LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Nach den Waldbränden in Portugal: Wie freiwillige Helfer von der Hilfsbereitschaft in Luxemburg überwältigt wurden

Familien, die in ihren Fahrzeugen und Dörfern von den Flammen eingekesselt, Ortschaften, die dem Erdboden gleichgemacht wurden: Als Claudia Guedes, Fernanda Quintas und Serj Silva wie andere auch von den verheerenden Waldbränden Mitte Juni in Portugal hörten, wollten sie helfen. Doch was als private Initiative unter Freunden begann, löste schon bald eine Welle der Solidarität und Spenden in der Bevölkerung aus, die ihre Erwartungen komplett überstiegen.

Doch obwohl ganze Wochenenden zur Bewältigung dieser logistischen Herausforderung draufgingen, unzählige Anrufe gemacht und Nachrichten beantwortet, Spenden sortiert und wieder eingepackt werden mussten: Statt Erleichterung machte sich eine Traurigkeit unter den Dreien breit, als sich vorige Woche der - vorerst - letzte Laster vom Großherzogtum aus in Richtung Portugal aufmachte. „Es war insgesamt genial. Wir waren traurig, als der letzte Lkw losfuhr“, erzählt Serj Silva im „Journal“-Gespräch. „Wir haben uns so leer gefühlt“, sagen Claudia Guedes und Fernanda Quintas - letztere war als einzige der Dreien zuvor schon einmal freiwillig engagiert. Sie sprechen von einem „guten Stress“, haben in den vergangenen Wochen viele Menschen kennengelernt und alte Bekannte und Freunde nach Jahren wiedergesehen.

70 Paletten, jeweils zwei Meter hoch

Ohne die Hilfe zahlreicher Freiwilliger hätten Claudia Guedes, Fernanda Quintas und Serj Silva die viele Kleidung, Medikamente, Hygieneartikel oder auch Babysachen nicht bewältigen können. „Wir sind sehr froh, dass Luxemburg so reagiert hat“, resümiert Silva rückblickend und betont, es seien bei Weitem nicht nur Portugiesen gewesen, die helfen wollten. Nicht weniger als 70 Paletten à zwei Meter kamen am Ende zusammen. Das entspricht zwei Kleinlastern und zwei Lkw. Die Spenden sollen den Menschen zugute kommen, deren Häuser und Gärten Opfer der Flammen wurden, häufig ältere Menschen mit einer kleinen Rente oder Familien, die jetzt auf Campingplätzen unterkommen oder Häuser mieten mussten. „Wir hätten noch viel mehr haben können“, erklären die Helfer. Noch heute bekommen sie Anfragen.

Dabei fing alles recht unscheinbar an. Serj Silva erstellte am 18. Juni die Facebook-Gruppe „Ajuda a Portugal“ (Hilfe für Portugal) und lud Bekannte ein. Fast zeitgleich wurde auf Initiative von Fernanda Quintas, Aline Miguel, Flavio da Costa, Aline Miguel und Maggy Almeida die Gruppe „Solidarité Luxembourg-Portugal Aide aux Pompiers et Victimes des Incendies“ ins Leben gerufen. Dann ging alles sehr schnell. Innerhalb von wenigen Tagen traten Hunderte Menschen bei, das Telefon klingelte ununterbrochen, etliche Mails gingen ein. „Wir haben uns permanent krankgelacht“, sagt Serj, aber das sei vor allem die wachsende Nervosität gewesen. 13 Sammelstellen wurden eingerichtet, um Spenden entgegenzunehmen - eine davon in Claudia Guedes‘ Wohnzimmer. Geldspenden konnten die Helfer als Privatpersonen zu diesem Zeitpunkt noch nicht annehmen. Deshalb arbeiten sie inzwischen mit der gemeinnützigen Vereinigung „Lët‘z Help“ zusammen. Großen Wert legen sie dabei eigenen Aussagen zufolge auf die Transparenz und den wirksamen Einsatz der Spendengelder. Rechnungen und zahlreiche Fotos zeugen davon auf der Webseite der Gruppe. Auch zahlreiche Unternehmen steuerten auf ihre Art zum Projekt bei. Bestellten die Engagierten etwa Essen, mit der klaren Absicht, dafür auch zu zahlen, wurde ihnen die Verpflegung spendiert, als sich der Zweck ihrer Arbeit herausstellte.

Fortsetzung geplant

Auf die Frage, ob sie erneut ein solches Projekt angehen würden, platzt fast zeitgleich ein eindeutiges „Ja“ aus den Dreien hervor. Ideen haben sie bereits. Derzeit werden Reparaturen an den vom Feuer beschädigten Häusern vorgenommen. Danach sollen abgebrannte Gebäude abgerissen und wieder aufgebaut werden. Eine Idee besteht darin, Möbel vor Ort zu kaufen und diese zu spenden. Claudia Guedes und Fernanda Quintas wollen sich auch um die vielen Haustiere kümmern, die nun in Heimen verpflegt werden. Auch die Unterstützung der lokalen Feuerwehren ist ihnen wichtig. Die Schifflinger Feuerwehr hat ihren Kollegen in Figueiró dos Vinhos etwa einen Kleinwagen gespendet. An Ideen fehlt es jedenfalls nicht - und am Engagement ohnehin nicht.

Nachlesen kann man die Aktivität und Neuigkeiten in den Facebook-Gruppen „Ajuda a Portugal“ und „Solidarité Luxembourg-Portugal Aide Aux Pompiers Et Victimes Des Incendies“.