NIC. DICKEN

Meteorologisch macht der Winter zur Zeit all jenen einen Strich durch die Rechnung, die sich in diesen letzten Februartagen schon auf einen Anbruch des Frühlings mit wärmeren Temperaturen und milderem Wetter eingestellt hatten. Stattdessen dringt eine aus dem russisch-skandinavischen Polargebiet stammende Kältewelle mit voller Kraft in unsere Regionen zurück. Der Vorgang ist an sich nicht unnormal, liefert jedoch all jenen Argumentationshilfe, die von globaler Erderwärmung und Klimawandel nichts wissen wollen. Nicht nur Trump denkt wie Trump.

Dabei sind viele von jenen, die jetzt mit den niedrigen Temperaturen hadern, weitaus weniger zimperlich wenn es um die soziale Kälte geht, die unsere Wohlstandsgesellschaft immer mehr zu vereinnahmen scheint. Auch wenn sie weniger verständlich und eher beklagenswert in Erscheinung tritt, macht diese zunehmende, physisch fast schon spürbare Kälte im zwischenmenschlichen Umgang dieser Gruppe von Menschen deutlich weniger zu schaffen.

Sie wähnen sich auf der sicheren Seite, genießen wie selbstverständlich eine vordergründig geborgene Familien- und Vermögenssituation und fühlen sich wohl in dem, was sie für sich selbst als gebotenes soziales Umfeld empfinden.

Da bleibt kein Platz für jene, die weniger Glück hatten, weil sie in einen anderen Teil der Welt, in ein weniger harmonisches Familienumfeld, in ein bescheideneres Vermögensverhältnis hinein geboren wurden und in ihrem Leben nicht nur schlechtere Startchancen, sondern immer wieder auch weniger glückliche Begleitumstände erfahren haben. Eigentlich sollte diese Dualität, die wie durch einen tiefen Riss quer durch die menschliche Gesellschaft entstanden ist, Anlass geben zu verstärkten Bemühungen um die Besserstellung jener Mitbewohner unserer Erde, die uns unsere besseren Lebensumstände neiden.

Nicht alle Menschen im wohlhabenden Teil der Erde haben Anteil an dem hier, zumindest den Durchschnittszahlen nach, herrschenden Reichtum. Diesen Menschen einen gerechten, lebenswürdigen Anteil an diesem Reichtum zuzugestehen, wäre eigentlich Pflicht einer Gesellschaft, die sich so gerne als offen und aufgeklärt darstellt. Wenn die so genannten zivilisierten Länder der Welt, die in den vergangenen Jahren nachweisbar unter wesentlicher Beteiligung von Exporten der Rüstungsindustrie in die verschiedenen Krisenregionen der Welt ihre Wirtschaftsleistung deutlich steigern konnten, dann sollten sie sich über wachsende Flüchtlingsströme, die eben auch bis zu uns vordringen können, nicht länger wundern. Es geht nicht an, nur die Vorteile derartiger Deals wie selbstverständlich anzunehmen und alle Nachteile, auch die sozialen, wie ansteckende Krankheiten abzulehnen. Wer darauf drängt, Rüstungsausgaben zu steigern und dafür ein Absinken etwa der Sozialausgaben oder der Entwicklungshilfe in Kauf zu nehmen, hat vom Kriegselend er Menschheitsgeschichte nichts verstanden. Dem sollte letztendlich auch die Kälte gleichgültig sein, weil sie für ihn eh schon zum Dauerzustand geworden ist.