LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die mobilen Supermärkte beliefern seit 2004 Flüchtlinge in Luxemburg

Die Frau legt einen rosa Ausweis vom Außenministerium auf den Tresen, auf dem sie mit ihrem Foto abgebildet ist. Johann Blum gibt die Ausweisnummer in seinen PC ein, erhält eine Kassennummer und sagt ihr, für wie viel sie heute einkaufen kann. Die Kundin lacht und nickt. Ihr Mann schaut durch die Regale, ebenso ihre Tochter. Die Familie ist vor drei Jahren aus Montenegro gekommen und vor einer Woche von Weilerbach nach Zolver umgezogen. Jetzt kauft sie ein - bei „Heiko“.

„Heiko - rollende Lebensmittelmärkte“ ist keine Person, sondern ein Unternehmen. Es hat eine europaweite Ausschreibung gewonnen. Der Familienbetrieb aus der Eifel hat seit 2004 eine Konvention mit dem Familien- und Integrationsministerium zur Belieferung von Flüchtlingen. „Der Grund war, dass viele Flüchtlinge in abgelegenen Dörfern kein Auto hatten und es einfacher war, die Lebensmittel zu ihnen zu bringen“, erklärt Johann Blum.

Blum ist 59 Jahre alt und gleichzeitig Fahrer und Verkäufer. Er liebt seinen Job und das merkt man. Die meisten Kunden kennen ihn und er sie. „Ich sage ihnen, welchen Wochenbetrag sie haben. Denn früher wurde das Geld nicht wöchentlich aufgeteilt - und dann war es manchmal schon nach zwei Wochen weg“, erzählt Blum. Außer ihm fahren noch zwei weitere Kollegen Flüchtlinge bei Privatadressen und in Heimen an.

Vor dem „Heiko“-Bus stehen die Flüchtlinge an. Jeweils eine Familie kann hinein. „Die meisten kommen aus Syrien, Eritrea und Äthiopien“, weiß Blum. Auf seinem Tresen landen Pommes aus dem Tiefkühlfach, Weintrauben, Eier und Kinderschokolade. Blum tippt ein: 1,69 Euro für einen Liter Öl, 1,49 für ein Kilo Zwiebeln, 1,71 für die Ketchup-Flasche, 3,99 für 1 Kilo Hähnchenschenkel, 40 Cent für ein Brötchen. „Fladenbrot gehört zu den 20 bestverkauften Produkten“, sagt er. Es gibt auch Waren, die verkauft „Heiko“ nicht. „Tabak, Alkohol, Videos und Glücksspiele“, zählt Blum auf. „Wir konzentrieren uns auf Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel.“

Als „Heiko“ vor 68 Jahren in der Eifel gegründet wurde, war es erst ein Eier-Lieferdienst, später ein Service für Dorfbewohner, die zum Einkaufen nicht raus kamen. „Das Sortiment ist zu 80 Prozent das gleiche“, versichert Blum, der auch in Luxemburg viele Ortschaften anfährt.

„Sie haben noch 38 Euro über“, sagt er zur Kundin. Er schaut der Familie zu, die die Waren inspiziert und wissen will, was es mit dem „bûche“, dem traditionellen französischen Weihnachtskuchen, auf sich hat. Das Erklären fällt ihm nicht immer leicht, denn Blum spricht nur wenig Englisch und kein Französisch. „Aber der Sicherheitsmann kann Französisch und Arabisch und hilft oft aus“, sagt er, während er den Kunden die Ware in die mitgebrachten Taschen packt. Plastiktüten gibt es bei Heiko nicht; das wissen die Kunden.

Die nächste ist Madame Baschir mit Sohn. Sie hat schon zwei Liter Öl auf den Tresen gestellt und will zehn Kilo Mehl dazu. Sie will Fladenbrot selbst backen. „Das ist besser“, insistiert sie. Ihr halbwüchsiger Sohn ist nicht so interessiert. „Kochen ist Frauensache“, findet er. „Und fragt für seine Mutter auf Englisch, ob in dem Brot Schokostückchen sind. Blum wird bei der Bäckerei nachfragen. Die Kunden nennen ihn Johann. „Das ist einfacher“, lächelt der Deutsche.

Ein Junggeselle aus Kamerun kommt in den zum Laden umgebauten Lkw, einem von 56, die das Unternehmen „Heiko“ hat. Sieben davon fahren durch Luxemburg. Draußen scherzen seine Freunde: „Beeil‘ dich!“.

Dann kommt ein Ehepaar aus Teheran. Beide haben eine genaue Einkaufsliste erstellt: Kichererbsen, Bohnen, rote und schwarze Linsen. „Ich finde es wichtig, dass wir auf sie zugehen beim Sortiment“, sagt Blum. Wir haben rund 750 Artikel.“ Nach gut drei Stunden ist er für heute fertig in Zolver und fährt ab - bis in drei Tagen.