TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Musical „Die Brücken am Fluss“ in deutscher Erstaufführung in Trier

Der Roman „The Bridges of Madison County“ vom amerikanischen Schriftsteller Robert James Waller wurde 1992 ein Bestseller. 1995 verfilmte Clint Eastwood die Geschichte, spielte selbst die Rolle des Fotografen Robert Kincaid neben Meryl Streep als Francesca. James Robert Brown komponierte 2014 die Musik zu einem gleichnamigen Musical, das nur drei Monate am Broadway lief. Immerhin gewann er einen Tony Award für die beste Musik sowie einen für die beste Orchestrierung. Es war sein zweiter Tony nach dem 1999 für die Musik für „Parade“. Das Theater Trier konnte sich die Rechte sichern, und „Die Brücken am Fluss“ feierte am 18. März die deutsche Uraufführung unter der Regie von Ulrich Wiggers. Die Übersetzung schrieb Wolfgang Adenberg.

Wiederentdeckte Gefühle

1965. Francesca (Carin Filipcic) ist mit Richard (Norman Stehr) verheiratet, und sie haben zwei Kinder, Michael (Chadi Yakoub) und Carolyn (Mariyama Ebel). Als ihr Mann und die Kinder für ein paar Tage zu einem landwirtschaftlichen Wettbewerb fahren, hofft die gebürtige Italienerin, einfach mal ausspannen zu können. Doch dann verirrt sich der Fotograf Robert Kincaid (Hans Neblung) auf ihren Hof. Er soll für das Magazin „National Geographic“ die überdeckten Brücken im Madison County fotografieren. Francesca begleitet ihn zu einer Brücke, und schon beginnt sich ihr Leben zu verändern. In ihr kommt ein längst vergessenes Gefühle hoch, das man Liebe nennt. Auch Robert entdeckt in Francesca eine Seelenverwandte. Sie bremsen ihre Gefühle nicht und leben ihre Liebe aus. Robert muss jedoch zurück nach New York und hinterlässt eine Telefonnummer, unter der er zu erreichen ist. Francesca muss sich ganz schnell entscheiden, entweder für ihn oder für ihre Familie.

Emotionsgeladen

Ulrich Wiggers gastiert erstmals in Trier. Er kennt das Genre des Musicals seit Jahren, als Regisseur und als Schauspieler. Er weiß genau, was er dem Zuschauer vermitteln will, und das gelingt ihm hundertprozentig, ohne Kitsch und überflüssigem Pathos. Mit Carin Filipcic und Hans Neblung stehen zwei wunderbare Darsteller an seiner Seite. Filipcic erinnert zwar mit dunkler Perücke an Meryl Streep im Film, aber sie spielt Francesca überaus glaubhaft auf ihre eigene Art. Man spürt förmlich den Wandel von der Ehefrau, die in ihrem Alltagstrott gefangen ist, zur frisch verliebten und verspielten Frau. Hans Neblung als Robert bleibt dagegen eher ernst, ist aber komplett überrascht, als ihn die Liebe erwischt.

Im Gegensatz zu Francescas frischem Glück steht die konventionelle Ehe ihrer Nachbarin Marge (Conny Hain), die sie mit dem Fernglas ausspioniert, und ihrem coolen Mann Charlie (Christopher Ryan), der immer wieder die voreiligen Schlüsse von Marge kontert.

Sidonie Smith spielt die Ex-Frau Marian von Robert und bringt etwas Stimmung als Country-Sängerin und Geigerin auf einem Tanzfest in die emotionelle Geschichte. Ganz stark ist ihre Interpretation von dem von Marian gesungenen „Ne and’re Welt“.

Die Hebebühne des Theaters kommt dem Spielfluss zu Gute, so dass es keine Unterbrechungen zwischen den Szenen gibt. Einige Rückblenden spielen entweder auf der erhobenen Etage über der Bühne oder verschmelzen mit dem Geschehen unten. Die Bühnenbilder werden herabgelassen und stellen unter anderem die Küche, die Zimmer oder den Eingang des Hauses dar.

Schlussendlich zaubern die meist zarten Lieder in Kombination mit den schönen Stimmen eine bewegende Atmosphäre ins Trierer Theater. Ganz vorzüglich klingen „Es wird nichts passieren“, „Dir entgegen“, „Fast Real“ und „Das eine, was bleibt“. Somit ist „Die Brücken am Fluss“ ein nicht zu verpassendes Musical in Trier.

Das Stück wird noch sieben Mal gespielt. Infos unter www.teatrier.de