TEHERAN
DPA

Eines der ältesten Hochhäuser der iranischen Hauptstadt Teheran ist nach einem Großbrand am Donnerstag eingestürzt. Der staatliche Fernsehsender Press TV berichtete, mindestens 30 Feuerwehrleute seien getötet worden. Andere Medien sprachen von 75 Verletzten. Die Behörden nannten keine Opferzahlen. Helfer suchten nach Überlebenden. In dem Gebäude befanden sich unter anderem Fabriken. Präsident Hassan Ruhani beauftragte das Innenministerium mit einer Untersuchung.

Vor dem Einsturz hatte das Plasco-Hochhaus in der Nähe des Basars von Teheran stundenlang in Flammen gestanden. Die Feuerwehr war mit zehn Löschmannschaften im Einsatz, wie ihr Sprecher Dschalal Meleki sagte. Besonders heftig wütete der Brand in den obersten der 17 Stockwerke, wo mehrere Textilfirmen untergebracht waren. Die Polizei sperrte das Gebäude ab. Geschäftsleute und Schaulustige versuchten dennoch, Wertgegenstände aus dem brennenden Hochhaus zu holen.

Als das Bauwerk schließlich zusammenbrach, berichtete das Staatsfernsehen gerade live vom Brand. Auf den Bildern war zu sehen, wie zunächst eine Gebäudehälfte einstürzte und dabei knapp einen Feuerwehrmann verfehlte, der von einer Leiter aus die Flammen bekämpfte. Binnen Sekunden verwandelte sich das Hochhaus in einen Trümmerhaufen, über dem eine dicke braune Qualmwolke stand.

Einige der Umstehenden berichteten, sie seien zum Brandort geeilt, weil ihre Angehörigen in dem Haus arbeiteten. „Ich weiß nicht, wo sie jetzt sind“, sagte die weinende Masumeh Kasemi, deren Söhne in einer der Schneidereien beschäftigt waren. Auch ihr Bruder habe dort gearbeitet.

In den Trümmern suchten Feuerwehrleute und Soldaten nach Überlebenden. Präsident Ruhani ordnete sofortige Entschädigungen für Betroffene an.

Teherans Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalbiaf versicherte, „gewöhnliche Zivilisten“ steckten nicht unter den Trümmern fest. Allerdings berichteten Augenzeugen, dass es einigen Leuten trotz der Sperren gelungen sei, wieder in das Gebäude zu gelangen.

Maleki sagte, die Feuerwehr habe den schlechten Brandschutz in dem Haus immer wieder kritisiert. „Sie haben Material in den Treppenhäusern gestapelt, obwohl wir sie sehr oft gewarnt haben. Das ist ganz fürchterlich“, sagte er. Berichten zufolge kochten sich viele Mitarbeiter in dem Haus ihr Essen selbst und heizten im Winter mit alten Kerosinheizgeräten.

Am Nachmittag (Ortszeit) brach in der Nähe ein weiteres Feuer aus, wie die halboffizielle Nachrichtenagentur Fars meldete. Eine staatliche türkische Nachrichtenagentur berichtete, die Türkei habe ihre nicht weit vom Unglücksort gelegene Botschaft geräumt. Sie sei aber nicht beschädigt worden. In dem Stadtteil sind noch weitere diplomatische Vertretungen untergebracht.

Das Plasco-Hochhaus war in den 1960er Jahren vom jüdischen Geschäftsmann Habib Elghanian errichtet worden und seinerzeit das höchste Gebäude Teherans. Seinen Namen hat es von Elghanians Plastikwarenfabrik. Das Gebäude prägte das Stadtbild Teherans. Angeschlossen ist ein mehrstöckiges Einkaufszentrum. Ob das ebenfalls beschädigt wurde, blieb zunächst offen.

Elghanian wurde nach der islamischen Revolution von 1979 wegen Spionage angeklagt und hingerichtet. Danach verließen zahlreiche Juden den Iran.