LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Kunden der nach einem Unfall nicht mehr arbeitsfähigen Schneiderin schließen sich zusammen, damit das Atelier weiter besteht

Seit einem Schleudertrauma kann die Schneiderin Eva Ferranti ihre Arbeit nicht mehr selbst ausführen. Doch viele ihrer treuen Kunden wollen nicht, dass ihr Atelier am Kapuzinertheater schließt. Deshalb haben sie sich unter dem Namen „L’Atelier d’Eva“ als Kooperative zusammengeschlossen.

Bertrand Kauffmann, der seit rund sechs Jahren Kunde bei Ferranti ist, kam auf die Idee. „Ich war sehr traurig als ich hörte, dass sie solche gesundheitlichen Schwierigkeiten hat. Sie hat so viel Energie, sie ist eine großartige Handwerkerin. Wenn man sein Metier nicht mehr ausüben kann, ist das schlimm. Auch persönlich fand ich das furchtbar, immerhin war es ihr Lebenswerk“, erklärt er die Motivation zur Gründung. Doch nicht nur menschliche Faktoren spielen eine Rolle, sondern auch fachliche. Kauffmann stellt fest: „Ihre Ware ist außergewöhnlich. Wenn man einmal da war, trägt man nichts anderes mehr.“ Jetzt ist er Präsident der Kooperative „L’Atelier d’Eva“.

Die Kunden-Kooperative funktioniert so, dass jedes Mitglied einmalig einen Beitrittsbeitrag in vierstelliger Höhe überweist. Anschließend fällt ein Jahresbeitrag an. Damit erwirbt das Mitglied den Anspruch auf einen Maßanzug oder ein maßgeschneidertes Kleid oder Kostüm, bei dem dann nur noch der Wert des Stoffes zu bezahlen ist. Jeder weitere Maßanzug oder jedes Kostüm kostet ein Mitglied dann über ein Drittel weniger als der Normalpreis, dazu kommen die Stoffkosten. Darüber hinaus genießen die Mitglieder der Kooperative Priorität.

Bislang gibt es schon 20 Mitglieder. Wenn die Zahl von 40 erreicht ist, ist der Fortbestand der Maßschneiderei gesichert. Kauffmann stellt klar: „Es geht nicht darum, ein Geschäft zu machen, sondern darum, eines zu erhalten. Durch die Kooperative kann Eva den Kontakt zu ihren Kunden halten, sich selbst langsam zurückziehen - und wir als Kunden können uns weiter gut anziehen.“

Eva Ferranti selbst hält die Idee für wunderbar. „So wird mein Lebenswerk gerettet, die Marke Eva Ferranti bleibt und meine vier Mitarbeiterinnen behalten ihren Arbeitsplatz“, sagt die Schneiderin, die es sich nicht nehmen lassen will, hin und wieder selbst vorbeizuschauen. Für Ferranti, die unter ihrer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit sehr leidet, ist der Laden alles. „Es ist mein Geschäft, ich habe mein Leben lang dafür gearbeitet“, sagt sie. Damit der Geist ihres Geschäfts erhalten bleibt, soll in Zukunft nur noch vollständig maßgeschneiderte Ware über den Tisch gehen, keine vorgefertigten Modelle mehr.

Ferranti hatte 2014 einen Arbeitsunfall. Seither ist ihre rechte Hand steif und zittert, dazu leidet sie unter einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom. Ärzte machen ein nicht erkanntes Schleudertrauma verantwortlich. Ferranti kämpft seither um ihre Gesundheit - und als selbstständige Schneiderin auch um die Existenz ihres Ladens und um ihre Mitarbeiter. Ihr erstes Geschäft hatte Ferranti 1999 gegründet. Seither ist sie zur bekanntesten Schneiderin Luxemburgs geworden.

Kontakt: eva.ferranti@evaferranti.lu