LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Finanzielle Unterstützung für Schwerstkranke ab 2018

Es sind seltene Fälle, aber es gibt sie: Menschen, die aufgrund einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls eine intensive Betreuung rund um die Uhr benötigen. Wenn sie sich dafür entscheiden, in ihrem Zuhause bei ihrer Familie zu bleiben, bedeutet das für den Lebenspartner, Verwandte und Freunde ein großes Engagement. Ab kommendem Jahr können Betroffene Anspruch auf eine zusätzliche finanzielle Unterstützung erheben. Die Minister Lydia Mutsch (LSAP), Corinne Cahen (DP)und Romain Schneider(LSAP) haben die vom Regierungsrat Ende Juni bewilligte Sondermaßnahme gestern vorgestellt. Dafür ist - mit der Möglichkeit einer Anpassung je nach Bedar - ab dem kommenden Jahr zunächst ein Posten in Höhe von 100.000 Euro im Budget des Gesundheitsministeriums eingeplant. Die genauen Modalitäten, etwa welche Bedingungen erfüllt sein müssen sowie der Maximalbetrag, den eine Person beanspruchen kann - sollen im Herbst festgelegt werden.

Kostenfaktor und viel Einsatz gefordert

Schätzungsweise 30 bis 40 solcher Fälle gibt es in Luxemburg. Neurodegenerative, neuromuskuläre oder Stoffwechselerkrankungen sowie auch schwere Behinderungen können der Hintergrund sein. In einzelnen Fällen müssen die Betroffenen künstlich beatmet oder über eine Sonde ernährt, meistens aber rund um die Uhr in ihrem Zuhause betreut werden. In jedem Fall variieren die Bedürfnisse von Fall zu Fall stark. Das erschwert eine Abdeckung beispielsweise über die Pflegeversicherung. Sozialminister Schneider sprach von Fällen, die „nicht generell über ein Gesetz abgedeckt werden können“. Die neue Maßnahme ist daher flexibel. Eine interministerielle Plattform soll als Ansprechpartner dienen und Fälle individuell bewerten. Zunächst soll sie bei der Orientierung helfen und an Institutionen, Verwaltungen und Dienste weitervermitteln, wenn deren Unterstützung noch nicht beansprucht wurde. Darüber hinaus kann sie, wo das bestehende Angebot nicht ausreicht, eine spezielle, an die Bedürfnisse der einzelnen Person angepasste finanzielle Unterstützung ausarbeiten. Es sei eine „pragmatische“ Lösung, sagte Schneider. „Wir bekommen hiermit eine ganze Abdeckung“, ergänzte er. Für die Angehörigen bedeute es eine „gewisse finanzielle“ Entlastung. „Ihr alltägliches Engagement werden und müssen sie behalten.“ Ausgearbeitet wurde die Maßnahme im Dialog mit sechs Betroffenen. Familienministerin Corinne Cahen wies darauf hin, dass die UN-Behindertenrechtskonvention Menschen das Recht einräumt, selbst darüber zu entscheiden, wo sie leben wollen.