LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

In den staatlich betriebenen Kinderheimen hat man sich „erstaunlich gut“ auf die neue Situation eingestellt, sagt Direktorin Carine Kelsen

Noch sind alle gesund und munter. So könnte man die Lage, Stand vergangener Freitag, in den Heimen des „Institut étatique d’aide à l’enfance et à la jeunesse“ (aitia) zusammenfassen. „In den Gruppen geht es ruhig zu, wir haben noch keine Probleme mit Krankschreibungen und auch noch keinen Infektionsfall unter den Kindern“, sagt die Direktorin des Staatlichen Instituts der Kinder- und Jugendhilfe, Carine Kelsen. Die Leiterin des früher als „Staatliche Kinderheime“ bekannten Institution wurde zusammen mit Vertretern anderer Einrichtungen vor der Anordnung der Schließung von Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und anderen Strukturen informiert. „Wir haben uns vergleichsweise schnell intern zusammengesetzt, um zu schauen, wie wir mit dieser Situation umgehen“, erklärt Kelsen. Im Falle von etwa einem halben Dutzend Kinder sei es möglich gewesen, sie nach Hause zu schicken. Auf die mehr als 47 verbleibenden Kinder, ihre Eltern und das Personal kamen derweil Umstellungen zu. Es sei für alle Beteiligten eine „sehr ungewohnte Situation“.

Besuche bei Lockerung der Regierungsanweis-ungen wieder denkbar

Um eine Einschleppung des SARS-CoV-2-Virus zu verhindern, wurden physische Besuche bis auf Weiteres eingestellt und auf Skype oder WhatsApp verlegt. „Wir haben uns viel Zeit genommen, um den Kindern die Maßnahmen der Regierung zu erklären“, führt Kelsen aus. „Die Kinder verstehen das sehr gut. Auch die Eltern haben es gut aufgenommen“. Dass diese Entscheidung derart viel Verständnis hervorruft, habe sie überrascht, sagt Kelsen. „Wir haben die Besuche zum Schutz der Kinder, der Eltern und des Personals eingestellt. Je länger diese Situation anhält, umso schwieriger wird es“, führt sie aus. Denn Videoanrufe erfüllen zwar ihren Zweck, ersetzen aber nicht den physischen Kontakt.

Auf Verständnis setzt sie ebenfalls bei Elternteilen in einer Scheidungssituation, die ihr Besuchsrecht im „Service Treff-Punkt“ wahrnehmen wollen. „Die Richtlinien der Regierung überwiegen zum jetzigen Zeitpunkt“, sagt Carine Kelsen. „Wir versuchen, den Kontakt zu den Kindern so gut es geht aufrecht zu erhalten“. Bei einer Lockerung der Ausgangs- und Versammlungseinschränkungen plant das staatliche Institut eine Wiederaufnahme der begleiteten Besuche, wenngleich nicht im gewohnten Umfang von 30 bis 40 Besuchen an einem Wochenende. So könnte sich etwa eine Familie pro Raum mit einem Begleiter sehen.

Die Umstellung auf den Unterricht auf Distanz hat nach Angaben Kelsens gut geklappt. Das liegt zum einen am ohnehin bereits bestehenden Kontakt zu den Klassenlehrern. Einige Kinder profitieren sogar von der Situation. „Für manche Kinder ist es eine Beruhigung, weil der Schulstress wegfällt“, erläutert Kelsen. Schwierigkeiten gab es hingegen insofern, als es anfangs an informatischem Material fehlte. Doch inzwischen habe man iPads erhalten, sodass die Sekundarschüler ihrer Arbeit nachgehen können. Außerhalb der Osterferien versucht man in den verschiedenen Häusern des Instituts einen gewissen Tagesrhythmus beizubehalten.

Aktivitäten abseits des Hausaufgaben finden derweil vor allem im oder um das Haus herum statt, bisweilen ist auch ein Waldspaziergang drin. Die Vorsichtsanweisungen wie regelmäßiges Händewaschen werden bestmöglich eingehalten. Die Wahrung eines Mindestabstands ist aber zumal bei Kleinkindern kaum möglich. Vor allem setzt die Institution aber ohnehin auf eine größtmögliche Abschottung von außen. Kelsen kann dabei auf das Engagement der Mitarbeiter der Einrichtung zählen, die auch vor Überstunden nicht zurückschreckten und große Solidarität zeigten.

„Therapie zwischen Klammern“

Das psychotherapeutische Tageszentrum „Andalê“ bleibt derweil bis auf Weiteres geschlossen. Der Kontakt zu den Therapeuten besteht weiter. Kelsen spricht von einer „Therapie zwischen Klammern“. Es bestehe das Risiko, dass vor allem gerade erst aufgenommene Therapien verlängert werden müssten - eine Herausforderung. Es sei daher von Vorteil, dass die Therapeuten ohnehin bis in den August hinein arbeiten. „Da bleibt also noch Luft, um die eine oder andere therapeutische Sitzung anzubieten.“

Was die Foyers angeht, so gibt es einen Notfallplan, sollte sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Kind mit Covid-19 infizieren. „Wir haben in unserer Jugendgruppe Platz gemacht. Dort können wir Kinder isolieren. Das Ministerium hat ebenfalls Quarantänemöglichkeiten in zwei Häusern geschaffen. Wir sind auf den Fall vorbereitet“, versichert die Leiterin des Staatlichen Instituts der Kinder- und Jugendhilfe. Das bedeutet auch, auf einen Reservepool von Mitarbeitern zurückgreifen zu können, um eine Betreuung aller Gruppen, also auch der Quarantänegruppe, zu gewährleisten.