SAINT-LOUIS
PASCAL STEINWACHS

Erfolgreicher Abschluss des offiziellen Besuchs von Großherzog Henri im Senegal

Wer mit Blaulicht und in gut klimatisierten Limousinen durch ein Land gefahren wird, der bekommt nicht unbedingt mit, wie es draußen tatsächlich aussieht, aber angesichts des schlechten Zustands der Straßen im nordsenegalesischen Saint-Louis, die ein hohes Tempo unmöglich machen, dürfte Großherzog Henri, Kooperationsminister Romain Schneider, Umweltministerin Carole Dieschbourg und Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener sowie all den anderen luxemburgischen Delegationsmitgliedern am Dienstag, am dritten und letzten Tag der offiziellen Visite des Großherzogs im Senegal beim Blick aus dem Autofenster nicht verborgen geblieben sein, wie arm das Land trotz eines Wirtschaftswachstums von angeblich über sechs Prozent in den vergangenen drei Jahren in Wirklichkeit immer noch ist.

Häuser, die im Meer versinken

Dazu kommt, dass das oftmals auch als Venedig Afrikas bezeichnete Saint-Louis inzwischen auch von der Küstenerosion bedroht ist, und zwar derart massiv, dass ein ganzer Stadtteil, nämlich Guet-Ndar, in den nächsten Jahren im Meer zu versinken droht. Eine ganze Reihe von Häusern, die am Dienstag von der Luxemburger Delegation besichtigt wurden, waren denn auch schon ganz zerstört; wo vor einiger Zeit noch Strand war, ist jetzt das Meer, das sich an der rund 700 Kilometer langen senegalesischen Küste pro Jahr eins bis 1,3 Meter in Richtung Land bewegt. An einem 3,5 Kilometer langen Teilabschnitt wird indes momentan ein Schutzwall errichtet, den der Großherzog ebenfalls besichtigte. Großherzog Henri begrüßt dann auch, dass die Luxemburger Kooperationspolitik inzwischen auch die Umweltkomponente umfasst, stellen die Küstenerosion sowie die zunehmende Wüstenbildung durch Abholzung und Klimaerwärmung doch in vielen afrikanischen Ländern ein riesiges Problem dar.

Großes Potenzial auch im Tourismus

In Saint-Louis, dessen Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, konnten sich der Großherzog und die Regierungsmitglieder aber auch von der guten Arbeit des mit der Unterstützung Luxemburgs gebauten und funktionierenden Berufsausbildungszentrums überzeugen, in dem alljährlich 500 junge Leute, vornehmlich Mädchen, in den Bereichen Mode, Friseurhandwerk, Buchhaltung, Töpfern und Kochen ausgebildet werden. Auch dort, wie anschließend ebenfalls im - mit Luxemburger Geldern - renovierten „Centre Hospitalier“ von Saint-Louis, wurde der Großherzog mit „Grand-Duc, Grand-Duc“-Rufen und rot-weiß-blauen Fähnchen begeistert empfangen.

Vor luxemburgischen Journalisten zeigte sich der Großherzog über den Ablauf der Visite mehr als zufrieden. Die Luxemburger Kooperation sollte deshalb auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, wünschte sich der Staatschef, nachdem Kooperationsminister Romain Schneider und dessen senegalesischer Counterpart am Vortag das 65 Millionen Euro umfassende, vierte indikative Kooperationsprogramm für den Zeitraum von 2018 bis 2022 unterzeichnet hatten. Der Großherzog sprach des Weiteren von einer intensiven Visite, die sich gelohnt habe.

Eine positive Bilanz zogen aber auch Kooperationsminister Romain Schneider, Umweltministerin Carole Dieschbourg und Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener, wobei letztere auf das große Potenzial hinwies, das Senegal auch im Tourismus entwickeln könne.

Dass der Senegal ein großes Potenzial hat, wurde aber auch daran deutlich, dass nach einer ersten Wirtschaftsmission im Jahre 2016 auch bei der offiziellen Visite des Großherzogs eine aus Vertretern von 23 Betrieben bestehende Wirtschaftsdelegation dabei war und, durch die Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ zwischen Handelskammergeneraldirektor Carlo Thelen und seinem senegalesischen Amtskollegen, eine Vertiefung der - bislang eher bescheidenen - Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern angestrebt wird. Kooperationsminister Schneider freut sich dann auch, dass die Entwicklungszusammenarbeit jetzt an einem Punkt angekommen sei, an dem man neben den klassischen Kooperationsfeldern auch andere Aspekte abdecken könne, so zum Beispiel im Umweltbereich oder die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor. Der nächste Besuch eines Kooperationsministers im Senegal dürfte dann auch nur eine Frage der Zeit sein...