LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Bürgerkonsultation für die Schaffung der UNESCO-Biosphäre „Minette“ erfolgreich

Eines war von vorneherein klar: Das Projekt UNESCO Biosphärenreservat „Minette“ sollte nicht „top down“ umgesetzt werden, sondern unter Bürgerbeteiligung - Neudeutsch: „bottom up.“

Das Vorhaben des Entwicklungssyndikats PRO-SUD, ein Biosphärenreservat zu schaffen, wurde bereits im Februar vorgestellt. Die Einzigartigkeit der Kulturlandschaft „Minette“, einer Symbiose aus Spuren des Bergbaus, Denkmälern der Montanindustrie und von der Natur zurückeroberter Industrielandschaft, soll so gewürdigt werden.

Die Auszeichnung mit dem UNESCO-Label „Biosphäre“ oder „Biosphärenreservat“ ist keine einfache Sache. Weltweit tragen nur etwa 700 Gebiete dieses Label. In einem Umkreis von 200 Kilometern um Luxemburg gibt es nur drei - Bliesgau (Saarland); Pfälzer-Wald - Nordvogesen (Rheinland-Pfalz/Alsace); Maasheggen (Südöstliche Niederlande) - in Deutschland insgesamt 16 und in Belgien keines. Eine UNESCO-Biosphäre ist - banal formuliert - ein touristisches Verkaufsargument erster Güte. Überall wo das Label bisher verliehen wurde, war der wirtschaftliche Erfolg danach messbar. Allerdings muss man sich vorher mit guten Argumenten bei der UNESCO bewerben, ähnlich wie bei den Weltkulturerbe-Stätten.

Es geht nicht nur um Tourismus, sondern auch um die Förderung lokaler Produkte, die Erhaltung der kulturellen und biologischen Vielfalt - ohne sie unverrückbar zu konservieren - und der Schönheit der Natur. Auch die Pflege der eigenen Identität gehört dazu. Die „Minette“ war der Landstrich, der als erstes von Einwanderung profitierte und die Grundlage für den Reichtum des Großherzogtums legte.

Für Roberto Traversini, Präsident des Syndikates und Bürgermeister von Differdingen, war die frühe Einbeziehung der Bürger aus den elf PRO-SUD-Gemeinden bereits bei der Präsentation im Februar unabdingbar. Das Projekt „Man and Biosphere“ sollte auf möglichst breiter Basis stehen. Bürger sollten nicht nur informiert werden, sondern auch eigene Ideen mit einbringen können.

Erfolgreiche Bürgerkonsultation

Die Einwohner der elf PRO-SUD-Gemeinden wurden zwischen Februar und Mai zu den Planungen konsultiert und die Gemeinderäte der beteiligten Kommunen wurden Ende Mai über die Ergebnisse der Bürgerkonsultationen informiert; ebenso über die zentralen Leitlinien der anstehenden Bewerbung bei der UNESCO.

Neben den Kommunen sind auch drei Lyzeen aus der Region beteiligt, aus den Bürgerkonsultationen ergab sich, dass 500 Personen bereit sind sich für die UNESCO „Biosphäre“ zu engagieren. Aus über tausend vorgebrachten Ideen wurden 104 Vorschläge entwickelt, die die Bereiche Soziales, Freizeit und Tourismus, Energie und Ressourcen, Bildung und Wissen, Kultur, Landwirtschaft und Lebensmittel und nicht zuletzt Identität, abdecken.

Ein Verwaltungs- und Kostenplan ist in Ausarbeitung, in Abstimmung mit den Ministerien für Landesplanung, Kultur und Umwelt, sowie mit PRO-SUD und dem luxemburgischen UNESCO-Komitee.

Die Bewerbung muss bis zum 30. September bei der UNESCO in Paris eingereicht werden. Eine Entscheidung fällt dann im Frühjahr 2020.