LUXEMBURG
CAMILLE MULLER

Die Erde brennt – es wird wohl keinem entgangen sein. Eine Übersicht der Brände ist kaum mehr möglich, da es mit Ausnahme um den südlichen Polarkreis wohl keine paar Breitengrade mehr gibt, wo es die letzten Wochen keine Brände gab. „Dass der Fokus auf den Amazonas liegt, ist berechtigt“, resümiert Camille Muller von VegInfo.

„In den meisten Medien wird die Gier nach Soja und Fleisch für diese Katastrophe verantwortlich gemacht. Zugegebenermaßen gefundenes Fressen für uns Vegetarier (Veganer gehören dazu), um weiter unermüdlich auf die Verbindung zwischen Klimawandel und Fleischkonsum hinzuweisen.

Das mag auch richtig sein, ist aber nur ein Teil - wenn auch der größte - des Problems. Weltweit, nicht nur in Südamerika, werden für viele andere Konsumgüter Regenwälder abgebrannt, auch für Rohstoffe und Produkte, die zwar vegan sind, dennoch klimaschädliche Folgen und ethische Probleme nach sich ziehen. Dabei wird besonders von Vegetariern der Klimaschutz neben den Tierrechten als erster Grund ihrer Lebensweise erwähnt.

Kakao, Avocado und Quinoa sind nur einige Beispiele von Rohstoffen, die auch von umweltbewussten Vegetariern geschätzt werden, und aus denen Lebensmittel wie Schokolade und gehypte Produkte wie Guacamole und Quinoaburger produziert werden. Leider werden aber auch dafür die Regenwälder gerodet und Ackerböden kleiner Bauern geraubt. Beim Fokus auf die Landwirtschaft werden leider auch andere wirtschaftliche Sektoren außer Acht gelassen. Dass die Regenwälder, sowohl in Südostasien als auch in Südamerika, für sogenannte Agrokraftstoffe gerodet werden, wird kaum beachtet. Die große Umweltkatastrophe im Amazonas Ecuadors, wo für den Abbau von Erdöl der Regenwald verschmutzt wurde, ist ein anderes Beispiel dafür, wie der Regenwald herhalten muss.

Wer mag beim Benutzen seines Smartphones oder George Clooneys Alukapsel schon an Regenwälder denken? Von alltäglich benutzten Metallen wie Aluminium, über Edelmetalle wie Gold bis hin zu Mineralien wie Coltan werden ebenfalls Ökosysteme wie der Amazonas zerstört. Ob jetzt vegane SUV-Fahrer, grüne Vielflieger oder Birkenstockträger mit neuestem Smartphone – wir alle können unseren Konsum hinterfragen und verantwortungsvoller gestalten.

Nicht ein Verzicht, sondern eher die Befreiung eines maßlosen Konsums sollte uns dazu bewegen. Wenn die Einwohner Luxemburgs bis zum vierfachen an Fleisch zur Verfügung haben, als das, was ihnen ökologisch zusteht, dann sollte man hinterfragen, wer nachträglich für diesen Konsum zahlen muss. Beim ganzen Hype um das Sushi wird nicht genügend auf die Klimabelastung des Reisanbaus hingewiesen. Dass ein Kilo Reis aus Nassanbau genauso viele CO2-äquivalente Gase emittiert wie ein Kilo Biohähnchen ist den wenigsten Vegetariern bewusst.

Veganer dürfen keinen Porsche fahren, auch wenn der Vegetarier Bund Deutschland dies vor Jahren mit einem Slogan behauptete. Das Argument der Kompensation ist oftmals ein Schuss in den Ofen. Die kürzlich erschienene Schlagzeile einer veganen Kreuzfahrt offenbarte, wie falsch man mit solchen Entscheidungen liegen kann. Die Argumentationen, dass solch eine Kreuzfahrt immer noch besser ist, als eine mit tierischer Verpflegung oder einem Fernflug, ist aus ökologischer Sicht schlichtweg irreführend und ein typisches Beispiel des sogenannten ‚Whataboutism‘. Denn schlimmer geht immer! Zudem wird hier die Verschmutzung der Ozeane und die Förderung von Schweröl – oft aus Tiefseeförderung - ausgeblendet.

Wo soll man persönlich ansetzen? Eine Reduzierung von tierischen Produkten wird’s also alleine auch nicht tun - oder soll es die Politik erst mal richten? Neben der Aufklärung, dass man in den westlichen Ländern aufhören muss, den Planeten kaputt zu konsumieren, muss auch die Politik stärker reagieren. Eine sozialgerechte Oekosteuer muss her! Aber eine, die auch den einkommensstärkeren Steuerzahler nicht mehr weiterhin den Eindruck vermitteln darf, dass sie sich mit dem nötigen Kleingeld weiterhin alles leisten dürfen.  Maßloser Konsum ist kein Menschenrecht.“