LUXEMBURG
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Hauptstädtischer Gemeinderat stufte etliche Straßenzüge als „Ensembles sensibles“ im Allgemeinen Bebauungsplans ein - Rat Joël Delvaux (déi Lénk) vereidigt

Weil „déi Lénk“ zurzeit noch das Rotationsprinzip anwenden, überließ David Wagner Ende des Jahres seinen Platz im hauptstädtischen Gemeinderat Joël Delvaux, der gestern von Bürgermeisterin Lydie Polfer vereidigt wurde und am Nachmittag seine Antrittsrede im hauptstädtischen Gemeinderat hielt. Er hob die Kompetenz und das gute Gespür seines Vorgängers hervor, und bedankte sich bei seinen Gemeinderatskollegen für die positive Aufnahme, die er in den ersten Januarwochen erfuhr. Joël Delvaux ist von Geburt an behindert. er will sich selbstredend für den Zugang aller Menschen zu öffentlichen Veranstaltungen und Plätzen einsetzen. Andere Bereiche, die ihm wichtig sind, sind die Wohnungsbauproblematik, sowie Treffpunkte für Jugendliche.

Unter dem Punkt Fragen der Gemeinderäte wollte Guy Foetz (déi Lénk) nähere Auskünfte über die Urbanisierungsprojekte in Gasperich. Bürgermeisterin Polfer musste ihn indes auf einen späteren Zeitpunkt verweisen, da noch kein fertig ausgearbeiteter Plan vorliege, und auch die Verkehrsstudie fehle.

Während der „Schueberfouer“ muss die Stadtverwaltung die Polizeipräsenz nicht bezahlen. Da es sich um ein nationales Volksfest handele und keine Überstunden geleistet werden sollen, bleibe die Kostenbeteiligung bei Null, so Schöffe Patrick Goldschmidt auf eine entsprechende Frage von Rat Bauer (CSV).

Teurer Einkauf

Die Stadt kauft zwei Häuser in Neudorf mit einer Gesamtfläche von 9 Ar, zum Preis von 825.000 Euro. Diese Häuser, so stellte Marc Angel (LSAP) fest, seien vor nicht allzu langer Zeit von privater Seite für 690.000 Euro gekauft worden. Über die Häuser soll eventuell die Fußgängerbrücke verlaufen, die verschiedene Stadtviertel miteinander verbinden soll. Was nun gerade diese Brücke angeht, so unterstrich Schöffe Goldschmidt, sei hier noch keinerlei Entscheidung gefällt. Jedenfalls wird zurzeit überprüft, ob die einst geplante Krümmung verschwinden und Brücke auch gerade verlaufen kann.

Park Pescatore wird neugestaltet

Rat Carlo Back (déi gréng) stellte als Präsident der zuständigen beratenden Kommission die Projekte „Umgestaltung der Avenue Pescatore“ und des Parks Pescatore vor. Zum einen werden die Bürgersteige längs der Straße, die vom Boulevard Royal zur Pescatore-Stiftung führt, erweitert und eine Einengung am Parkeingang geschaffen.

um anderen werden die Infrastrukturen erneuert. Dieses Projekt, das mit über einer Million Euro zu Buche schlägt, wurde mehrheitlich angenommen. Die Anrainer werden in einer Informationsversammlung in die Pläne eingeweiht, die Dauer der Arbeiten wird mit 200 Werktage veranschlagt.

Gleiches galt für die Neugestaltung des Pescatore-Parks, wo ja in absehbarer Zeit der Aufzug aus Pfaffenthal münden soll, der vor allem auch Radfahrern dienen soll. Das Projekt wurde vom „Büro für Freiraum-, Garten- und Landschaftsplanung Schwarze und Partner“ ausgearbeitet und sieht eine Verbindung zum Aufzug vor, eine Anpassung der Spazierwege, zusätzliche Parkbänke, die Verbesserung der öffentlichen Beleuchtung, eine „Entspannungszone“ usw.. Die Neugestaltung des 15.200 Quadratmeter großen Parks wird 1,06 Millionen Euro kosten. Rätin Goergen (adr) fand denn auch, die Stadt sei recht großzügig, weshalb sie sich, obwohl der Plan ihr gefalle, beim Votum enthielt. Die Änderungen sollen noch in diesem Jahr durchgeführt werden, und Bürgermeisterin Polfer hoffte, dass sie vor der Fertigstellung des Aufzugs abgeschlossen wären.

Ensemble-Schutz für Straßenzüge

Eine längere Diskussion gab es bei der punktuellen Abänderung des Allgemeinen Bebauungsplanes der Hauptstadt. Immerhin ging es um die Ausweitung der „Schutzzone für sensible Bauensembles“ auf die Außenviertel der Hauptstadt. Bürgermeisterin Polfer erklärte es ginge um die Gewährleistung einer gewissen Harmonie in schützenswerten Straßenzügen. So geht es vor allem um Häuser - sowohl Villen wie Arbeiterhäuser - die Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts oder auch zwischen den Weltkriegen errichtet wurden, eine wenige nach 1945. Die Häuser seien aufgrund ihrer ausgefeilten Architektur zurückbehalten worden.

Auf die Frage von Rätin Wiseler (CSV) nach der Information der Inhaber eingehend, erklärte die Bürgermeisterin, das Dossier werde einen Monat lang ausliegen, eine Zeitspanne während der r Einspruch erhoben oder Fragen an den Schöffenrat gerichtet werden können. Eine bis zwei Informationsversammlungen sollen organisiert werden. Angeschrieben werden die Inhaber nicht. Nach Ablauf der Einspruchsfrist wird der Gemeinderat nochmals mit dem Dossier befasst. Obwohl Rat Angel (LSAP) gewisse „Inkohärenzen“ feststellte und meinte, trotz der Neueinstufung könnten alle Gebäude abgerissen werden, stimmte auch seine Gruppe der Abänderung des PAG zu. Immerhin hatte Bürgermeisterin Polfer auch darauf hingewiesen, dass ohne Baugenehmigung nichts gehe.

Ja zum Denkmalschutz für „Accinauto“-Gebäude

Das Kulturministerium plant die eventuelle Aufnahme verschiedener Gebäude in das Zusatzinventar der nationalen Denkmäler, und die Ministerin bat die Hauptstadt um ihr Gutachten hierzu. So gab der Gemeinderat ein positives Gutachten zur Klassierung des „Accinauto“-Gebäudes Nummer 36, place de la Gare/24, rue Epernay, im Bahnhofsviertel ab. Positiv fiel das Gutachten auch für das Haus 108, avenue du X Septembre, aus, welches der „Société nationale des habitations à bon marché“ gehört. Auch die Aufnahme der Gebäude Nummer 32 in der Rue des Capucins (Kloster der Redemptoristen-Pater und die Kirche St Alphonse) sowie 17, Place du Théâtre mit Innenhof in das Zusatzinventar wurde bei drei Enthaltungen positiv begutachtet. Ein Teil dieser Gebäude war kürzlich von der Stadt erworben worden. Am Gutachten für das Haus Nummer 121 in der Avenue du X Septembre, schieden sich die Geister im Stadtrat, doch fiel das Votum mit 16 Ja-Stimmen, fünf Enthaltungen und einer Ablehnung positiv aus.

Da die Häuser der Rue du Travail in Beggen beim vorherigen Punkt als „Ensemble sensible“ eingestuft worden waren, wollte die Mehrheit im Stadtrat diesen Straßenzug nicht auf der Liste der schützenswerten Häuser sehen. Auch die Häuser 3, 5 und 7 in der Avenue de la Gare sah der Stadtrat nicht als schützenswert an, dies auch aus juristischen Gründen.