LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Porte entr’ouverte“ an diesem Sonntag im Freeport

Von einem Tag der offenen Tür kann zwar nur bedingt geredet werden, immerhin muss es der Besucher erst einmal durch die ganzen Sicherheitsschleusen schaffen, bevor ihm ein Blick hinter die Kulissen des Freeport gewährt wird. „Porte entr’ouverte“ heißt es deshalb in der Einladung. Da sich eine solche Gelegenheit nicht oft bietet, sollten Neugierige und besonders Kunstinteressierte die Chance an diesem Sonntag zwischen 10.30 und 17.00 unbedingt nutzen. Das hochgesicherte Gebäude allein macht den Besuch bereits lohnenswert. Hinter den dicken Mauern lagern hochwertige Güter und wertvolle Kunstwerke, kein Wunder also, dass man das Gefühl hat, „Fort Knox“ zu betreten.

Die lokale Presse durfte sich bereits vorab ein Bild der ausgestellten Kunstschätze machen. „Wir haben diese Initiative gestartet, um unsere Tresorräume ein Stückchen für die Öffentlichkeit zu öffnen. Gleichzeitig möchten wir den Eigentümern der Kunstsammlungen die Möglichkeit bieten, dem Publikum einen Teil ihrer Werke zu zeigen“, erklärte Philippe Dauvergne, CEO des Freeport. „Wir befinden uns hier in einer ,zone de haute sécurité‘. Die Besucher müssen unbedingt ihren Personalausweis mitbringen“, unterstrich er.

Breiter Blick auf die Mudam-Kollektion

Eine interessante Auswahl wertvoller Werke verschiedenster Epochen kann am Sonntag entdeckt werden, so etwa ein Teil der Sammlung des Mudam, die im Freeport gelagert wird. „Um wirklich einen möglichst breiten Blick auf unsere Kollektion zu bieten und somit ihre Diversität zu verdeutlichen, haben wir Werke unterschiedlicher Medien - konzeptuelle Kunst, Malerei und Fotografie - ausgewählt. Es ist uns ein Anliegen, einem breiteren Publikum die Sammlung bekannt zu machen“, teilte Mudam-Direktorin Suzanne Cotter mit.

Mit dem Aufbau der Sammlung hat das Mudam indes Mitte der 1990er Jahre begonnen. Im Freeport ausgestellt werden unter anderem zwei Fotografien, die zu den ersten Anschaffungen gehören: „PTT, Rotterdam“ (1995) von Andreas Gursky und „Maison N°10“ (1988) von Thomas Ruff. „Teilweise haben wir auch versucht, einen Dialog zwischen einzelnen Werken herzustellen, wenn es die Beschaffenheit der Ausstellungsräume erlaubt hat“, erklärte die für die Sammlung zuständige Kuratorin Marie-Noelle Farcy. In diesem Fall ist dieser Dialog gelungen, die beiden Fotografen gehören der gleichen deutschen Schule an, unterscheiden sich aber dennoch in ihrer jeweiligen artistischen Vorgehensweise.

Im Atrium steht das Werk „Croisements“ (1987) von Daniel Buren: eine Vitrine mit Geschirr, die der Künstler für eine Ausstellung in einem Museum für dekorative Kunst geschaffen hatte. Direkt daneben blickt man auf ein Stück Ackerland: Die Skulptur „Sans titre (Labours)“ (2006-2007) von Didier Marcel wurde einem Element aus der Natur nachempfunden, wie man auf den ersten Blick erkennt. In „Showroom 4“ wird der Fokus auf zwei unterschiedliche Künstler gerichtet. Michel Majerus‘ violettes Gemälde „Halbzeit“ (2002) mit dem Slogan „thirst“ wurde schnell und auf gestische Weise gemalt. Auch „Parlor Room at White House“ (2010) von Rosson Crow wurde mit viel Schwung gemalt, ist aber an historischen Elementen und Stilen inspiriert.

Einblick in die Sammlungen ihrer Kunden geben auch Claude Herrmann, administrativer Direktor von „Fine Art Logistics Natural Le Coultre“ (NLC), einer Firma, die auf die Lagerung und den Transport von Kunstobjekten und anderen Wertgegenständen spezialisiert ist, und Aymeric Thuault, Direktor von „Link Management“, einer Gesellschaft, die Kunstsammlern beim Erwerb und Verkauf von Kunstobjekten zur Seite steht. „Der Großteil unserer Kunden bevorzugt es, anonym zu bleiben. Dass wir die Werke zeigen dürfen, ist ein großer Vertrauensbeweis“, bemerkte Herrmann.

Alte Meister, Banksy und Picasso

„Wir haben versucht, einen Dialog zwischen der zeitgenössischen Kunst und der Kunst der alten Meister, sei es aus der Renaissance oder der Barockzeit, zu schaffen“, beschrieb Thuault. Verschiedene Generationen treffen in den Ausstellungsräumen aufeinander: El Greco („Salvator Mundi“, 1567), Lucas Cranach the Elder („The young Christ adored by Saint John the Baptist“, 1534), Jonas Burgert „Suchter/Cravers“, 2013), Santiago Sierra („NO, Pope“, 2011), Bernard van Orley („Madonna with Christ on a pillow“, um 1520) und Giovanni da Bologna („The Crucifixion with the Virgin Mary and St. John Tempera“, zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts).

Ein Highlight dürfte der Showroom sein, in dem zwei sehr unterschiedliche Werke des berühmten Banksy hängen: „Love is in the air“ (2006) - mit „Balloon girl“ zeigt es das wohl ikonischste Motiv des Künstlers, nämlich den „Flower thrower“ - und „Sharks“ (1999), eines der wenigen Öl-Acryl-Werke auf Leinwand des Künstlers, der vor allem für seine Spraykunst bekannt ist. Ein weiterer Höhepunkt wartet in Showroom 7: „Portrait de Dora Maar“ (um 1955-60) von Pablo Picasso. Bei diesem Werk handelt es sich um ein Glasbild, eine Technik, die der Maler in den 1950er Jahren entdeckt hat. Rund 50 solcher Glasbilder soll er erschaffen haben, von denen die meisten in Privatkollektionen übergegangen sind.

„Einen Raum haben wir den luxemburgischen Künstlern gewidmet. Diese Verbindung zur Luxemburger Kunstszene ist uns wichtig“, bemerkte Carole Schmitz, „Directrice commerciale et évènements“ des Freeport. Entdeckt werden können Werke von Jim Peiffer und Françoise Ley aus der Freeport-Kollektion. Durch die zeitgenössischen Werke aus der Mudam-Sammlung und die Exponate aus den Kollektionen anderer Sammler - nennen kann man auch noch die monumentalen Werke „Knife“ oder „Razorblade“ von Philippe Perrin aus der „Collection Olivier Thomas“ - ist in der Tat ein interessanter Parcours durch mehrere Jahrhunderte entstanden.

Der Freeport befindet sich direkt beim Cargocenter (Parishaff, L-2315 Senningerberg) Der Eintritt ist frei.