LUXEMBURG
RAYMOND AENDEKERK

Mit der aktuellen Coronakrise wird uns Menschen klar, dass viele Bereiche unseres Lebens aus dem Blickfeld geraten sind, so auch die Versorgung mit Lebensmitteln. Raymond Aendekerk (Plattform Meng Landwirtschaft*) sieht Chancen die nun endlich wahr genommen werden müssen.

„Durch die vorgegebene EU-Agrarpolitik wurde unsere Natur, unsere Lebensgrundlage, stark strapaziert und letztendlich wurden nicht einmal gute Zukunftsaussichten für unsere Bäuerinnen und Bauern geschaffen. Das Wenige, was bisher zu einer notwendigen Systemänderung zu hören war, ist leider nichts anderes als Lippenbekenntnisse. Ein alarmierendes Signal ist das Artensterben, das sich besonders bei Insekten und Vögeln dramatisch zugespitzt hat: Wir haben bereits zu viele Tier- und Pflanzenarten für immer verloren.

Die kleinen ‚Reförmchen‘, haben auch den Bäuerinnen und Bauern nicht ausgereicht sich entsprechend nachhaltig zu orientieren, denn immer noch gilt die Vorgabe: ‚Wachse oder weiche!‘ Das kann nicht die Zukunft sein - viele wissen es, viele haben zumindest ein ungutes Gefühl und trotzdem löst man/frau sich nicht von den Fesseln der vorgegebenen industriellen Prämisse. Dabei ist die Landwirtschaft etwas ganz Besonderes: Kein einziger anderer Wirtschaftszweig kann von sich behaupten, auf natürlichem Wege produzieren zu können. Es ist regelrecht fahrlässig dies nicht ernst zu nehmen.

Das Agrar-Subventionssystem ist widersprüchlich. Dabei gibt es reell existierende gute, regionale und nationale Beispiele an Förderungsmaßnahmen. Natürlich begrüßen wir die Entscheidung der Regierung mit dem Bio-Aktionsplan die Biolandwirtschaft zu fördern und die Berufung eines zuständigen Biolandbau-Beamten. Unsere Beobachtungen der letzten Jahre lassen jedoch den Schluss zu, dass die größte Passivität zur Umsetzung neuer Ideen auf Seiten der Verwaltung und Politik besteht. Dabei existieren gute Beispiele in unmittelbarer Nähe, wie z.B. die Umsetzung des Bio-Aktionsplanes in der Wallonie. Bei unseren belgischen Nachbarn sieht das Ministerium davon ab nicht alles selber regeln und kontrollieren zu wollen, sondern bestimmt lediglich die Umsetzung der Ziele und definiert Verantwortlichkeiten für die ausführenden Organisationen. So entstehen neue, kreative Ideen die mit Motivation und Überzeugungskraft vorangetrieben werden.

In verschiedenen Workshops zur Agrarreform und dem Bio-Aktionsplan hatten wir die Möglichkeit, intensiv mit Bäuerinnen, Bauern und dem Agrarsektor zu diskutieren. Wir begrüßen außerordentlich die Förderung zum Dialog, hätten uns aber gewünscht, dass dies professioneller und neutraler gestaltet worden wäre. Nur durch diesen partizipativen, offenen Prozess können die Ziele einer resilienten Landwirtschaft und Ernährungskultur verwirklicht werden. Wovor fürchten wir uns eigentlich? Dass wir wirklich einen positiven Wandel herbeiführen könnten?“

*Die Plattform „Meng Landwirtschaft“ ist ein Zusammenschluss aus  21 Nichtregierungsorganisationen.