LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Im Naturhistorischen Museum: Workshop rund um das Leben des Loschbourmann

Die zahlreichen Kinder die an einem Sonntagnachmittag mit ihren Eltern durch das Naturhistorische Museum (MNHN) im Grund streifen, stehen staunend vor ausgestopften Wölfen und Bären, bestaunen Dinosaurierköpfe, oder schauen ins Weltall. Mit den menschlichen Knochen unter Glas können sie kaum etwas anfangen. Dabei ist er uns allen am nächsten - das Skelett gehört zum „Loschbourmann“ der vor 8.000 Jahren im Müllerthal lebte und starb. Ein „Homo sapiens“ wie wir.

Damit die Kinder des dritten Jahrtausends etwas mehr über die Lebensumstände unseres fernen Verwandten erfahren, gibt es in unregelmäßigen Abständen, in der Regel in den Schulferien, „Workshops“ rund um das Leben des „Loschbourmanns“ in der Mittelsteinzeit.

Jäger und Sammler in der Steinzeit

Anne-Marie Koltz, eine Freelance-Mitarbeiterin des Museums, zeigt dann, mit welchen Mitteln ein Jäger und Sammler wie der Mann aus dem Müllerthal überleben konnte. Wie stellt man eine Pfeilspitze her? Wie näht man etwas zusammen, wenn man kein Garn hat? Überhaupt nähen ohne Nadel, wie soll das gehen? Sie gibt die Antworten: Man kann Steine mit anderen Steinen so bearbeiten, dass messerscharfe Pfeilspitzen und Schneidwerkzeuge entstehen. Wenn der „Loschbourmann“ auf der Jagd ein Wildschwein oder Reh erlegt hatte, wurden nicht nur das Filet und die Kottelet herausgeschnitten - nein, das ganze Tier wurde verwertet: Aus den Knochen konnte man unter anderem eine Nähnadel schnitzen, aus den Sehnen einen haltbares Garn drehen und aus der Haut universell einsetzbares Leder machen oder das Tierfell gleich zur Kleidung verarbeiten. Das Leben war hart, aber man machte auch durchaus Schmuck aus Muscheln oder schönen Steinen. Feuer war natürlich auch von großer Bedeutung - aber wie soll das gehen ohne Feuerzeug oder Streichhölzer? Mit einem Feuerstein und einem Stein aus Markasit kann man, wenn man es „drauf“ hat leicht ein paar Funken schlagen und damit Zunder - trockenes Gras oder Stroh - entzünden.

Wenn der „Loschbourmann“ kein Glück beim Jagen hatte, musste er von dem Leben, was er fand, Beeren, Hagebutten, Eicheln - alles was er fand und essbar war, wurde gesammelt. Wobei er als Jäger und Sammler nicht zu den fortschrittlichsten Menschen seiner Zeit gehörte, anderswo versuchten sich die Menschen der Mittelsteinzeit schon erfolgreich am Ackerbau.

Wo ein Kind sitzt, kommen andere schnell dazu

Gestern waren in unmittelbarer Nähe des „Loschbourmann“ auf dem Museumsboden auf einer Unterlage von Leder und Tierfellen die verschiedensten Utensilien verteilt, mit denen Anne-Marie Koltz, interessierten Kindern ein paar Steinzeittechniken ganz konkret in einem Workshop vermitteln wollte. Zunächst passierte aber mal gar nichts, es mangelte an Kindern. Doch es lief wie immer bei derartigen Angeboten: Sobald sich zwei oder drei Kinder ein Herz fassten und sich neugierig vor die Felle mit den unbekannten Werkzeugen und Steinen knieten, überwandten auch andere ihre Scheu und schon ging es los mit dem Mitmachen und Ausprobieren. Ein paar größere Kinder durften dann am Rande schon Funken aus dem Feuerstein schlagen, zumindest versuchten sie es. Der ein oder andere hatte aber bald den Dreh aus Winkel und Geschwindigkeit raus, mit der die Steine zum „Funken“ gebracht wurden. Auf den Zunder wurde verständlicherweise verzichtet.

Irgendwann saßen auch Mütter, Väter und Großväter mit den Kindern am Boden und schliffen, polierten und knoteten - am Ende des Workshops werden Groß und Klein vieles über das Leben in der Mittelsteinzeit gelernt haben.