KOERICH
CHRISTIAN BLOCK

Wie funktioniert Trinkwasserschutz ganz konkret? - Zu Besuch beim Wassersyndikat SES

Wenn wie vergangene Woche das Thermometer die 40°-Marke erklimmt, läuft beim Südwassersyndikat SES in Koerich alles auf Hochtouren. Dann werden täglich statt der üblichen 40.000 m³ bis zu 60.000 m³ Trinkwasser über das 230 Kilometer lange SES-Netz verteilt, bis in die Wasserhähne zwischen Petingen und Frisingen, Esch/Alzette und Simmern. Bis zu 34.000 m³ Trinkwasser davon steuert das Stauseesyndikat SEB ES hinzu, bei dem das SES größter Anteilseigner ist.

Für die Qualität dessen, was am Ende beim Verbraucher ankommt, ist beim Südwassersyndikat SES Bert Wolff zuständig. Der Diplom-Umweltwissenschaftler hat sich in den vergangenen Jahren viel mit dem praktischen Wasserschutz befasst. Allein in dem Gebiet des Syndikats fallen 4.200 Hektar an Schutzzonen, die zum Teil ausgewiesen, zum Teil noch in der Prozedur sind. „Wenn die regionale Zusammenarbeit steht, kommen noch einmal etwa 1.800 Hektar hinzu, welche wir mit betreuen werden“.

In gewisser Hinsicht ist das Trinkwassersyndikat im Südwesten des Landes in einer privilegierten Position. „Wir arbeiten seit 20 Jahren mit dem Wasserschutzberatungsdienst der Landwirtschaftskammer zusammen. Eine Kooperation mit der Landwirtschaft baut sich über Jahre auf“, sagt Wolff.

Doch auch er weiß, dass viel Überzeugungsarbeit notwendig ist, um für alternative Anbaumethoden oder Kulturen zu werben - und dass dieser Prozess Zeit braucht. „Success Storys“, wie es sie in den vergangenen Jahren im Einzugsgebiet des SES durchaus gab, helfen dabei natürlich. Der Miscanthus zum Beispiel: Den Riesen-Schilf anzupflanzen ist zwar erst einmal kostspielig und bis zur ersten Ernte vergehen drei Jahre. Dafür sprießt die Pflanze ohne Düngung und Pflanzenschutzmittel und kann später über 20 Jahre lang im Jahresrhythmus geerntet werden. Nutzbar ist Miscanthus als Mulch, Einstreu oder als Brennstoff - vielleicht sogar einmal als Baustoff. Miscanthus kann daher beispielsweise in einer Trinkwasserschutzzone II-V1 angebaut werden.

Positive Erfahrungen gab es auch mit Nutzhanf - bis die belgische Kooperative, welche den Nutzhanf zu Fasern aufbereitete, unter anderem aufgrund von Differenzen mit dem Vertragspartner für die Transformation zu Isolationsmaterial Konkurs anmeldete. Dieses Beispiel zeigt, dass Wasserschutz in einer „Win-Win“-Situation für alle Beteiligten nur dann funktioniert, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. „Mit dem Absatzmarkt steht und fällt das Konzept“, sagt Bert Wolff. Zudem gibt es keine pauschalen Antworten, auf die man quer durchs Land zurückgreifen könnte, um Wasserschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verknüpfen. „Man muss punktuelle Lösungen finden.“

So wie auch auf einem Plateau in Simmern. Dort gibt es eine Fläche, von der aus abfließendes Wasser in eine Sandsteinkluft und damit auch schnell im Grundwasser landet. Die Lösung bestand am Ende darin, 75 traditionelle Hochstamm-Obstbäume anzupflanzen. Ein regionales Unternehmen kauft das Obst vorteilhaft auf und verarbeitet es weiter zu Cider. Andere Lösungen in Trinkwasserschutzgebieten können Kulturen wie Öllein, Dinkel und Roggen sein, welche extensiver angebaut werden können. Auch biologischer Landbau kommt infrage. Vor zwei Jahren hat das SES einen Kooperationsvertrag mit dem Institut für Biologische Landwirtschaft (IBLA) geschlossen, um Methoden wie weitgestellte Fruchtfolgen oder nachhaltige Bodenbearbeitung zu fördern. Wenn jemand solch einen Kurs besucht, dann nimmt er immer etwas neues Wissen mit“, argumentiert Wolff. Um im praktischen Trinkwasserschutz voranzukommen, nimmt das SES auch Geld in die Hand. Die Restkosten für die Teilnahme an Beratungsmodulen erstattet das SES ebenso wie Ertragsausfälle im Rahmen von Pilotprojekten, wenn beim Anbau oder der Ernte alternativer Pflanzen etwas schief läuft.

All das soll langfristig der Sicherung der Trinkwasserqualität dienen. „Rund ein Fünftel unseres Quellwassers kann heute leider nicht genutzt werden. Damit könnte man die Nordstad versorgen“, sagt Wolff.

Eine Wassermischung für die SES-Gemeinden

Wissen muss man, dass die SES-Gemeinden mit einer Mischung aus Quell-, Brunnen- oder SEBES-Wasser beliefert werden, welche je nach Bedarf und Messwerten angepasst werden kann. Durch dieses Quellenmanagement konnten beispielsweise die Metazachlor-ESA-Grenzwerte in den drei Hauptverteilungszonen des SES-Syndikats seit September 2016 mit zeitlich und räumlich punktuellen Ausnahmen eingehalten werden. Wenn der Wasserbedarf bei hohen Temperaturen sprunghaft ansteigt, werden Quellen zugeschaltet, auf die Wolff ansonsten gerne verzichtet. „Wir nutzen nur die besten Quellen“, sagt er. Dazu muss man allerdings wissen, dass lediglich ein Drittel der Quellen und drei Brunnen im SES-Einzugsgebiet als absolut pestizidfrei gelten.

Die hohen Sicherheitsanforderungen beim Trinkwasser muss man dabei im Hinterkopf behalten. Mit der heutigen Analytik können 20 Zuckerwürfel im Stausee nachgewiesen werden. Der Grenzwert von 100 Nanogramm Pflanzenschutzmittel pro Liter Trinkwasser ist um ein Vielfaches strenger als das, was beispielsweise bei Trauben oder Pfirsichen im Handel zulässig ist. „100 Nanogramm pro Liter entsprechen in etwa sechs Kilogramm Pflanzenschutzmittelwirkstoff im Volumen des Stausees in Esch-Sauer. Alleine durch die teilmechanische Maishackmaschine des SES konnten seit 2014 jährlich im Schnitt 12 Kilo Pflanzenschutzmittelwirkstoff eingespart werden“. Klar ist für Wolff, dass Prävention der Wasserbehandlung vorzuziehen ist. „Die Kosten für die Aufbereitung vom belasteten Grundwasser könnten sich auf bis zu 50 Cent pro Kubikmeter belaufen. Dieses Geld würde das SES lieber in den vorbeugenden Grundwasserschutz investieren.“ Was die Nitratwerte angeht, beobachtet man beim SES über die vergangenen 15 Jahre einen tendenziellen Rückgang. „Durch die weitere Zusammenarbeit erhoffe ich mir hier mittelfristig noch einen Schub in die richtige Richtung“, sagt Wolff. Was im Gespräch mit dem Qualitätsbeauftragten klar wird: Eine Trinkwasserschutzkultur baut man Schritt für Schritt auf.

Mit den bisherigen Erfahrungen, der Unterstützung durch den Wasserfonds, den Maßnahmenprogrammen, dem „Animateur“ und der bevorstehenden regionalen Zusammenarbeit gibt sich Bert Wolff aber zuversichtlich: „Eine neue Dynamik steht bevor“.