LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Der Klimawandel macht hiesigen Wäldern zu schaffen - Einfache Antworten gibt es nicht

Dem Wald geht es schlecht. Nur etwa zehn Prozent des Waldbestands in Luxemburg gelten als gesund. „Wir haben eine richtige Krise“, sagt Roger Schauls, Vizepräsident der Umweltschutzorganisation „Mouvement écologique“. Denn gleichzeitig sei der Wald wichtig, um die Auswirkungen des Klimawandels abzufedern. Aber auch wirtschaftliche Gründe gehören dazu. Im Vorfeld einer öffentlichen Konferenz gestern Abend hatte der „Mouvéco“ die Presse zum Ortstermin an den Rande des „Bambësch“ eingeladen, wo sich der deutsche Biologe Prof. Dr. Pierre L. Ibisch zusammen mit luxemburgischen Förstern ein Bild der Lage machte. „Das Interesse am Wald muss steigen“, sagt der Professor für Umweltschutz an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Brandenburg. Wälder seien wichtig für die Kühlung der Landschaft und den Wasserhaushalt, erklärt der Experte vor dem Hintergrund der jüngsten Hitzewellen. „Wir brauchen den Wald mehr denn je.“

Auf „Selbstheilung“ des Waldes setzen

Doch die Herausforderungen sind vielfältig und machen sich deutlich bemerkbar. Was vor 15 Jahren noch abstrakte Szenarien gewesen seien, zeige sich heute in aller Deutlichkeit. „Jetzt reden wir nicht mehr über Zukunftsszenarien“, so Ibisch weiter. In Deutschland ließe sich der Zusammenbruch großer Bestände beobachten. Die Fichte drohe „in kurzer Zeit“ zu verschwinden. Teilweise starke Absterbephänomene ließen sich auch bei der Buche feststellen. Was die Frage aufdrängt, was man unternehmen kann, um dem Waldökosystem zu helfen. Ibisch warnte gestern vor „Aktionismus“, an die neuen klimatischen Bedingungen angepasste „Wunderbäume“ finden zu wollen, die ihrerseits wiederum negative Auswirkungen auf das Ökosystem Wald haben können, oder Schadholz schnellstmöglich ausräumen zu wollen. Wichtiger sei es zu beobachten, was die Natur durch „Selbstheilung“ von sich aus machen kann. Denn dann würden in Zukunft vielleicht widerstandsfähige Pflanzen nachwachsen.

Einfach auf Bäume aus dem Mittelmeerraum zu setzen funktioniere mit Blick auf das gesamte Ökosystem nicht, so Ibisch weiter. Es sei nicht so, dass sich durch den Klimawandel einfach die Ökosystemgrenzen von Süden nach Norden verschieben würden. Entscheidend sei aus seiner Sicht, Klimaschutz konsequent in Angriff zu nehmen. Dennoch könne man dem Wald helfen, besser mit ausbleibendem Regen und Dürre zurechtzukommen. In heißen Phasen brauche der Wald mehr Holz für sich, so der Experte. So trage Biomasse, also etwa Totholz, zur Kühlung der Wälder bei. Zum Thema Aufforstung als Klimaschutzmaßnahme spricht sich Ibisch grundsätzlich positiv aus. „Jeder Baum zählt“. Allerdings wirft er die Frage auf, ob für eine Aufforstung in diesem Maße auch Platz sei. Zudem mahnte er vor der Illusion, den Klimawandel durch Wald kompensieren zu wollen.