LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Die Vereinigung „De Cliärrwer Kanton“ feiert ihr 40. Jubiläum - und hat noch viel vor

Wir schreiben das Jahr 1979. Die Nordspitze des Landes ist wirtschaftlich und infrastrukturell abgehängt. Landflucht prägt die Region, die Leute ziehen weg in die Hauptstadt oder ins „Minette“, wo vielversprechendere Karriere- und Berufsmöglichkeiten winken. Das wollten einige „Cliärrwer“ aber nicht so einfach hinnehmen.

Sie streckten die Köpfe zusammen und gründeten eine Vereinigung, der sie ganz einfach den Namen ihres Heimatkantons gaben. Das Ziel: die Förderung des kulturellen Lebens in einer Gegend, in der die Menschen weit verstreut waren und die Aufrechterhaltung der Verbindungen umso schwieriger.

Die Sorgen und Nöte des Nordens auf dem Radar

„Der Verein wurde aus der Not heraus gegründet“, erzählt André Bauler, seit 2015 Präsident des „Cliärrwer Kanton“. Der DP-Abgeordnete und Professor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist ein emsiger Verfechter der Interessen des ländlichen Raums und hält gerne die Kulturlandschaften seiner Heimatregion, insbesondere des Öslings, mit der Kamera fest. „Die Vereinsgründer konnten auch auf die Hilfe einer Reihe von Bürgern mit Wurzeln im Norden zählen“, sagt André Bauler und nennt den Literaturprofessor und Victor Hugo-Forscher Tony Bourg aus Weicherdingen, den renommierten Schriftsteller Lex Jacoby oder auch noch den Juristen und Ehrenabgeordneten Paul Henri-Meyers (CSV), der aus Binsfeld gebürtig ist. Aus diesem beschaulichen Ardennerdorf in der Gemeinde Weiswampach stammte übrigens auch der frühere Bautenminister René (Boy) Konen (DP), der sich sehr für seine Heimatgegend einsetzte.

„Die damalige CSV/DP-Regierung unter Pierre Werner und Colette Flesch wurde durch den neugegründeten Verein empfindsamer für die Sorgen und Nöte des Nordens“, erklärt Bauler weiter. Schlussendlich gab es sogar eine Art „Nord-Gipfel“: am 16. März 1984 reiste fast die gesamte Regierung nach Clerf, um sich über die Lage vor Ort zu informieren und mit den lokalen Verantwortungsträgern und den Bürgern über Perspektiven für das Ösling zu diskutieren.

Der stete Einsatz der Vereinigung „De Cliärrwer Kanton“ sei nicht unschuldig gewesen, dass es zu diesem denkwürdigen Treffen kam, infolge dessen eine Reihe von Initiativen für die Dynamisierung der Nordspitze getroffen wurden, welche die Regierung fortan stärker „auf ihrem wirtschaftspolitischen und -sozialen Radar“ hatte.

Ausstellungen und Wortmeldungen

Es wurden Aktivitätszonen gegründet, das Straßennetz wurde verbessert und Mittel für die interkommunale Zusammenarbeit bereitgestellt. Im November 1985 konnte das „Syndicat intercommunal pour la Promotion du Canton de Clervaux“ aus der Taufe gehoben werden. Der Verein „De Cliärrwer Kanton“ wurde nicht müde immer und immer wieder auf sich aufmerksam zu machen, zum Beispiel mit der sehenswerten Ausstellung „De Cliärrwer Kanton: e schéint Stéck Lëtzebuerg“. Oder etwa die Spezialnummer zum Thema A7 („Ee Land: zwou Welten?“). Oder jene über das neue Lyzeum in Clerf (Titel: „Rien oublié?“).

Der Haupteinsatz der Vereinigung gilt aber nach wie vor der Vernetzung der Öslinger untereinander. Die viermal im Jahr erscheinende Zeitschrift - es erscheinen drei reguläre und eine Spezialnummer - dokumentiert die Geschichte sowie das kulturelle Patrimonium im Norden, gibt aber auch politische und wirtschaftliche Impulse. Laut André Bauler kamen so über die Jahre rund 14.000 Seiten mit über 3.700 Artikeln und unzähligen Fotos zusammen. Man findet die Titelseiten der Zeitschrift auf der Webseite des Vereins, kann sie aber auch zum Beispiel in der Bibliothek Tony Bourg in Ulflingen einsehen, die vom „De Cliärrwer Kanton“ betrieben wird und rund 5.000 Ausleihen pro Jahr verzeichnet beziehungsweise 14.000 Bücher beherbergt. Und wie sieht die Zukunft der Vereinigung, die seit langem weit über den Kanton Clerf hinaus arbeitet, aus? „Wir wollen auch weiterhin eine Ideenschmiede für den Norden sein“, sagt André Bauler, der Mitte November viele Gäste zur Jubiläumsfeier begrüßen wird.