Der Mangel an verfügbarem Wohnraum, trotzdem leer stehende Wohnungen, dazu hohe Mietpreise waren drei Gründe, die die Gemeindeverantwortlichen der vier „Kordall“-Gemeinden, die sich im interkommunalen Syndikat „SIKOR“ zusammengeschlossen haben, dazu bewogen, eine soziale Immobilienagentur ins Leben zu rufen.
Gestern Morgen zogen die Verantwortlichen der Gemeinden eine Bilanz des ersten Geschäftsjahres.
Einleitend unterstrich SIKOR-Präsident Roland Breyer, der gleichzeitig Schöffe der Gemeinde Petingen ist, dass vor zwei Jahren in vielen Gemeinden der Beschluss gefasst wurde, eine Gebühr für Wohnungen einzuführen, die aus nicht ersichtlichen Gründen leer stehen. Die Zahl der unbewohnten Häuser oder Appartements sei in den vier angeschlossenen Gemeinden zurzeit erschreckend hoch, hieß es weiter.
In einer ersten Phase wolle man jedoch von der Erhebung dieser Gebühr absehen und die Hausbesitzer dazu ermutigen, ihre Immobilie der Agentur zur Weitervermietung zu überlassen. Allerdings müsse sich der Hauseigentümer bewusst sein, dass die monatliche Miete, die ihm von der sozialen Immobilienagentur gezahlt wird, im Schnitt 30 Prozent unter dem Preis liegt, der auf dem Wohnungsmarkt verlangt wird.
Schutz vor Mietnomaden
In dem Zusammenhang warf Breyer die Frage auf, was einem Hausbesitzer eine hohe Monatsmiete einbringe, wenn der Mieter nach einigen Monaten seine Zahlungen einstellt und der Eigentümer gerichtliche Schritte unternehmen muss, bis zu einer eventuellen Räumungsklage, mit enormen Kosten und ohne die Gewissheit zu haben, die geschuldete Summe oder nur einen Bruchteil davon jemals zu erhalten. Nicht selten werde die Wohnung dann in einem desolaten Zustand zurückgelassen - und es stehen für den Besitzer zusätzlich hohe Renovierungskosten an.
Die Agence immobilière sociale, die gegenüber dem Hausbesitzer als Mieter erscheint, zahlt diesem pünktlich die fällige Miete. Auch werde seitens der Agentur in regelmäßigen Abständen überprüft, ob der Mieter die Wohnung bestens in Stand hält.
Augenblicklich werden neun Appartements und acht Einfamilienhäuser von der Agence immobilière sociale verwaltet. Man habe in punkto Zahlungsmoral bisher gute Erfahrungen gemacht.
Lediglich ein Mieter komme seinen Verpflichtungen nicht wie vereinbart nach. Allerdings sei hier soziale Arbeit nötig, da die Familie Probleme habe, ihr verfügbares Geld anständig zu verwalten. Derzeit laufen noch Verhandlungen für vier weitere Wohnungen.
Damit eine Wohnung ins Portfolio der Agentur aufgenommen wird, muss sichergestellt sein, dass Sanitäranlagen und Heizung in gutem Zustand sind und die Küche betriebsfähig ist. Auch wird die Dachdichte überprüft.
Auswahl durch die jeweiligen Sozialämter
Monatlich treffen sich die Verantwortlichen der Sozialämter der vier SIKOR-Gemeinden um zu beraten, wer in den Genuss einer Wohnung kommt. Wichtig ist dabei, dass die Miete vom Mieter bezahlt wird und nicht vom Sozialamt.
Hilfe in einer aktuellen Krise
Es werden Mietverträge für eine Dauer von drei bis maximal fünf Jahre abgeschlossen. Sinn ist es, Menschen, für die es aktuell finanziell nicht möglich ist, eine Bankbürgschaft zu hinterlegen oder Maklergebühren zu zahlen, aus einem zeitlichen sozialen Tief herauszuhelfen. Bei der sozialen Immobilienagentur liegen die Mietpreise im Durchschnitt bei 7,67 Euro pro Quadratmeter, minimal bei 3,70 Euro und maximal bei zehn Euro pro Quadratmeter, zuzüglich Wohnnebenkosten, die vom Mieter direkt zu entrichten sind.
Um in die Auswahl zu kommen, müssen die Kandidaten mindestens zwei Jahre in einer der vier Kordall-Gemeinden wohnen und nicht Besitzer einer Wohnung sein - weder in Luxemburg noch im Ausland. Bei 94 bisher eingereichten Anträgen warten zurzeit 69 Antragsteller noch auf eine Antwort.



