LAROCHETTE
CORDELIA CHATON

In jahrelanger Kleinarbeit haben zwei Frauen ein Haus in Larochette renoviert

Fantastisch, außergewöhnlich, gewaltig, fabelhaft! Wenn die Gäste der „Villa des Dames“ ihre Bewertungen auf einem bekannten Buchungsportal hinterlassen, gibt es nur Bestnoten, egal ob sie aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Belgien, Spanien oder den USA kommen. Denn das alte Herrenhaus in Larochette ist alles, nur kein gewöhnliches Bed&Breakfast.

Suiten und Zimmer sind großzügig ausgelegt und stilsicher gestaltet - Lëtzebuerger Journal
Suiten und Zimmer sind großzügig ausgelegt und stilsicher gestaltet

In der alten Villa in Larochette haben Martine Künzer und Mariella Malva sich einen Traum erfüllt: Nach liebevoller Restaurierung ein eigenes Haus für Gäste zu eröffnen. Wer durch die zwei Zimmer und zwei Suiten geht, versteht, warum es gedauert hat, bis die „Villa des Dames“ eröffnet wurde. Hier stimmt jedes noch so kleine Detail, Kissenbezüge sind farblich auf Vasen abgestimmt, die Bettwäsche passt zum Farbkonzept der zurückhaltend-stilsicher gestalteten großzügigen Räume. Die modernen Bäder sind geschickt eingepasst und setzten hier und da farbliche Akzente. Das Haus von 1917 ist ein luxuriöses Refugium - mit Ausblick auf das Schloss von Larochette.

„Das hier ist ein Herzensprojekt“, unterstreicht Künzer beim Rundgang. Das sieht und merkt man. Das Haus ist stilvoll bis ins Detail restauriert. „Wir haben das Vorhandene so weit wie möglich belassen“, berichtet Malva. Dabei kam den Betreiberinnen entgegen, dass die Vorbesitzerin, eine ältere Dame, das Haus in einem sehr guten Zustand gehalten hatte. Es war lange der Wohnort einer Fabrikantenfamilie gewesen. „Denn Larochette war jahrelang bekannt für seine Textilindustrie“, weiß Künzer, die sich sehr für Lokalgeschichte interessiert und zahlreiche Fakten auf der Webseite der „Villa des Dames“ zusammengetragen hat. So lebt der Glanz der alten Zeit weiter in Stuckdecken und Holzböden, in Jugendstilfliesen und Wandbemalungen.

Mariella Malva hat viel Zeit mit  Renovierungsarbeiten verbracht - Lëtzebuerger Journal
Mariella Malva hat viel Zeit mit Renovierungsarbeiten verbracht

Malva erinnert sich noch genau, wie lange die beiden nach dem richtigen Objekt gesucht hatten. „Ich kannte das Haus schon als Kind. Als ich hörte, dass es verkauft werden sollte, habe ich sofort angerufen. Wir hatten Glück, denn die Besitzer wollten, dass es in gute Hände kommt.“

So war der Kauf der denkmalgeschützten Immobilie 2014 wohl für beide Seiten ein Glücksfall. Die neuen Eigentümerinnen machten anfangs viel selbst. Die gesamten Renovierungsarbeiten dauerten insgesamt vier Jahre. Da traf es sich gut, dass beide andere Brotberufe haben und so ihrer Leidenschaft frönen konnten.

Auf die Gäste wartet ein Frühstück mit Obst, selbstgemachter Marmelade, Bioware und vielen Leckereien, das im Sommer auch auf der Terrasse im Garten eingenommen werden kann. Wer will, kann auch Räume mieten: Im Keller des Hauses wartet zum einen ein romantisches Gewölbe mit silbernem Lüster und separatem Zutritt auf große Momente. „Gern kochen wir dann auch für diese Gäste“, erklärt Malva. Zum anderen gibt es einen daran angrenzenden, rund 60 Quadratmeter großen Raum mit Bar, der für Feiern oder Vernissagen vermietet werden kann. „Oder auch für Pop-up stores“, schlägt Künzer vor. Am 23. und 24. November laden sie zu einer Weihnachtsausstellung mit Blumengestecken und Dekorationsobjekten ein.

Doch die Betreiberinnen haben die „Villa des Dames“ nicht nur so genannt, weil sie schon lange in Frauenhand war und wieder ist. Sie stehen auch selbst Projekten für und mit Frauen sehr offen gegenüber. „Es gibt viele, die in der Kunst und Literatur aktiv waren und nicht so bekannt sind. Da böte sich beispielsweise eine Ausstellung an“, überlegt Künzer laut. Beide unterstützen auch die offizielle Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen im Rahmen der „orange week“, „Lët’z say no“.

Das romantische Gewölbe lässt sich einzeln mieten - Lëtzebuerger Journal
Das romantische Gewölbe lässt sich einzeln mieten

Während sie die „Villa des Dames“ weiter entwickeln, halten die Betreiberinnen weiter die Augen offen. „Wir könnten uns noch ein weiteres Objekt vorstellen“, lächelt Malva. Natürlich nicht irgendeines. Ein schönes Herrenhaus oder Schloss sollte es schon sein. Gegen Renovierungsarbeiten haben sie auch nichts. Hauptsache, es wird wieder ein Herzensprojekt.

www.villadesdames.com

Die Bäder setzen farbliche Akzente - Lëtzebuerger Journal
Die Bäder setzen farbliche Akzente