LUXEMBURG
PATRICK WELTER

2010 erschien die erste Dokumentation über alle Baudenkmäler eines Kantons - Seitdem heißt es: „Still ruht der See“

Als vor vier Jahren die „Topographie der Baukultur des Großherzogtums Luxemburg - Kanton Echternach“ erschien, herausgegeben vom Denkmalamt, war das für die Freunde eines engagierten Denkmalschutzes und die interessierten Laien ein mehr als erfreuliches Ereignis. Erstmals wurden alle Baudenkmäler, also die „klassierten“ Gebäude, eines Kantons aufgelistet. Allgemein wurde damit gerechnet, dass nach und nach entsprechende Werke für die anderen Kantone erscheinen werden. Die damalige Kulturministerin Octavie Modert (CSV) hatte auch entsprechendes zugesagt. Geschehen ist seither - nichts.

Kanton Echternach und sonst nichts?

Der liberale Abgeordnete André Bauler hat es dankenswerter Weise auf sich genommen, auf diesen Umstand hinzuweisen. In einer detaillierten parlamentarischen Anfrage wollte er jetzt von Kulturministerin Maggy Nagel (DP) Auskunft in Sachen Inventarisierung haben.

Bauler wollte wissen ob die Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes, Service des Sites et Monuments Nationaux (SSMN), weiterhin mit der Inventarisierung der Baudenkmäler befasst seien. Wenn ja, welcher Kanton zurzeit auf ihrem Arbeitsplan stehe; welche Ausbildung die gegebenenfalls betroffenen Mitarbeiter haben und ob man auf externe Experten zurückgreifen müsse? Ob das Ministerium über ein Budget für eine Inventarisierung und deren Publikation verfügt und ob die Beamten des SSMN mit Hilfe der Inventare den Kommunen bei der Aufstellung ihrer Allgemeinen Bebauungspläne zur Hand gehen können?

Bebauungspläne bremsen Denkmalschützer aus

Die Antwort von Ministerin Nagel fällt ernüchternd aus. Das Buch über die Baudenkmäler des Kantons Echternach habe zwar Vorbildcharakter gehabt, aber Kapazitäten zur Fortführung des Projektes fehlten. Die Beamten seien im Rahmen der Neufassung der kommunalen Bebauungspläne damit beschäftigt alle Kommunen des Landes zu bereisen, um mit den vor Ort Verantwortlichen gemeinsam potenzielle Baudenkmäler zu erfassen. Diese Bestimmungsarbeiten seien aber fast abgeschlossen.

Spitzenleute, aber kein Geld

Die Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes seien entweder Architekten oder Kunsthistoriker, auf externe Experten werde nicht zurückgegriffen, so die weitere Auskunft von Nagel.

Das Kulturministerium verfügt zurzeit, laut Ministerin, über kein Budget um Inventare wie das Echternacher Denkmalbuch zu realisieren. Man könne es vielleicht ins Auge fassen eine weitere Denkmaltopographie 2016 zu publizieren, die dafür notwendigen Gelder müssten dann aber im Staatshaushalt für 2016 aufgeführt werden.

Kommunen übernehmen Schutzvorschläge

Die Inventarisierung, besser gesagt deren Publikation, diene auch dazu die Anliegen des Denkmalschutzes einem breiteren Publikum zu vermitteln. Außerdem helfe es bei der Erarbeitung von Allgemeinen Bebauungsplänen, die Kommunen für die Schutzwürdigkeit von historischen Bauten zu sensibilisieren. Von den dreizehn Kommunen die ihren Allgemeinen Bebauungsplan bereits fertiggestellt haben, hätten zwölf die Schutzvorschläge des Denkmalamtes in Gesamtheit übernommen.

Dazu muss man anmerken, dass der dreizehnte Bebauungsplan, der von Mamer, unter anderem auch wegen des fehlenden Denkmalschutzes zunächst vom Verwaltungsgericht gekippt wurde. Die Gemeinde geht gegen die Urteile in Berufung, hat sich aber bereit erklärt, während des Verfahrens den Bereich Denkmalschutz nachzubessern.

Es ist zu hoffen, dass die finanziellen Mittel des SSMN so substanziell aufgestockt werden, damit Inventarisierung und deren Publikation neben den normalen Aufgaben des Amtes erfolgen können.