LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Die Jungs von TUYS erforschen mit ihrem neuen Projekt ihre Identität

Sie widmen sich mittlerweile voll und ganz der Musik - das hat selbstverständlich auch einen Einfluss auf ihre Identität als Künstler. Seit gestern läuft der neue Song von TUYS im Radio, heute erscheint die Single offiziell und am Nachmittag wird das Video veröffentlicht. Fans dürfen sich nicht nur auf einen neuen Sound freuen, sondern auf eine surreale Reise durch die Identitätsfindung der vier Musiker. Im Interview verraten Tun Biever und Yann Gengler wie die Idee zu „A curtain call for dreamers“ entstanden ist und was es mit „Papaya“, dem ersten von fünf Songs, auf sich hat.

Könnt ihr euer neues Projekt kurz vorstellen?

TUN BIEVER Wir haben vor ungefähr einem Jahr angefangen diese Serie zu schreiben und die Idee war ganz klar, dass wir zwei Jahre nachdem wir unser letztes Album veröffentlicht haben, mehr experimentieren wollen. Wir sind an einem Punkt, an dem wir uns sound-technisch noch nicht richtig festlegen wollen oder können. Die einzig logische Schlussfolgerung war exzentrische und eklektische Richtungen einzuschlagen, um herauszufinden, welchen Weg wir weitergehen werden. So ein Prozess ist für uns als Band natürlich immer etwas gravierender als für Zuhörer. Für uns bestand die Challenge wirklich darin, diese Lieder so verschieden wie möglich zu machen und sie dennoch in ein einziges Konzept zu integrieren. Da wir auch Fans der visuellen und videografischen Kunst sind, wollten wir mit den dazugehörigen Videos Geschichten erzählen. Es wird auf jeden Fall sehr verträumt, irrational und surrealistisch werden. Zudem sind die Lieder viel persönlicher als ihre Vorgänger, nur dass diese autobiografischen Elemente in eine Art Traumwelt eingebaut werden.

Wenn alle Songs unterschiedlich sind, warum fiel die Wahl für die erste Single auf „Papaya“?

YANN GENGLER Die Frage hat sich so direkt gar nicht gestellt, weil das Lied als erstes fertig war. „Papaya“ ist von den fünf Liedern, das, was unserer vorherigen Musik noch am nächsten ist. Je mehr Singles veröffentlicht werden, desto bizarrer wird es wahrscheinlich für die Zuhörer. Ich denke mit „Papaya“ haben wir einen guten Mittelweg gefunden, um die Leute nicht gleich ins kalte Wasser zu stoßen, aber dennoch zu verdeutlichen, dass wir ein anderes Genre bei diesem Projekt verfolgt haben. Aber keine Angst, wir machen jetzt nicht auf einmal Techno! (lacht)

TUN Mit „Papaya“ bringen wir auch diesen humoristischen Aspekt etwas mit ein. Wir haben versucht - und das trifft auf jede Episode zu - die Kernidentität des Songs herauszuarbeiten. Wo wir uns zuvor eher auf unsere Indie-Band-Identität konzentriert haben, geht es diesmal wirklich um die Identität der Songs. „Papaya“ ist bunt und ein Stück weit satirisch und genau das wird im Clip unterstrichen.

Worum geht es in „Papaya“ und wie entstand die Idee für das Video?

YANN Es geht um die Oberflächlichkeit beim Flirten und Daten und womit Frauen sich auch heute noch in diesem Kontext herumschlagen müssen. Beeinflusst haben mich vor allem Geschichten aus meinem Umfeld. Im Video spiele ich Yann Larry, der sich in einem solchen Dating-Szenario befindet und anfängt die stumme Papaya teils sogar zu belästigen, sich aber selbst als Opfer darstellt. Am Ende des Videos wird klar, dass „Papaya“ unter der Situation leidet und nicht Yann Larry. Es ist quasi ein Appell an einen respektvolleren Umgang, nur etwas humoristischer dargestellt.

Gehört zu den Experimenten auch, dass Yann nun singt und ihr alle neue Frisuren habt?

TUN Definitiv! Yann singt insgesamt bei den kommenden Songs am meisten. Was die Frisuren angeht, hat das sehr viel mit den Videos zu tun (lacht). Die Veränderungen können dann nach und nach beobachtet werden, wenn die Clips erscheinen. Wir spielen in dieser Serie die Hauptrollen - hier werden quasi übertriebene Versionen von uns selbst dargestellt. Die Haare waren für uns eine Möglichkeit, uns ein bisschen auszutoben.

Heute erscheint die erste Single, wie muss man sich das zurzeit vorstellen?

TUN Es sind uns natürlich einige Termine entfallen, wie die Videopremiere, die im Rahmen des LuxFilmFest stattfinden sollte, dennoch halten wir am Erscheinungsdatum fest. Wir hatten zwar im Vorfeld kaum die Möglichkeit das neue Konzept vorzustellen und zu erklären, aber das tun wir einfach auf anderen Wegen. Die Premiere wurde ins Internet und ins Radio verlegt und das Video wird heute um 17.00 veröffentlicht. Wir hoffen selbstverständlich, dass unser Konzert am 30. April stattfinden kann, sind uns allerdings bewusst, dass das im Moment sehr unwahrscheinlich ist. Ein TUYS-Konzert in den Rotondes wird es aber auf jeden Fall geben, auch wenn wir jetzt noch kein Datum festlegen können. Die Episoden werden wie geplant im Sechs-Wochen-Takt erscheinen, sodass man dennoch regelmäßig von uns hören wird. Zudem sind noch andere Gigs geplant, ein Beispiel ist das Festival de Wiltz und im Herbst nächsten Jahres steht wieder eine größere Tour an, die etwas internationaler wird. In den Jahren davor sind wir hauptsächlich in Luxemburg und Deutschland aufgetreten, bei der kommenden Tour können wir schon eher von einer Europa-Tour sprechen.

Inwiefern beeinflussen die neuen Experimente eure Live-Performance und euch selbst?

TUN Beim Sound ist es so, dass viele elektronische Elemente eingebaut werden. Als wir am letzten Album gearbeitet haben, waren wir 19 Jahre alt, inzwischen ist viel passiert, das uns und unseren Sound beeinflusst hat. Für dieses Projekt haben wir beispielsweise für jeden Song mit einem anderen Produzenten zusammengearbeitet oder haben die Lieder teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern geschrieben. Wir hatten den Wunsch so viel wie möglich zu lernen. Was vielleicht ein wenig auf der Strecke bleibt, ist eine gewisse Einheit, aber deshalb sagen wir ganz klar, dass es sich nicht um eine Konzeptplatte handelt, sondern um eine Serie aus eklektischen Songs.

YANN Dann es natürlich so, dass wir uns jetzt komplett in diesen Job investieren und mehr Zeit haben, um unsere Musik auszubauen. Mehr Zeit bedeutet ebenfalls mehr Diskussionen und Austausch untereinander - die ganzen Konzepte sind wahrscheinlich einfach durchdachter als zuvor. Dazu kommt, dass wir selbstverständlich erwachsener geworden sind und dazu gelernt haben.