LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Schüler recyceln Werbeplanen der Rockhal und landen Verkaufstreffer

Einkaufsbeutel, Kosmetiktasche oder Stiftemappe: Auch diese Alltagsgegenstände, die eigentlich nur dazu dienen, um Dinge aufzubewahren oder zu transportieren, können persönlich sein und sich von der Masse abheben. Das haben sich auch acht Schüler des Lyzeum Diekirch gedacht und bei einem Angebot der Rockhal nicht nein gesagt.

Die Konzerthalle hatte nämlich bei einer Formation für „mini-entreprises“ Anfang des Jahres angeboten, für ein Projekt alte und ausrangierte Planen und Werbebanner zu stellen. Darunter auch von Festivals wie dem „Screaming Fields“ oder von Konzertauftritten internationaler Stars. „Wir waren die einzigen, die diese Planen haben wollten und wir hatten auch ziemlich schnell die Idee, dass wir daraus Jutebeutel machen lassen“, erklärt Max Bintener von der „mini-entreprise“ „The Bag“. Das Ziel war, etwas Nachhaltiges und Individuelles zu machen, das nicht jeder hat. Also führte der nächste Weg zu einer Schneiderin, welche die Taschen professionell anfertigt.

Absatzmöglichkeiten gesucht

Die 19- und 20-Jährigen haben gezielt nach Schneiderbetrieben in Luxemburg und dem nahen Umland gesucht. „Das war sehr schwierig, weil es hier davon immer weniger gibt“, sagt Max und erklärt, „zwei wesentliche Kriterien waren für uns wichtig: die Qualität musste stimmen und der Preis passen.“ War die Auswahl eingegrenzt, haben die jungen Unternehmer am Ende schnell eine Schneiderin gefunden, die mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Dass ein Jutebeutel nicht über 30 Euro kosten kann, da waren sich die Jugendlichen einig. Ein einfacher Jutebeutel aus ihrer „mini-entreprise“ ist nun für 15, 16 Euro zu haben, soll es ein spezielles Design und die höchste Größe sein, liegt der aktuelle Preis bei 24 Euro.

Über die Nachfrage können sich die Schüler derzeit nur freuen. „Wir haben sehr viele Kunden, aktuell sind wir sogar ausverkauft und müssen neu produzieren lassen.“ Für Nachschub ist jedenfalls gesorgt: Momentan hat die kleine Firma noch genug Planen, ansonsten steht man mit der Rockhal in Verbindung.

Um die Taschen an den Mann und an die Frau zu bringen, schlagen die Schüler an verschiedenen Orten ihre Verkaufsstände auf, etwa in der „Belle Étoile“ und im Topaze. Was ihnen aber derzeit noch fehlt, sind mehr dauerhafte Verkaufsmöglichkeiten. Bisher vertreibt ein Geschäft die Taschen, ab Mitte April soll noch ein weiteres Geschäft mit mehreren Läden im Land dazukommen. „Wir suchen aber noch Geschäfte, wo wir noch verkaufen können.“ Schließlich läuft es für die Schüler so gut, dass sie momentan daran denken, die „mini-entreprise“ auch nach dem Projektende weiter zu betreiben. Ein Erfolg für die acht Jugendlichen, den sie mit ihren vorigen „mini-entreprises“ nicht in diesem Umfang hatten.

Erfolg im dritten Anlauf

Das Team arbeitet in dieser Formierung im Großen und Ganzen schon seit drei Jahren zusammen. Das erste Projekt, eigene Karamellbonbons, war ziemlich aufwendig. „Das war mit sehr, sehr viel Arbeit verbunden, weil wir die Bonbons selbst hergestellt haben, da war es auch schwierig, sich von den großen Konkurrenten abzuheben“. Weil es keine Möglichkeit gab, diese „mini-entreprise“ nach dem Projekt weiterzuführen, stellten die Schüler die Produktion ein. „Das sieht mit ‚The Bag‘ anders aus, es könnte unser erfolgreichstes Projekt werden“, glaubt Max - denn das Team ist nach den ersten Erfahrungen überzeugt, dass sich die Taschen und Beutel sehr gut verkaufen lassen. Auch bei dem Projekt im Vorjahr lief es schon besser: Die Schülerfirma „Rebook“, die aus alten Büchern Kunstobjekte entstehen ließ, wurde zu einer der drei besten „mini-entrepises“ des Jahres gewählt.

Um als Team zu funktionieren, haben die Schüler die Arbeit aufgeteilt: Während ein Mitglied für neue Produktideen zuständig ist, organisiert ein anderes die Zusammenarbeit mit der Schneiderin, ein drittes regelt die Finanzen, die Einhaltung des Arbeitsplans und die Organisation des Marketings sind ebenfalls fest zugeteilte Aufgabenbereiche. „Wir übergeben aber auch Aufgaben, wenn in bestimmten Bereichen mal mehr Arbeit ist, aber jeder muss schauen, dass sein Bereich stimmt“, erklärt Max. Die Erfahrungen aus den ersten beiden Projekten schätzen die Schüler positiv ein: „In der Gruppe lernt man sich immer besser kennen und weiß, wo die Kompetenzen liegen“. Dabei könne jeder auch Fehler machen. Wichtig aber sei, dass man diese bespreche und als Gruppe auch daraus einen Lerneffekt erziele.


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der Facebook-Seite von „TheBag“ unter fb.com/thebag.lcd