LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

600 Mitarbeiter in Frühpension oder Auffanggesellschaft - Keine Entlassungen - Löhne eingefroren

Große Erleichterung gestern bei den Partnern der Tripartite im Bereich Luftfahrt, der Luxair, den Gewerkschaften und dem Transportministerium. Nach mehreren Anläufen steht jetzt eine prinzipielle Einigung. Sie sieht vor, dass rund 600 Mitarbeiter der Luxair - das entspricht etwa 20 Prozent der Belegschaft - das Unternehmen auf sozialverträgliche Weise verlassen sollen. Rund die Hälfte sollen auf freiwilliger Basis in den Vorruhestand gehen, die andere Hälfte soll in einer „cellule de reclassement“ entweder weitervermittelt oder aber geschult werden. Der Staat trägt die Kosten der auf drei Jahre angelegten Maßnahme von geschätzt rund 50 Millionen Euro. Damit die Einigung rechtens ist, muss noch das Gesetz nachgebessert werden. Finanzminister Pierre Gramegna und Arbeitsminister Dan Kersch werden noch in die Einzelheiten zur Abwicklung einbezogen. Das endgültige Abkommen soll am 9. November um 11.00 unterzeichnet werden.

Um die Situation der Luftfahrtindustrie, die sich in ihrer historisch schlimmsten Krise befindet, weiter zu verfolgen, wird es in den kommenden drei Jahren zweimal im Jahr ein Treffen zwischen den Tripartite-Partnern geben. Voraussichtlich im Juni und im Dezember. Während dieser Zeit läuft der Plan zum Erhalt der Arbeitsplätze. Ein Teil des Abkommens beinhaltet auch eine Veränderung des Kollektivvertrages. Dieser wird für drei Jahre verlängert. „Aber er sieht so lange keine Lohnerhöhungen vor, bis die Luxair sich wieder auf einem besseren Weg befindet“, unterstrich Patrick Dury, Präsident der Gewerkschaft LCGB. Er betonte, dass der Weiterbildungsplan sehr wichtig sei. Darüber hinaus sollen auch konzerninterne Wechsel von Piloten möglich sein. Michelle Cloos, die OGBL-Zentralsekretärin  für den Bereich zivile Luftfahrt betonte, dass das Abkommen Sicherheit biete. Kein Mitarbeiter werde entlassen. „Das war unsere Priorität“, sagte Cloos.

LuxairGroup-Chef Gilles Feith dankte den Gewerkschaften und zeigte sich erfreut über die konstruktiven Gespräche. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Geschäftsreisen wieder anziehen könnten. „Das Abkommen hilft uns, uns auf den Neustart vorzubereiten“, sagte er mit Blick auf mögliche Investitionen. „Wir wollen daraus gestärkt hervorgehen.“

Viele Fragen - auch der strukturellen Veränderungen - seien noch offen, machte Dury klar. „Wir sind uns aber einig, dass wir über diese Faktoren und Folgen reden wollen und uns so an die Situation anpassen wollen“, unterstrich er. Cloos verwies auf die schwierige Situation der Luftfahrt allgemein.

Auch Transportminister François Bausch ging darauf ein. „Die Situation am Markt hat sich für die Luxair nicht verbessert“, bedauerte er. „Es wurde zwar gesagt, dass die Grenzen nicht mehr geschlossen werden. Dem ist aber nicht so.“ Das war klar ein Seitenhieb Richtung Deutschland, das mit seiner bald täglich wachsenden Liste für Reisewarnungen in Länder weltweit nicht nur die eigene Bevölkerung verunsichert hat, sondern auch an beliebten Urlaubszielen für Hotel- und Restaurantschließungen sorgte und Luxair-Kunden vergrault. „Wir sind in einer ganz schwierigen Situation, die nicht sobald vorbei sein wird. Ich bin froh, dass sich diese Erkenntnis bei allen Tripartite-Partnern durchgesetzt hat“, resümierte Bausch. Er betonte: „Der Staat übernimmt Verantwortung. Das wird viel Geld kosten.“ Eine Sondergenehmigung aus Brüssel sei indes nicht nötig, da es um den Erhalt von Arbeitsplätzen gehe. Neben dem Staat via Staatsfond sollen auch die Aktionäre der LuxairGroup zur Kasse gebeten werden. Neben dem Staat als Hauptaktionär (39,05 Prozent) gehören dazu unter anderem die Spuerkeess (21,81 Prozent) sowie die Banque Internationale à Luxembourg (13,14 Prozent), Delfin (13 Prozent) und Luxair (10 Prozent). LuxairGroup ist mit 35,10 Prozent  an Cargolux beteiligt.

Für Cargolux und den luxairport sind derzeit keine Maßnahmen geplant; eventuell wird die Schichtarbeit bei Cargolux angepasst. Was die Preise angeht, so geht Feith davon aus, dass Fliegen teurer wird, zumindest mittelfristig. „Aber in den nächsten Ferien gibt es Angebote“, versicherte er.
Laut Zahlen, die LuxairGroup präsentierte, liegt das Flugvolumen im Monat Oktober 35 Prozent unter den Schätzungen. Feith geht davon aus, dass dies bis Jahresende so bleibt. Das zwinge Luxair zur Anpassung des Flugplans und der Kapazität. Wegen COVID-19 und Grenzkontrollen habe LuxairTours für Spanien in den letzten vier Wochen mehr Stornierungen als Reservierungen gehabt. Die Zahl der Passagiere ging im Vorjahresvergleich um 69 Prozent zurück.