SANEM
CLAUDE KARGER

Vom Krisenbewältigungsinstrument zum Militärdienstleister: 40 Jahre „Warehouses Service Agency“

Ein ungewöhnlicher Tag in der Geschichte einer ungewöhnlichen Firma: das war der Samstag bei der „Warehouses Service Agency“. Anlässlich des 40jährigen Bestehens des Aufbewahrungs-, Logistik- und Wartungsdienstleisters, dessen Hauptkunde die amerikanische Luftwaffe in Europa ist, hatte das Unternehmen erstmals seine Tore für das breite Publikum geöffnet, das dann auch vor dem Start der „Porte Ouverte“ Schlange stand, um einen Standort zu entdecken, für den sonst strenge Sicherheitsvorkehrungen herrschen.

Auch am Samstag war lediglich ein Teil der 38 Hektar großen Anlage mit ihren 17 jeweils 5.000 Quadratmeter-Hallen zugänglich.

Der Großteil der rund 500.000 Maschinen und Teile –Munition gibt es hier nicht, das verbietet ein Vertrag zwischen den USA und Luxemburg fest - im Wert von insgesamt 1,7 Milliarden Dollar, die hier aufbewahrt werden, blieb also vor den Blicken verborgen. Dennoch konnten sich die Gäste ein gutes Bild von den Wartungsarbeiten machen, die hier vonstatten gehen. Ein Teil der rund 180 WSA-Mitarbeiter stand im zentralen Teil der Anlage für Erklärungen gerne zur Verfügung, während den Besuchern, die mehr von dem Areal sehen wollten, das über eine eigene Eisenbahnlinie verfügt, ein Bus zur Verfügung stand.

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„Die WSA war kein Betrieb, der auf die Dauer ausgelegt war“

Dass es die WSA, die heute 95 Prozent der Materialreserven der US Air Force in Europa lagert, überhaupt noch gibt, ist einer ganzen Reihe von Fügungen geschuldet, die eng an die Weltpolitik geknüpft sind. Generaldirektor Laurent Bodson erzählte bei einer akademischen Sitzung im Vorfeld der „Porte Ouverte“ die „ungewöhnliche Geschichte“ des Betriebs, dessen Mutter die Stahl- und Wirtschaftskrise der 1970er war. Damals kam es zu massivem Stellenabbau, betroffen waren Unternehmen wie Arbed, Monsanto in Echternach und General Motors in Käerjeng. Dass die US-Streitkräfte in dieser Zeit neue Lagerflächen für ihr Material suchte, war eine Chance für hunderte qualifizierte Schlosser, Mechaniker und anderen Profis auf der Jobsuche: Die vom Staat (75 Prozent der Anteile) und Arbed (25 Prozent) gegründete WSA konnte nach einer Vereinbarung zwischen Luxemburg und den USA im Dezember 1979 ihre Arbeit aufnehmen. Vorangegangen waren sechs Monate Verhandlungen. „Die WSA war kein Betrieb, der auf die Dauer ausgelegt war“, erklärte Laurent Bodson vor zahlreichen Gästen, allen voran Premier Xavier Bettel, Verteidigungsminister François Bausch, dem stellvertretenden Missionschef der US-Botschaft, Casey K. Mace und einer Delegation von Offizieren der USAF-Basis Ramstein.

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Schwierige Zeiten nach Ende des Kalten Krieges

Fakt ist, dass die Existenz der Agentur, die einen Standort in Düdelingen betrieb und einen in Sanem, mehr als einmal auf dem Spiel stand. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 zum Beispiel und dem Zerfall der Sowjetunion ab 1991. Mit dem Ende des Kalten Krieges führten die USA ihre Truppenstärke in Europa stark zurück.

Ein weiterer Schock kam 2006 als die US Army beschloss, sich vom Transitlager Düdelingen zurückzuziehen. 230 Arbeitsplätze bei der WSA standen auf dem Spiel, am Ende wurden 62 Stellen abgebaut. Auf dem ehemaligen WSA-Areal zwischen Bettemburg und Düdelingen gedeiht heute das Eurohub Sud-Logistikzentrum. Am Standort Sanem ist die USAF, die seit 1994 hier Lagerungs- und Wartungskapazitäten einkauft, heute der einzige ausländische Kunde, neben Armee, Polizei und Justiz.

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Ausbau vorgesehen

Aber die Zukunft des Standorts, in dessen Modernisierung weiter investiert wird, scheint gesichert. Die USAF will nämlich mehr Lagerkapazität in Sanem haben und momentan laufen Verhandlungen zwischen luxemburgischen und US-Behörden, um einen neuen Dienstleistungsvertrag zu schnüren, der bis 2028 läuft und die Zahl der Jobs bei der WSA auf rund 300 steigern würde. Der Bau neuer Hallen vor Ort würde sich dann auch aufdrängen. Casey Mace nannte die Zahl von 64 Millionen Dollar Zusatzinvest. Verteidigungsminister Bausch möchte indes spätestens im Oktober einen Gesetzentwurf einreichen, der die Beteiligung Luxemburgs an dieser Investition regelt. Er wünschte sich, dass der Ausbau der WSA in Sanem bereits Ende des Jahres in Angriff genommen werden kann. Momentan läuft schon mal die Erweiterung des Parkraums.