SINGAPUR/LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Singapur: Zwischen futuristischen Stadtteilen und traditionellen Vierteln

Wer bis dahin an einen schlechten Scherz geglaubt hatte, wird unmittelbar vor dem Landeanflug eines Besseren belehrt: Kaugummi ist in Singapur streng verboten! Die Liste mit unerlaubten Gegenständen, die von den Flugbegleiterinnen verteilt wird, lässt keinen Zweifel daran, wie strikt die Gesetze in dem flächenmäßig kleinsten Staat Südostasiens sind. Hier wird mit strenger Hand regiert. Die hohen Strafen, die auf Verschmutzung stehen, verfehlen ihre Wirkung kaum, jedenfalls nicht in den futuristisch anmutenden Vierteln der Metropole. Die Straßen und Gehwege sind wie geleckt: Kein Dreck, keine Zigarettenkippe und natürlich kein getrocknetes Kaugummi. Fast wähnt man sich in einer unwirklichen Welt, einer Art Disneyland der Zukunft. Mit dem Flair anderer südostasiatischer Länder wie Vietnam, Indonesien oder Thailand hat Singapur wenig gemein.

Von den meisten Besuchern wird die Metropole nur als Stopover-Ziel gebucht. Ein paar Tage reichen, um sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten anzuschauen und die lebhaftesten Viertel zu erkunden, es sei denn man will ausgedehnte Shoppingtouren durch die luxuriösen Einkaufstempel unternehmen, die die Orchard-Road säumen, einen Tag auf Sentosa Island - einem gigantischen Vergnügungspark - verbringen oder, wie es im Reiseführer heißt, den „schönsten Zoo Südostasiens“ besuchen. Uns reizen diese touristischen Hotspots nicht.

Futuristisches Neubauviertel

Wie die meisten Touristen zieht es aber auch uns als Erstes ins futuristische Neubauviertel um die Marina Bay. Staunend betrachten wir wahre Wunder der Architektur. Eine imposante Kulisse aus modernen Wolkenkratzer und gläsernen Hochhäusern erstreckt sich vor unseren Augen. Blickfang ist natürlich das „Marina Bay Sands“: Drei 55-stöckige Hoteltürme, die in einer Höhe von 191 m durch eine 340 m lange Dachkonstruktion miteinander verbunden sind. Ganz in der Nähe thront das größte Riesenrad der Welt (165 m). Wir schlendern weiter Richtung „Gardens by the Bay“, einem 100 ha großen Park mit Themengärten, in denen mehr als 250.000 Pflanzen wachsen. Highlight sind die 25 bis 50 m hohen künstlichen Riesenbäume, die unter anderem mit Orchideen, Farnen und Würgefeigen bepflanzt sind. Auf einem 128 m langen Skyway kann man durch die Wipfel wandern, worauf wir aber verzichten müssen, da die Attraktion ausgerechnet an diesem Tag wegen Instandsetzungsarbeiten geschlossen ist. Ohnehin ist unser Bedarf an „Futurama“ nach mehreren Stunden vorerst gedeckt.

Bummel durch Chinatown

Außerhalb dieses hypermodernen Zentrums zeigt sich Singapur von einer etwas anderen Seite. Am darauf folgenden Tag zieht es uns nach Chinatown, wo uns zwar eine andere, aber dennoch nicht ganz so ursprüngliche Atmosphäre erwartet, wie wir es angenommen hatten. Auch hier ist das architektonische Design schick, das Grün gepflegt und die Preise bisweilen hoch. In den zahlreichen Tempeln und Moscheen wird dafür aber noch nach alten Riten gebetet, was Besuchern aus dem Westen interessante Einblicke in unbekannte Traditionen bietet. Der Nachtmarkt wiederum ist komplett auf den Touristen zugeschnitten, das Angebot an Kitsch kaum zu übertreffen, und findet zumindest bei uns deshalb keinen Anklang.

Indien im Kleinformat

Etwas uriger mutet dagegen das Viertel Little India an, das zwar auch eine Modernisierungswelle durchlebt hat, dies aber nicht komplett auf Kosten der traditionellen Struktur. Alteingesessene Händler, authentische Restaurants und bunte Tempel dominieren das Straßenbild. Hier und da sieht man sogar einen Zigarettenstummel auf dem Boden liegen. Manchmal sogar ein festgeklebtes Kaugummi...

Eines ist Singapur mit Sicherheit: Einmalig. Ein Mal sollte man den Stadtstaat besucht haben, weil er wirklich einzigartig ist.