die sich zum Beispiel um die Verpflegung und das Catering gekümmert haben. „Alle haben mit angepackt“, weiß auch Harell. Dass das künftig noch besser werden kann, da sind sich Harell und Kramp absolut sicher. „Unser Konzept steht, wir brauchen jetzt nur jemanden, der uns hilft, es zu verwirklichen. Und das kostet Zeit und Geld und sprengt eindeutig den Rahmen einer Studentenarbeit.“ Das Ziel ist also klar: Professionalisierung.

Der Autor arbeitete als Statist an der Produktion mit. Mehr Informationen und ein Einblick in den Trailer unter tinyurl.com/HomunculusProtokoll