LONDON
PHILIP DETHLEFS & CHRISTOPH MEYER (DPA)

Explosion in der U-Bahn: London will dem Terror trotzen

Noch Stunden nach der Bombenexplosion in einer Londoner U-Bahn herrscht Ausnahmezustand an der Haltestelle Parsons Green. Die Straßenzüge um den oberirdischen Bahnhof im Zentrum der Metropole sind weiträumig abgesperrt, Hubschrauber kreisen am Himmel. Spürhunde suchen jeden Zentimeter vor dem Bahnhof ab. Für die Londoner sind solche Bilder schon fast traurige Routine. Zum vierten Mal wird die britische Hauptstadt in diesem Jahr Ziel eines Anschlags. Gerade ist ein wenig Ruhe eingekehrt, da holt sie der Terror die britische Hauptstadt wieder ein: Eine selbst gemachte Bombe explodiert am Freitagmorgen zur Hauptverkehrszeit in einem U-Bahn-Waggon. Mindestens 29 Menschen werden verletzt - und möglicherweise hatten sie dabei noch großes Glück. In sozialen Netzwerken kursieren Fotos eines brennenden weißen Eimers, der in einer Supermarkttüte steckt. Die Bombe ist wahrscheinlich nicht wie geplant hochgegangen, spekulieren britische Medien unter Berufung auf Polizeikreise - sonst hätte es womöglich mehrere Todesopfer gegeben.

Trotzdem war es heftig: Augenzeugen berichten von einem lauten Knall und einem „Feuerball“ im Waggon. Viele Menschen erleiden Verbrennungen. Panik bricht aus, im Gedränge zu den Ausgängen spielen sich dramatische Szenen ab.

Kritik an der Regierung

Wer verantwortlich ist für den blutigen Anschlag, bleibt zunächst unklar. Die Suche nach dem Täter oder den Tätern läuft auf Hochtouren. Es gibt kaum eine Stadt, die so vollständig mit Videokameras überwacht wird, wie London. Dementsprechend sind sich viele Menschen sicher, dass die Verantwortlichen bald gefasst werden. Hunderte Beamte seien im Einsatz, um Videomaterial auszuwerten, Beweismittel sicherzustellen und mit Augenzeugen zu sprechen, versichert der Anti-Terror-Chef der Londoner Polizei Mark Rowley. Doch es gibt auch Kritik: Londons Bürgermeister Sadiq Khan sieht Kürzungen im Haushalt mit als Grund für den Anstieg der Terroranschläge. „Es ist schlicht nicht möglich für eine globale Stadt wie London, seine Bürger, Besucher und Unternehmen zu beschützen, wenn die Regierung weiterhin Gelder kürzt.“

Bei Anschlägen in Großbritannien kamen seit Beginn des Jahres insgesamt 36 Menschen ums Leben. „Die Terroristen haben sich vorgenommen, uns zu töten, uns zu verletzten unseren Lebensstil zu zerstören“, sagt Khan. Und ergänzt trotzig, die Londoner ließen sich niemals vom Terror einschüchtern. Und tatsächlich gibt es auch ermutigende Szenen. Der Pizzabäcker Teo Catino stellt am Freitag Tapeziertische in der Nähe des Anschlags auf und verteilt kostenlos Pizza und Getränke an Einsatzkräfte. Per Kurznachrichtendienst Twitter laden Menschen Betroffene zu Tee und Gebäck in ihre Wohnungen ein. Taxifahrer bieten kostenlos ihre Dienste an. „Wir müssen einfach weitermachen“, sagt ein Anwohner.