LUXEMBURG
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„Rentrée“ in den Grundschulen: wie die Hauptstadt sie regelt

Ein Orange Kreis mit der Aufschrift „Kiss & Go“ ist vor einer Aufgangstreppe zur Grundschule in der „Rue du Commerce“ im Bahnhofsviertel aufgesprüht. Mit Warnbändern sind Nummern auf Eckpfeiler geklebt. Das alles wird Eltern und Kindern zur Orientierung dienen, wenn es am Montag wieder für die Grundschüler heißt: zurück auf die Schulbank nach über zwei Monaten „Homeschooling“.

Klar ist: das wird ein komplexes Unterfangen, denn natürlich müssen auch im Grundschulbetrieb die Distanz- und auch sonstigen Regeln zur Vermeidung der Ansteckungsgefahr respektiert werden.

Das Rotationsprinzip

Eine logistische Herkulesaufgabe, da dafür viel Platz und mehr Personal gebraucht wird. Denn die Dimension der Klassenräume reicht meist nicht aus, um die gebotenen Distanzen zu wahren - während die Lehrer natürlich nicht dauernd von einem Saal in den nächsten rennen können. Auch in den Pausen wollen die Hygieneregeln respektiert sein. Und bei den Kindern, die außerhalb der Schulzeiten in den Einrichtungen bleiben.

Das Bildungsministerium hat ja folgende Organisation festgezurrt: Es gilt das „Rotationsprinzip“, das heißt die Schüler der Klassen - die in zwei Gruppen à jeweils maximal zehn eingeteilt sind - besuchen abwechselnd die Schule.

Während die eine Gruppe während einer Woche den Unterricht in der Schule genießt (von 8.00 bis 13.00, an den Nachmittagen und Schultagen ohne Kurse können die Kinder auf Wunsch der Eltern betreut werden), wird die darauffolgende Woche dazu genutzt, den Stoff zu wiederholen und das Gelernte zu festigen, entweder in einer Betreuungseinrichtung unter Beaufsichtigung (fakultativ und gratis) oder aber zuhause.

Ein Ausnahme dazu bildet die kommende Woche vor den Pfingstferien: Dann besuchen die Kinder der Gruppe A besuchen die Schule am 25. und 26. Mai, die Kinder der Gruppe B am 27., 28. und 29. Mai. In der Hauptstadt gehen rund 5.000 Kinder in die 19 Schulen, die insgesamt 54 Gebäude umfassen.

Viel Kreativität gefordert

„Das ist eine richtige Herausforderung“, sagte Bürgermeisterin Lydie Polfer am Mittwoch bei einem Ortstermin mit Schulschöffin Colette Mart und den Verantwortlichen des Schulbetriebs in der Grundschule in der Rue du Commerce, wo 310 Kinder eingeschult sind. Sie sei noch nie mit einer solch komplexen Aufgabe im Schulbereich konfrontiert worden, so die DP-Politikerin, die allen Beteiligten für ihren Einsatz dankte, zumal diese parallel bereits die „Rentrée“ für September planen müssten. Es habe außerordentlich „viel Kreativität“ an den Tag gelegt werden müssen, um die Aufgabe zu meistern, die auch noch in einem sehr kurzen Zeitraum zu stemmen war. Die „Kreativität“ sieht man beim Blick in die Einrichtungen. Im Schulhof wurden bunte Punkte aufgemalt: sie helfen den Kindern bei der Wahrung der vorgeschriebenen Abstände.

Strikt getrennt

Es gibt überall Farbcodes, die den jeweiligen Klassen zugeordnet sind, so dass die Kinder gleich wissen, wo sie hinmüssen. Wenn sie mal müssen, müssen sie strikt die ihnen zugeteilte Toilette benutzen. Das Händewaschen muss im Klassensaal erfolgen. Dort findet auch das Mittagessen statt - die Schüler bekommen hier eine „Frupstut“ zur Verfügung gestellt.

Am Nachmittag dann gilt es rund 2.000 Schüler den „Foyers Scolaires“ zu betreuen. Sie wurden in 450 Gruppen aufgeteilt. Rund 50 Gruppen werden in privaten Strukturen betreut. Die Personalfrage sei gelöst, hieß es am Mittwoch, man habe rund 100 Kräfte zusätzlich für die Schulen benötigt und 84 für die „Foyers“. Allgemein sei man gerüstet für diese außergewöhnliche „Rentrée“. Dem „Reality Check“ fiebert man aber natürlich entgegen.