LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„L’attentat“ von Ziad Doueiri versucht Antworten zu finden

Der algerische Schriftsteller Yasmina Khadra heißt eigentlich Mohammed Moulessehoul. Nachdem er zum Offizier wurde, hängte er die militärische Laufbahn an den Nagel und konzentrierte sich fortan auf das Schreiben von Büchern. 2005 schrieb er den Bestseller „L’attentat“, der 2012 von Ziad Doueiri verfilmt wurde. Sein Pseudonym bezieht auf die Spitznamen seiner Frau.

Unverständliches Benehmen

Amin (Ali Suliman) ist ein renommierter Chirurg in einer Klinik in Tel Aviv. Nachdem er als erster Araber einen begehrten Medizin-Preis in Empfang genommen hat, muss er sich um die Verwundeten eines Selbstmordattentats kümmern. 17 Menschen sterben, davon elf Kinder.

Noch in derselben Nacht erfährt er, dass seine Frau Siham (Reymond Amsalem), eine Christin, die Attentäterin war. Seine ganze heile Welt bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Erst glaubt er, es handle sich um einen Irrtum. Dann realisiert er, dass seine Frau ein heimliches Doppelleben führte. Nun versucht er zu verstehen, warum es zu diesem Sinneswandel mit der grauenhaften Konsequenz kam.

Amin geht davon aus, dass seine Frau einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, um dann zur Attentäterin zu werden. Er findet auch heraus, dass sie Scheich Marwan (Hassan Yassine) in Nablus in den palästinensischen Autonomiegebieten besuchte und hier stark verehrt wird.

Ihre Bilder hängen an fast jeder Mauer. Doch der Israel-Hasser Marwan will nichts von der Frau wissen. Erst in einem bizarren Gespräch mit einem Priester stellt Amin fest, dass er nie hinter die wirklichen Motive Sihams kommen wird, genauso wenig wie hinter die Beweggründe der palästinensischen Militanten.

Sein Neffe Adel (Karim Saleh) erzählt ihm, dass Siham sich änderte, als sie die Zerstörungswut der Israelis in einer palästinensischen Siedlung sah.

Fragen über Fragen

Wirklich logische und verständliche Antworten zum Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern gibt der Film keine. Es wird auch nie welche geben, denn man merkt den Scheichs und Priestern an, dass sie der Hass zu herzlosen Wesen gemacht hat, die unfähig sind, normal zu denken. Alles wird von der Wut auf den jeweils anderen gesteuert, ohne Rücksicht auf Verluste.

Deshalb scheint das Handeln von Siham nicht besonders logisch, da sie in einer toleranten Welt mit ihrem andersgläubigen Mann lebte. Und doch tötet sie wissentlich Kinder! Für ihren Mann dagegen sind alle nur Menschen, denen man in Notsituationen helfen muss. Er steht mit seiner Auffassung für bedingungslose Toleranz. Dies wiederum wird nicht von den anderen als solche angesehen, ist er doch ein Araber, also ein Muslim, der zwar nicht praktiziert, jedoch problemlos ins Feindbild passt.

Der Film ist wie ein Thriller inszeniert, mit vielen Rückblenden und mit der im Raum schwebenden Frage, warum Siham diese Gräueltat begangen hat .

Gute Schauspieler können nicht über das Manko an realer Aufklärung der prekären Situation hinwegtäuschen.