LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Regierung wünscht, dass mehr Eltern sich Zeit für die Kinder nehmen, vor allem mehr Väter

Vätern wird es in Zukunft leichter gemacht, sich in Zukunft mehr um ihren Nachwuchs zu kümmern. Gestern stellte Familienministerin Corinne Cahen (DP) die neue Regelung des Elternurlaubs vor, der die Sozialpartner nach breiten Diskussionen über Monate schließlich am vergangenen Freitag bei der Tripartite zustimmten. Flexibler soll er werden und besser bezahlt - beides Hürden, an denen so manches Elternpaar bislang scheiterte.

„Es ist ein weiterer Baustein in Richtung moderne Familienpolitik, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht und mehr Chancengleichheit für Väter bietet. Wir wollen, dass mehr Eltern Zeit mit ihren Kindern verbringen, ohne ihre Karriere zu unterbrechen oder in eine finanziell prekäre Situation zu geraten und wir wollen die Beziehung zwischen Eltern und Kindern stärken“, sagte Cahen. Eltern und Arbeitgebern werde es zudem leichter gemacht, eine bedarfsgerechte Lösung zu finden.

Hinter dem neuen Elternurlaub steckt nun eine ganz andere Philosophie: Der Elternurlaub ist keine pauschale Entschädigung mehr, sondern ein Lohnersatz, bei dem die Sozialversicherung und damit die Pensionsrechte aufrecht erhalten bleiben. Es wird der Nettoverdienst bis zu einer maximalen Höhe von 3.200 Euro erstattet, von dem dann nur noch die Sozialbeiträge abgehen. Allerdings wird man nur für die Arbeitsstunden entlohnt, die man bislang auch geleistet hat. Dass man im Elternurlaub mehr verdient als wenn man arbeitet, wird künftig nicht mehr möglich sein.

Lieber vier Monate als keinen Elternurlaub

Neben der bisher bestehenden Möglichkeit, sechs Monate voll oder zwölf Monate halbtags aus dem Beruf auszusteigen, wird künftig beiden Elternteilen auch die Variante vier Monate voll beziehungsweise acht Monate halbtags angeboten. „Das ist eine Wahl, die wir denjenigen anbieten, denen sechs Monate zu lang sind“, sagte Cahen. „Lieber vier Monate als gar nicht.“ Beim ersten Elternurlaub gibt es sonst keine weiteren Kompromisse - die Regierung will, dass er direkt im Anschluss an den Mutterschutz genommen wird und nicht weiter fraktioniert werden kann.

Erstaunt zeigte sich Cahen insofern von der CSV-Kritik. So hätte sich Françoise Hetto auch mehr Flexibilität beim ersten Elternurlaub gewünscht. „Wir wollen, dass im Interesse einer Festigung der Bindung gerade in den ersten Monaten ein Elternteil sich intensiv um das Kind kümmert. Das ist der CSV sonst doch auch so wichtig“, sagte sie.

Beim Elternurlaub für den zweiten Partner wird dann noch mehr Flexibilität geboten - von einem Tag pro Woche über 20 Monate bis hin zu vier Perioden von mindestens einem Monat innerhalb von 20 Monaten. Das gehe aber nur in Absprache mit dem Arbeitgeber: Der muss lediglich den Vollzeiturlaub von sechs oder vier Monaten akzeptieren. Alle anderen Varianten kann er ablehnen, muss allerdings eine Alternative anbieten.

Die übrigen Bedingungen bleiben bestehen: Man muss mindestens zwölf Monate vor Antritt des Urlaubs gearbeitet haben, man hat Kündigungsschutz - nun bis maximal 20 Monate und man kann keinen Anspruch auf den Partner übertragen. Und wenn man sich künftig für eine Art Elternurlaub entschieden hat, kann man nicht mehr wechseln.

20 Millionen Euro zusätzlich

Mit 20 Millionen Euro zusätzlich zu den 46 Millionen, die derzeit für den Elternurlaub jährlich anfallen rechnet die Regierung nun. Die seien eingerechnet, denn man habe sich schon im Regierungsprogramm zum Ziel gesetzt, mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun und den Elternurlaub zu fördern.

„So bleiben mehr Eltern in Arbeit und unabhängig - wir vermeiden Brüche in der Karriere, was dem Staat ja auch Steuern und Sozialbeiträge einbringt“, gab Cahen zu Bedenken. Cahen wird demnächst auch ein Abkommen mit der Bankenvereinigung ABBL unterzeichnen.

Die erklären sich allesamt einverstanden damit, dass Kreditrückzahlungen während des Elternurlaubs ausgesetzt werden können.