SASSENHEIM
CORDELIA CHATON

Kronospan stellte dem Wirtschaftsminister sein 300 Millionen-Euro-Projekt in Sassenheim vor

Kronospan hat gestern Wirtschaftsminister Etienne Schneider sowie der Presse offiziell sein Projekt zur Fertigung von OSB-Platten vorgestellt. Es ist ein internationales Pilotprojekt im Sinne der Kreislaufwirtschaft, wie die Unternehmensleitung betonte. Die 300 Millionen-Euro-Investition soll als Beispiel für andere Standorte des in 110 Ländern aktiven Holzkonzerns dienen. „Das hier ist ein Vorzeigeprojekt für die Gruppe“, betonte Mathias Kaindl. Der medienscheue Unternehmensleiter hatte das Kronospan-Projekt persönlich eng begleitet.

Der Familienbetrieb aus Österreich, der seit 1994 in Luxemburg vertreten ist, ist der weltweit größte Hersteller von Spanplatten, MDF-Platten, Laminatfußböden und Arbeitsplatten. An 40 Standorten beschäftigt Kronospan rund 15.000 Mitarbeiter. In Luxemburg setzt Kronospan mit 320 Mitarbeitern rund 135 Millionen Euro um. Die Gruppe ist präsent bei so genannten Grobspanplatten, auch OSB-Platten genannt, aufgrund des englischen Begriffs „oriented strand board“. Diese Platten bestehen aus langen Spänen, den „strands“. Sie werden in Sassenheim ebenso hergestellt wie Laminat.

Recyclinholz statt Frischholz

Allerdings ist der Produktionsprozess für die OSB-Platten jetzt so verändert worden, dass kein Frischholz mehr benutzt wird, sondern Recyclingholz. „So werden alte Möbel, Holzhäuser oder Kisten wieder zu Verpackungen oder anderen Holzwerkstoffen“, betonte Werksdirektor Peter Stadler.

Holz, das nicht mehr verarbeitet werden kann, wird nicht deponiert, sondern thermisch genutzt, um im Werk benötigte Wärme und Energie zu erzeugen. Dazu dient die eine neue Anlage für Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Biomasse und Recycling-Holz. Die Anlage mit einer Leistung von 105 Megawatt thermischer Energie pro Stunde sowie 21 Megawatt elektrischer Energie pro Stunde. Gespeist wird sie aus Holzabfällen, die zum Teil aus dem Werk kommen, zum Teil aus Luxemburg und den Nachbarländern. Luxemburg ist weltweit das erste Werk mit einem geschlossenen Kreislauf.

„Das verändert die Trocknung. Statt 450°C benötigen wir jetzt nur noch 115°C, für die wir die Abwärme nutzen“, erklärt Kaindl. „Auch die Energieeffizienz ist sehr hoch.“

Wirtschaftsminister Schneider zeigte sich äußerst zufrieden, sei doch das Projekt genau das, was die Regierung mit Rifkin habe anstoßen wollen, nämlich den kompletten und nachhaltigen Umbau der Industrie. „Die Energie, die hier von den zwei neuen Anlagen nachhaltig produziert wird , würde für 25.000 Haushalte reichen. Sie entspricht zwei Prozent unseres 11-Prozent-Energieziels“, freute er sich. „Darüber hinaus spart die Anlage 246 Tonnen CO2, soviel, wie 96.000 Autos in einem Jahr ausstoßen. Es ist enorm, was Kronospan hier fertig gebracht hat!“ Neben dem Unternehmen und der Umwelt profitierten aber auch die Menschen, denn es seien 100 neue Arbeitsplätze entstanden, wie Schneider unterstrich. Die zehn Millionen Euro Subventionen sieht er gut angelegt.

Sassenheims Bürgermeister Georges Engel (LSAP) zeigte sich ebenfalls erfreut. „Das Projekt strahlt über das Land hinaus“, sagte er. Seine Gemeinde wird dadurch zur klimaneutralsten Kommen des Landes.