LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK MIT DAPD

Auf der Suche nach dem Pferdefleisch

Ob Lasagne, Gulasch, Chili con carne oder Döner: Die genauen Ausmaße des so genannten Pferdefleischskandals sind noch nicht abzusehen. Rund 750 Tonnen Pferdefleisch sollen allein über Spanghero in Europa verbreitet worden sein, ein Großteil davon als Rindfleisch. Doch auch andere Unternehmen melden, dass in ihren Produkten nicht das drin steckt, was drauf steht. So kündigte der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé gestern an, mehrere Produkte aus den Regalen zu nehmen, weil sie in Rindfleischprodukten eines deutschen Zulieferers Pferde-DNA nachweisen konnten. Die EU will jetzt die Ausmaße des Skandals mit europaweiten DNA-Analysen ausloten. In Luxemburg werden ab Mitte März systematisch Produkte, die ausschließlich Rindfleisch enthalten sollen, DNA-Analysen unterzogen sowie Pferdefleisch auf medikamentöse Rückstände untersucht. In Deutschland laufen die Kontrollen bereits.

Welle von Kontrollen ausgelöst

Als Mitte Januar in Tiefkühl-Hamburgern ein Pferdefleisch-Anteil von bis zu 100 Prozent nachgewiesen werden konnte, sowie etwas später auch in Rindfleisch-Lasagnen, war die Aufregung groß. Der „inakzeptable Betrug“, so die Landwirtschafts- und Gesundheitsministerien, war besonders in den Ländern schwerwiegend, in denen Pferdefleisch üblicherweise nicht auf dem Speiseplan steht, in Großbritannien etwa, aber auch in Deutschland. Dennoch rissen die Meldungen nicht ab, nachdem eine Entwarnung für Gesundheitsrisiken gegeben wurde. Insgesamt seien 750 Tonnen Pferdefleisch verarbeitet worden, rund 4,5 Millionen Fertigprodukte sollen insgesamt betroffen sein.

Das in Capellen ansässige Unternehmen Tavola, Tochterunternehmen der Comigel-Gruppe verarbeitete als Rindfleisch gekennzeichnete Ware, die über viele Umwege vom französischen Unternehmen Spanghero bestellt worden war. Der auf Fleischverarbeitung spezialisierte Betrieb, kurzfristig gesperrt, kann seine Arbeit, wenn auch mit Einschränkungen, wieder aufnehmen. Auch wenn das Vertrauen in die Industrie der Fertigprodukte erschüttert sein dürfte. Inzwischen häufen sich nämlich unabhängige Meldungen, wie der Fall Nestlé belegt. Was die Resultate der DNA-Analysen zutage fördern, wird sich zeigen. Mit mehr Fällen ist auf jeden Fall noch zu rechnen.