LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft im Brudermord-Prozess

Am 20.Dezember 2014 hatte Eric L. seinen Bruder vergiftet und lebend angezündet. Der unter Vormundschaft stehende Bruder wurde Mitte Dezember 2014 tot in seinem Haus in Esch/Alzette aufgefunden. Er war mit einem Fruchtsaftgetränk vergiftet worden, dessen Inhalt mit Medikamenten versetzt worden war. Anschließend wurde das Feuer gelegt.

Mit der Beweisaufnahme im Prozess um den Brudermord hatte die Vorsitzende Richterin auch am Freitag ihre liebe Not. Der Hauptangeklagte sollte berichten, wie er beim Mord vorgegangen war. Um das herauszufinden, hielt die Vorsitzende Richterin L. Stück für Stück seine Aussagen vor, die er vor ihr gemacht hatte. So wollte die Richterin Widersprüche aufklären.

Giftmischung verwechselt?

So entstand ab und an der Eindruck, dass der Angeklagte Schuldunfähigkeit anbringen wollte. Denn wer ohne Schuld handelt, kann nicht bestraft werden. L. hatte auf alles eine Antwort. Er sagte, er hätte die Kontrolle über sich verloren. „Welche Kontrolle?“, hakte die Richterin nach. „Wenn man eine Tat plant, sie ausführt, dann hat man doch die Kontrolle nicht verloren. Sie haben an zwei Stellen Feuer gelegt. Das war doch präpariert“, so die Richterin.

Vor Gericht hatte L. ausgesagt, zwei Kartons Saft mitgebracht zu haben. Der vergiftete Saft sei für ihn selbst bestimmt gewesen. Er hätte sich umbringen wollen. Der Saft sei verwechselt worden. Das vergiftete Getränk hätte sofort gewirkt. Sein Bruder wäre aufgestanden, sei dann aber getorkelt. „Ich habe ihm geholfen, sich aufs Bett zu legen. Dann habe ich noch probiert, mit ihm zu reden.“

„Warum haben Sie denn den Notruf 112 nicht gerufen“, fragte die Richterin nach. „Ich bin doch weggelaufen“, beteuert er. „Aber zuerst haben Sie an zwei Stellen Feuer gelegt. Um 3.00 haben sie eine SMS mit der Nachricht an Charlie geschickt, ob alles stimmen würde. Sie wussten doch, dass Charlie in der Zwischenzeit verstorben war. Das alles passt doch nicht in den Rahmen einer panischen Reaktion“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Für Sam Ries, Verteidiger des mutmaßlichen Mörders, handelt es hier um eine „tentative de meurtre.“ Das Mordmotiv, das am ehesten in Betracht kommen würde, sei Habgier, dies mit Blick auf die Erbschaft. Das Ganze sollte aber auch im Spannungsfeld schwieriger familiärer Beziehungen gesehen werden. Der Verteidiger meinte, dass man eine gewisse Störung haben muss, um solch eine Tat zu vollziehen.

Der andere Angeklagte Allessandro S. indes saß da, machte sich Notizen und schüttelte manchmal den Kopf. Für seinen Verteidiger ist S. in diesem leidvollen Prozess nur lediglich Zaungast. Obschon er dem Täter ein falsches Alibi verschafft haben soll und 180.000 Euro von der Mutter des mutmaßlichen Mörders kassiert hat. Hat sich dieser Mann rechtswidrig verhalten? Nein, sagte der Verteidiger, „mein Mandant wusste nicht, dass L. seinen Bruder umgebracht hatte.“ Für den Verteidiger ist der Strafpunkt Hehlerei nicht erfüllt, daher beantragte er Freispruch für seinen Mandanten.

Habgier war das Mordmotiv

Wegen Mordes an seinem Bruder soll der 27-jährige L. lebenslänglich in Haft. Das hat die Anklagevertreterin beantragt. Das Motiv sei das Geld gewesen, das Charlie auf den Konten hatte. Der Angeklagte hätte nie wirklich gearbeitet und sich beim Bruder eingenistet. Eric L. hätte aus Neid gehandelt, monatelang an dem Mordplan gearbeitet. Eine Waffe sei auch am Anfang in der Überlegung gewesen. Charlie sei lebend angezündet worden. „Wir haben es hier mit einem eiskalten und hinterhältigen Täter zu tun.“ Für den Mitangeklagten S. beantragte die Anklagevertreterin zwei Jahre Haft und 5.000 Euro Geldstrafe. Das Urteil soll am 23 Februar 2016 folgen.