OBERMARTELINGEN
INGO ZWANK

7,1 Millionen Euro, um Schiefergrubenkammern in Obermartelingen zugänglich zu machen

Die ersten Gruben waren noch kleine Familienbetriebe, die sich nach 1790 in der Gegend von Martelingen niederließen, um Schiefer unterirdisch abzubauen. Mit Hammer und Pickel wurde der Schiefer bearbeitet und vom Felsen gelöst, um die rund 70 Kilo schweren Blöcke dann auf dem Rücken mittels Leitern und über Treppen ans Tageslicht zu befördern. „Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kaufte die deutsche Handelsfirma Gebrüder Rothe alle kleinen Schiefergrubenbetriebe auf“, erzählte gestern Patrick Sanavia, Direktor der Denkmalschutzbehörde, bei einem Termin auf dem Schiefergrubenareal Obermartelingen. Denn hier wurde ein neues Projekt vorgestellt, um das „einzigartige Erbe zu erhalten“, wie es Kulturstaatsekretär Guy Arendt formulierte. Einige der Schiefergruben sollen bis in eine Tiefe von 42 Metern den Besuchern zugänglich gemacht werden. Kosten: 7,1 Millionen Euro.

Schließung 1986

Damals verfügte die deutsche Handelsfirma über genügend Kapital, um in die Betriebe zu investieren. Durch den Ankauf von Dampfmaschinen sowie der Anbindung des Schiefergrubenareals Obermartelingen durch die Schmalspurbahn Jangeli an das öffentliche Schienennetz entstand eine Industrie, was es möglich machte, die Produkte im Großen zu exportieren. Um 1900 waren bereits um die 600 Arbeiter in Obermartelingen angestellt. Doch neue Materialien für die Dachdeckung sowie der Import von billigen ausländischen Schieferplatten waren die Hauptkonkurrenten des einheimischen Schiefers, was ab 1960 den Zusammenbruch der Schieferindustrie in Luxemburg einläutete - zudem war der Luxemburger Schiefer auch nicht von hoher Qualität. „Von 100 Kilo konnte man nur rund zehn bis zwölf gebrauchen“, sagte Sanavia. 1986 wurde die letzte luxemburgische Schiefergrube geschlossen. „Wir müssen dieses Erbe erhalten, und auch zeigen“, sagte Staatssekretärin Francine Closener, die hier den touristischen Aspekt hervorhob. Am 15. Juni 2018 hat der Ministerrat dem Projekt zugestimmt und der Inbetriebnahme der unterirdischen Kammern der alten Schiefersteinbrüche von Obermartelingen für didaktische, kulturelle und touristische Zwecke zugestimmt.

Die Stätten sind ein fester Bestandteil des kollektiven Kulturerbes, das für didaktische, kulturelle und touristische Zwecke wichtig sei, hieß es von Arendt. So wollen das Ministerium für Kultur und das Ministerium für Wirtschaft dieses außergewöhnliche Erbe durch die Entwicklung und Nutzung der unterirdischen Kammern der alten Schiefergruben von Obermartelingen erhalten.

Damit die Kammer aber das ganze Jahr über genutzt werden können, ist es notwendig, die Sicherheitsvorgaben erfüllen zu können, damit sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Zu diesem Zweck wurde vom Denkmalschutz ein Konzept zur Standortentwicklung erarbeitet. So muss zuerst einmal das Wasser abgepumpt werden, um alle Bereiche zugänglich zu machen. „Und diese Pumpen müssen dann das ganze Jahr laufen - wie früher“, ergänzt Sanavia. Damit Besuche dieser unterirdischen Kammern in angemessenen Bedingungen ablaufen können, sind auch die entsprechenden Außenanlagen wichtig, wie die Errichtung eines Empfangsbereiches mit Kartenverkauf und einer Ausgabestätte für Helme, Sanitär- sowie technische Anlagen als auch Räumlichkeiten für das Personal. Es werden so die jährlichen technischen Betriebskosten entsprechend übernommen, es erfolge eine Steigerung von 145.000 Euro auf 450.000 Euro, wie Closener präzisierte. Die Anlage wurde mit dem Henry Ford Preis (1995-1996) für Natur- und Umweltschutz ausgezeichnet.

Am Sonntag, den 5. August 2018, gibt eine Biologin im Rahmen eines Spaziergangs über die Industriebrachen der Schiefergruben, Groß und Klein einen Einblick in die Artenvielfalt der Pflanzenwelt, die sich auf den Schieferschutt-halden und in den Trockenmauern der Gebäude angesiedelt hat. Treffpunkt für den Spaziergang ist um 11.00 am Eingang des Museums beim Weiher - www.ardoise.lu