LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Warum ein sauberer Kamin wichtig ist und welche Zukunft der Beruf des „Schaarschtechbotzer“ hat

Den jüngeren Generationen ist der luxemburgische Begriff „Schaarschtechbotzer“ vielleicht überhaupt nicht mehr geläufig, womöglich kennen sie ihn auch nur als Glücksbringer. Dabei sind die Kaminfeger immer noch quer durchs Land im Einsatz. Solange die Häuser Schornsteine haben, wird sich daran auch nichts ändern. Vielen Hausbesitzern ist indes überhaupt nicht bewusst, wie wichtig es ist, den Kamin regelmäßig überprüfen und reinigen zu lassen, auch wenn er heute dank moderner Heiztechnik nicht mehr von derart dicken Rußschichten befreit werden muss wie noch vor Jahrzehnten. Claude Biever, Direktor von Ofen- und Kaminspezialist Cottyn-Kieffer, klärt über das Handwerk und seine Wichtigkeit auf.

„In Luxemburg ist die regelmäßige Kaminreinigung zwar Pflicht, aber keine gesetzliche Verpflichtung“, Claude Biever, Direktor von Cottyn-Kieffer
Foto: Editpress/Tania Feller
 - Lëtzebuerger Journal
„In Luxemburg ist die regelmäßige Kaminreinigung zwar Pflicht, aber keine gesetzliche Verpflichtung“, Claude Biever, Direktor von Cottyn-Kieffer Foto: Editpress/Tania Feller

Seit über 90 Jahren bietet Ihr Unternehmen nun schon Schornsteinfegerdienste. Wie war die Situation am Anfang?

CLAUDE BIEVER Als Cottyn-Kieffer mit dieser Tätigkeit anfing, wurde natürlich noch ganz anders geheizt, und auch die Kamine waren anders gebaut, sie bestanden nämlich aus Ziegelsteinen. Die Menschen haben seinerzeit mit Holzfeuer oder hauptsächlich mit Briketts geheizt. Eine Zentralheizung gab es ja noch nicht, deshalb stand üblicherweise in jedem Raum ein kleiner Ofen, worin eigentlich ständig ein Feuer brannte, um eine gewisse Temperatur zu halten, auch in der Nacht. Bevor sich die Leute schlafen legten, war es deshalb nicht unüblich, die Briketts in nasses Zeitungspapier einzuwickeln und dann erst in die Glut zu legen, damit sie weniger schnell abbrennen. Dadurch hat sich viel Ruß im Kamin festgesetzt, und das war nicht ungefährlich, weil er sich entzünden konnte und im schlimmsten Fall das ganze Haus in Brand steckte. Im Süden des Landes war es sogar noch schlimmer, weil die Bewohner dort den Koks von den Gleisen aufsammelten, der von den Waggons gefallen war, und damit heizten. Das war dann mit noch mehr Ruß verbunden. Um Kaminbrände zu vermeiden war und ist es bis heute wichtig, den Schornstein regelmäßig kontrollieren und reinigen zu lassen.

Gab es damals entsprechende Gesetze?

BIEVER Ja, wegen der vielen Kaminbrände kamen tatsächlich damals in allen Gemeinden solche Gesetze oder Reglements. Die Einwohner wurden dazu verpflichtet, ihre Kamine mindestens einmal im Jahr reinigen zu lassen, um das Risiko eines Brands zu verringern. Zu dieser Zeit kam dann übrigens auch der Trend auf, den Schornsteinfeger als Glücksbringer zu bezeichnen, weil durch seinen Putzeinsatz immerhin verhindert wurde, dass das Haus abbrannte.

Heute wird nicht mehr mit Briketts geheizt, sind regelmäßige Reinigungsaktionen trotzdem notwendig?

BIEVER Ja, unbedingt, auch wenn heute anders geheizt wird, entweder noch mit Heizöl oder zumeist mit Gas. Die Temperaturen im Heizkessel sind nicht mehr so hoch, das Risiko, dass etwas passiert, ist deshalb geringer. Dennoch sollte der Schornstein regelmäßig geputzt beziehungsweise kontrolliert werden, insbesondere um sicherzustellen, dass er nicht kaputt ist. Wohl setzt sich weniger Ruß fest, weil die Kamine heute anders gebaut sind. Sie bestehen nicht mehr aus Ziegeln, zumindest nicht komplett, normalerweise steckt eine Verrohrung drin. Dadurch kann der Durchmesser besser an den Heizkessel oder auch an den Ofen angepasst und die Abgase mit höherer Geschwindigkeit ausgestoßen werden. Trotzdem können Kaminbrände nicht komplett ausgeschlossen werden, wie man ja von Zeit zu Zeit in den Nachrichten hört. Auch in einem Edelstahlrohr setzt sich Ruß fest, der sich entzünden kann, wenn das Feuer im Ofen zu groß ist und die Flamme in den Schornstein schlägt.

Wie sieht es denn heute mit der diesbezüglichen Gesetzgebung in Luxemburg aus?

BIEVER Die Gemeindereglements haben eigentlich immer noch Bestand, das heißt, einmal im Jahr sollte man den Schornsteinfeger kommen lassen. Ein Gesetz gibt es in der Tat aber nicht, und das ist auch nicht gewünscht, was ich bedauerlich finde. Besonders die Versicherungen wollen nicht unbedingt auf diesen Weg gehen. In Luxemburg bleibt es also dabei, dass die regelmäßige Kaminreinigung wohl eine Pflicht ist, aber keine gesetzliche Verpflichtung. Es bleibt also eine Sache der Interpretierung. Für mich ist das nicht stimmig, weil man nämlich durch das Gesetz dazu verpflichtet ist, den Heizkessel einmal im Jahr warten zu lassen, auf der anderen Seite aber keine Rede vom Schornstein geht. Dabei ist das doch ein Ensemble. Letztlich liegt die Kaminreinigung also in der Verantwortung der Hausbesitzer. Wenn etwas passiert, weil sie sich nicht um den Schornstein gekümmert haben, sind sie selbst dafür verantwortlich.

Wie oft ist das Team von Cottyn-Kieffer im Einsatz?

BIEVER Täglich, und zwar unsere vier Mannschaften, die jeweils aus zwei Leuten bestehen. Im November und Dezember ist natürlich immer am meisten los. Pro Jahr reinigen wir 10.000 Kamine. Wir stellen dann auch gleichzeitig ein „Certificat de ramonage“ aus. Um die jährliche Reinigung beziehungsweise Kontrolle nicht zu verpassen, bieten wir Jahresverträge an. Wenn man einen Niedrigtemperaturheizkessel hat, bildet sich zwar kein Ruß, das Rohr ist jedoch aus Plastik und kann mit der Zeit verrotten. Einmal im Jahr sollte man deshalb überprüfen lassen, ob alles in Ordnung ist. Ein Kamin muss übrigens von unten und von oben geputzt werden, nicht nur von einer Seite.

In den Kamin klettern muss der Schornsteinfeger also heute nicht mehr?

BIEVER (lacht) Nein, das tut nur der Nikolaus, deshalb ist es auch wichtig, den Schornsteinfeger vor den Wintermonaten zu rufen, um sicherzugehen, dass der Kamin blitzeblank und der Weg nach unten frei ist. Spaß bei Seite. Zum Einsatz kommen lange Bürsten, an dieser Reinigungsmethode hat sich eigentlich nicht viel geändert. Und tatsächlich sollte man den Kamin vor der Heizsaison reinigen lassen, auch wenn man den Ofen vielleicht nur drei- oder viermal benutzt. Gerade dann ist eine Wartung sogar umso wichtiger, es kommt nämlich durchaus vor, dass Vögel ihre Nester im Kamin bauen.

Der Beruf stirbt demnach nicht aus?

BIEVER Jetzt jedenfalls noch nicht, wenngleich es natürlich kein Beruf mit den allergrößten Zukunftsperspektiven ist. Früher fiel auch der Heizkesselraum in den Einsatzbereich des Kaminfegers. Den Brennraum hat er ebenfalls mit einer Bürste ausgekratzt, weil die Flamme dort viele Rückstände hinterlassen hat. Mittlerweile sind die Heizkessel total optimiert, und es gibt diesen schwarzen Rückstand nicht mehr wie früher. Heute ist der Heizungsbauer zuständig für die Wartung des Heizkessels und der Schornsteinfeger für den Schornstein. Solange es Kamine gibt, gibt es das Handwerk auch. Es fehlt allerdings an Zuwachs, das muss man schon sagen. Die heutigen Niedrigenergie- oder Passivhäuser haben ja auch keinen Heizkessel und Kamin mehr, sondern eine Wärmepumpe. Aber alle Häuser, die vor 2017 gebaut wurden, haben Schornsteine. Wer einen Ofen oder Kaminofen will, braucht natürlich immer noch ein Haus mit Kamin. Dennoch gibt es in Zukunft immer weniger Schornsteine. Aber noch werden Kaminfeger gebraucht, auch Nachwuchs, immerhin gehen Mitarbeiter ja auch irgendwann in Rente und müssen ersetzt werden. Die Ausbildung wird übrigens direkt bei uns in der Firma gemacht. Meistens wird ein Neuling mit einem erfahrenen Schornsteinfeger auf Tour geschickt und lernt von ihm. Eigentlich ist es schade, dass nicht mehr über diesen Beruf geredet wird, gerade weil die Tätigkeit immer noch so wichtig ist. •

Je nach Durchmesser und Material des Kamins müssen andere Bürsten benutzt werden Foto: Editpress/Tania Feller - Lëtzebuerger Journal
Je nach Durchmesser und Material des Kamins müssen andere Bürsten benutzt werden Foto: Editpress/Tania Feller
Das Bild des Schornsteinfegers hält an der alten Ästhetik fest

Traditionsgebundenes Handwerk

Der moderne Kaminfeger hält auch heute noch am Traditionsbild des Glücksbringers fest. In schwarzer Uniform, weißen Handschuhen und mit Zylinder klingeln sie in Zweier-Teams an den Türen ihrer Kunden. Ein Handwerk, das sehr auf seine Repräsentation bedacht ist. Immerhin freuen die Menschen sich auch heute noch, einen Schornsteinfeger in ihrem Zuhause willkommen zu heißen. Sie säubern nämlich nicht nur den Schornstein, sondern bringen ihren Kunden gleich noch eine ordentliche Portion Glück mit - sagt man. Daher beehren sie auch jährlich die Regierung mit  ihrer Anwesenheit, um auch den Ministern für das neue Jahr Glück zu schenken. Der diesjährige Traditionsmarsch, der gestern hätte stattfinden sollen, wurde allerdings wegen des Trauerfalls um den DP-Fraktionsvorsitzenden Eugène Berger abgesagt.

Das Glück zu Besuch
Um uns ein genaueres Bild vom Schornsteinfegerhandwerk zu verschaffen, haben wir zwei Schornsteinfeger der Firma Cottyn-Kieffer bei ihrer Arbeit begleitet. Bei dieser Visite wurde schnell klar: Wer Kaminfeger wird, muss auf jeden Fall schwindelfrei sein. Auf einer Leiter geht es in voller Montur, mit traditioneller Uniform und benötigtem Werkzeug hoch auf die Dächer. Je nach Durchmesser und Material des Schornsteins muss eine andere Bürste in den Einsatz kommen. Bei dem Auftrag, den wir beobachten, wird eine Plastikbürste angewendet. In den Schornstein steigen die Handwerker heutzutage allerdings nicht mehr. Ein Gewicht, das an der Bürste angebracht wird, ermöglicht, dass die Werkzeuge tief genug in den Kamin eingeführt werden können. Doch auch das Balancieren auf dem Dach ist schon faszinierend genug, müssen sie doch auch bei Wind und Wetter in die Höhe steigen – auch das in der traditionellen Tracht. Tatsächlich wird der Zylinder von den Kaminfegern nur dann abgenommen, wenn es der Eingriff oder die Wetterbedingungen erfordern.
Um sich vor dem schwarzen Qualm zu schützen, der ihnen auch bei diesem Einsatz entgegen steigt, tragen sie ein Halstuch, das in solchen Fällen auch gerne mal als Mundschutz dient. Der Eingriff dauert rund eine halbe Stunde, da der Schornstein nicht nur von oben, sondern auch von unten gereinigt werden muss. Immerhin muss auch der ganze Staub, der sich durch das Saubermachen im Haus sammelt, noch aufgesaugt werden.
„Es ist einfach ein schöner Beruf, weil wir sehr viel Kontakt mit den Kunden haben. Natürlich macht man sich mal schmutzig, aber es ist eine tolle Arbeit. Als Schornsteinfeger lernt man viele Menschen kennen, die sich auch jedes Mal auf uns freuen, denn wenn wir ihnen einen Besuch abstatten, steht das symbolisch dafür, dass wir ihnen das Glück mitbringen“, erzählen die Handwerker mit einem Lächeln im Gesicht.

Kamin als Accessoire
Einen Kaminofen im Eigenheim zu haben und sich vor das brennende, kinsternde Holz zu setzen ist wohl das Symbol der Gemütlichkeit schlechthin. Deshalb sind sie auch wieder immer mehr im Trend. Allerdings dient der moderne Ofen oftmals nicht mehr zum Heizen, sondern rein der Ästhetik. Daher sind auch Gas-Kamine mittlerweile sehr beliebt. Zwar bieten sie dem Kunden den Blick aufs offene Feuer, das aber ohne dass echtes Holz verbrannt werden muss. Gasflammen steigen im täuschend echten Holz aus Keramik auf und bieten einen schönen Anblick, ohne dass der Hausbesitzer sich darum kümmern müssen, Holz nachzulegen. Richtig schöne Modelle haben noch Lichter integriert, die das warme Licht der Flamme intensivieren. Auf das entspannende Knistern vom verbrennendem Holz müssen Besitzer solcher Kamine allerdings verzichten. Liz Mikos
Heute steigen Kaminfeger nicht mehr in den Schornstein: Ein Gewicht hilft dabei, die Bürste tief genug in den Schornstein einzuführen Foto: Editpress/Tania Feller - Lëtzebuerger Journal
Heute steigen Kaminfeger nicht mehr in den Schornstein: Ein Gewicht hilft dabei, die Bürste tief genug in den Schornstein einzuführen Foto: Editpress/Tania Feller