DOMMELDINGEN
LIZ MIKOS

Der „Premier Bal“ führt Generationen zusammen

Morgen findet bereits die 67. Auflage des traditionellen „Premier Bal“ der „Ecole de Danse Mireille Roulling anc. Annette Kohner“ statt. Begleitet vom deutschen Orchester „Liedfabrik“, das den Abend nun schon seit gut 15 Jahren mitgestaltet, liefern die Tanzschüler sowie ein professionelles Gastpaar den Besuchern ein einmaliges Erlebnis. Jedes Jahr findet der „Premier Bal“ für einen guten Zweck statt, was der Inhaberin Mireille Roulling auch sehr am Herzen liegt. 2020 geht der Erlös an „MPG Responsibility Now“, eine Organisation, die in Thailand Schulen baut und Kindern, die aus Myanmar geflüchtet sind, die Möglichkeit auf Bildung bietet. Was den Ball sonst noch so besonders macht erzählt Mireille Roulling im Interview.

Wie hat sich der „Premier Bal“ über die letzten Jahre entwickelt?

Mireille Roulling Als der Ball 1953 zum ersten Mal stattfand, wurde er noch in einem ganz anderen Rahmen organisiert, weil es auch einfach eine andere Zeit war. In den letzten Jahren, seit ungefähr Anfang der 2000er, haben wir ihn so konzipiert, dass viele Aufführungen von Kindern stattfinden, sodass eigentlich alle Gruppen, die an unserer Tanzschule sind, auch beim „Premier Bal“ auftreten. Das gibt dem Konzept einen sehr jugendlichen Effekt. Wir führen quasi die Tradition mit Modernismus zusammen, was diesen Ball sehr besonders macht. Die Tänze werden alle von unseren Schülern vorgeführt, das geht von Kindern ab fünf Jahren bis hin zu Senioren. Nur am Ende der Veranstaltung begrüßen wir stets ein Tanzpaar aus dem Ausland, das in diesem Jahr Marc und Nicole Becker aus Deutschland sein wird. Hier dürfen die Leute sich auf Lateintänze wie Samba, Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive freuen. Außerdem ist der Ablauf des Balls auch so organisiert, dass unsere Gäste ebenfalls das Tanzbein schwingen können. Wir fangen gewöhnlich mit unserer Polonäse an, wo unsere Debütantinnen dann die Ehre haben, den Ball zu eröffnen und danach sorgt unser Orchester für die passende Tanzmusik, damit auch die Leute zum Tanzen kommen. Zwischendurch gibt es dann immer wieder Vorstellungen, bei denen die Gäste wieder zuschauen und sich vom Tanzen erholen können, bevor sie dann selbst wieder aufs Parkett steigen. Wir sorgen eigentlich dafür, dass der Abend für jeden genügend Abwechslung bietet. Jede einzelne Aufführung ist anders und sie liegen mir alle sehr am Herzen.

Gibt es bei Kindern und Jugendlichen Tänze, die besonders beliebt sind?

Roulling Das entwickelt sich eigentlich immer ein wenig über die Jahre. Zwar gibt es Leute, die eher zu moderneren oder klassischeren Tänzen neigen, aber selbst da merken wir stetige Wechsel. Manchmal hängt es auch vom Tanzpartner ab, welcher Art des Tanzes mehr Spaß bringt. Wir haben auf jeden Fall immer wieder die Freude, neue Gesichter begrüßen zu dürfen. Schulbedingt brechen einige Jugendliche auch Tanzkurse ab, weil es zeitlich einfach schwieriger ist, die Kurse mit einzuplanen, und kommen dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück. Es ist eigentlich ein Kommen und Gehen, aber eine gewisse Konstante, der „harte Kern“, wie wir sie gerne nennen, bleibt. Persönlich widme ich mich eher klassischeren Tänzen, aber auch da hängt es immer ein wenig vom Tanzpartner ab. Generell können Tanzpräferenzen nicht mehr am Alter festgemacht werden. Leute im Rentneralter sind genauso begeistert von modernen Tänzen wie Cha-Cha, Rock’n’Roll, Salsa, Samba oder Disco Fox, wie unsere jungen Kursbesucher. Umgekehrt findet aber auch der klassische Walzer sein Publikum in allen Alterskategorien, weil es ein Tanz ist, der immer bleiben wird. In den Kursen ist es auch so, dass wir in allen Genres sehr viel moderne Musik einsetzen, sodass das Alter im Endeffekt nicht mehr wirklich eine Rolle spielt.

Was ist das Schöne am Tanzen und warum sollten Menschen einen Tanzkurs besuchen?

Roulling Wer wirklich tanzen will, kann dabei einfach aufblühen und sein Selbstbewusstsein stärken. Ich würde immer empfehlen einfach Mal vorbeizukommen und in einen Tanzkurs reinzuschnuppern. Die erste Überwindung ist wahrscheinlich, wie so oft, der schwierigste Schritt, bis man merkt, dass das alles in einer entspannten Atmosphäre vonstatten geht. Außerdem lernt man in einem Tanzkurs immer neue Leute kennen, die dasselbe Hobby teilen, was das Zueinanderfinden auch gleich vereinfacht. Es ist für die Kursteilnehmer, aber auch für mich immer wunderschön zu sehen, wie Menschen sich überwinden können und aus sich herauskommen können.

Merkt man langsam wie die Teilnehmer des „Premier Bal“ nervös werden?

Roulling Ja, jetzt in den letzten Tagen kam die Nervosität auf jeden Fall immer mehr auf. Zu Beginn sind immer noch alle sehr entspannt, allerdings steigt die Nervosität mit dem Heranrücken des Termins, da wir die letzten Tage auch zusätzliche Proben hatten. An den Tagen kommen auch immer die meisten Fragen auf, wie beispielsweise die Frage nach dem richtigen Kleid und den passenden Schuhen bei den Frauen und Mädchen. Aber auch die Proben kurz vor dem Ball werden etwas intensiver. Zwar sitzen hier die Schritte schon, aber dort gilt es den Feinschliff zu machen.

Beispielsweise ist die Ausstrahlung bei einem solchen Auftritt enorm wichtig, dass sie sich trauen wirklich ins Publikum zu schauen statt in den Boden zu starren und eine stolze Haltung einnehmen will auch geübt sein. Es ist eigentlich Detailarbeit, die aber sehr viel ausmacht. Vor allem bei den Jugendlichen ist es so, dass ich sie am Tag des Balls oft kaum wiedererkenne. Die Jungs im Anzug und die Mädchen im schönen Abendkleid sind für mich und natürlich auch die Eltern ein sehr schöner und einzigartiger Anblick, weil man sie ja meist nur in ihrer alltäglichen Kleidung sieht. Da sind die Jugendlichen und ihre Eltern immer unheimlich stolz.

Mich macht es dann noch umso stolzer, wenn Eltern sich bei mir für diesen Moment bedanken, weil ich ja eigentlich nur meine Arbeit mache und doch eine so positive Resonanz bekomme. Es steckt so viel Disziplin und Arbeit dahinter, da ist dieser Glücksmoment einfach Balsam für die Seele. Der Ball beschert uns allen auf jeden Fall immer einen sehr emotionalen Moment. Manchmal bin ich auch so gerührt, dass mir die Tränen kommen. Eigentlich kann ich dieses Gefühl gar nicht in Worte fassen.

Der „Permier Bal“ findet morgen ab 20.30 im Parc Hôtel in Dommeldingen statt, der Eintritt kostet entweder 35 oder 40 Euro je nach Sitzplatz, im Preis sind Wasser mit und ohne Kohlensäure für den ganzen Abend einbegriffen.