PASCAL STEINWACHS

Wir wissen nicht, wer bei der CSV für die Ausarbeitung des Wahlprogramms verantwortlich zeichnet, aber für einen Lektor, der sich das großspurig „E Plang fir Lëtzebuerg“ getaufte Werk vielleicht auch ein zweites Mal zur Brust genommen hätte, scheint das Geld bei der größten Oppositionspartei jedenfalls nicht mehr gereicht zu haben, ansonsten ein vor Fehler strotzender, und im übrigen völlig sinnfreier Satz à la „Es kann durch mangelnde mangelnde Unterstützung, dazu kommen dass, diese Schüler selbst zu einem Faktor hinter diesen Ungleichheiten werden („Phénomène de banlieusation“)“ - das vorliegende Beispiel ist übrigens ausgerechnet im Kapitel zur Bildungspolitik zu finden - wohl kaum den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hätte.

Dabei hätte man eigentlich annehmen können, dass die CSV diesmal besser aufpassen würde, nachdem sie bereits vor einigen Wochen in einer an alle Haushalte verteilten Wahlbroschüre von „einer kinderlosen Kinderbetreuung“ geschwärmt hatte (mit Kindern wird die Kinderbetreuung natürlich um einiges schwieriger), und damit für allgemeine Erheiterung sorgte, und das nicht nur bei der politischen Konkurrenz.

Wer sich mit der Veröffentlichung seines Wahlprogramms derart lange Zeit lässt, von dem würde man derartige Peinlichkeiten eigentlich nicht erwarten. So soll das vollständige Wahlprogramm der Wiseler-Truppe ja erst nach den Sommerferien vorliegen, um dann am 15. September, also weniger als einen Monat vor den Wahlen, im Rahmen eines Wahlkongresses verabschiedet zu werden. Bis dahin wird der christlich-soziale „Plang fir Lëtzebuerg“ bekanntlich häppchenweise, das heißt im Rahmen dreier Pressekonferenzen, unter die Leute gebracht, was der nach Aufmerksamkeit heischenden Oppositionspartei natürlich die erwünschte mediale Präsenz beschert.

Präsenz markieren in diesen Tagen aber natürlich nicht nur die Oppositionspolitiker, sondern auch, der Wahltermin rückt schließlich immer näher, die Kandidaten jeglicher Couleur, was im Großen und Ganzen auch für die Regierungsmitglieder gilt, die sich bis vor kurzem ja noch regelrecht in der Organisation von Pressekonferenzen, Einweihungen, Ankündigungen und sonstigen Veranstaltungen zu überbieten versuchten, wobei Umweltministerin Dieschbourg mit ihrer dieswöchigen Pressekonferenz über die Berggorillas, Schneeleoparden und Bengaltiger mit Sicherheit den Vogel abschoss.

Von Wahlkampffieber ist derzeit jedoch zumindest bei der Wählerschaft, die sich bis zum Beginn der Schobermesse an der belgischen Küste oder an der Côte d’Azur die Zeit vertreibt, noch immer nichts zu sehen, was aber nicht verhindert, dass die aktuellen Weinfeste und sonstigen Festivitäten sich vor Politpromis kaum retten können, kann man seine potenzielle Wählerschaft doch schließlich auch im Zeitalter der sozialen Medien immer noch am besten im direkten Kontakt bezirzen.

Nach dem 14. Oktober kann man dann, wenn man nicht gerade mit den Koalitionsgesprächen und der Regierungsbildung beschäftigt ist, ja immer noch in Urlaub fahren...