LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Akte „Dracula“ und eine Taschenlampe: Überführt DNA den Täter?

Am Donnerstag befasste sich die 16. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg mit einem ganz besonderen Fall: Es geht um einen 32-jährigen Rumänen, hinter dem die Ermittler schon lange her sind. Seit Jahren führt der Mann die luxemburgische Polizei an der Nase herum. Ihm war es offenbar gelungen, sich für Jahre Justitia zu entziehen. Doch dann lieferte „Kommissar Zufall“ entsprechende Beweise. Zehn Jahre nach einer Tat wurde Gheorge V. gefasst: Dank einer DNA-Spur. Er wurde am 12. Oktober 2016 nach Luxemburg ausgeliefert.

In der Gruppe aktiv

Am Donnerstag stand V. nun vor Gericht. Die Tat geschah 2006, V. bestreitet allerdings eine Beteiligung. Der Rumäne soll 2006 mit einer Bande unterwegs gewesen sein, die sich vor allem auf kleine und mittlere Betriebe konzentrierte.

Die kriminelle Gruppe, die aus zwanzig Leuten bestand, klaute hier Elektronik, Computer, Bargeld und ging vorwiegend im Raum Luxemburg auf Diebestour.

So soll nun V. am 6. und 7. September 2006 mit der Bande in eine Firma auf der „Cloche d’Or“ eingebrochen sein. Vier Laptops, ein Panzerschrank mit Schlüsseln und eine Kassette mit 80 Euro hatte die Bande damals erbeutet. Fünf Mitglieder der Bande konnten gefasst und verurteilt werden.

In Zusammenarbeit mit der rumänischen, belgischen, französischen Polizei, Interpol und Eurojust konnten die luxemburgischen Ermittler den Mann in Rumänien festnehmen. Dort wurden in einem Lager Hunderte Laptops und weiteres Diebesgut beschlagnahmt. Die Ermittler gaben der Akte den Namen „Dracula.“

Überführt wurde der 32-Jährige, der nun die Anklagebank drückt, durch eine Taschenlampe, die er bei einem Einbruch angefasst und liegen gelassen haben soll. Hieran wurden DNA-Spuren gefunden. Aber erst 2014 konnte die Staatsanwaltschaft dem Rumänen die DNA-Spuren auf der Taschenlampe zuordnen.

Doch wie sieht die Verteidigung den Fall? V. sei unschuldig, sagte gestern die Verteidigung und lieferte dem Gericht eine Erklärung. Vermutlich habe die rumänische Einbrecherbande die Taschenlampe benutzt, um ihn verdächtig zu machen. Vermutlich handele es sich sogar um seine Lampe, ihm würde auch öfter etwas geklaut, so der Angeklagte. Er hätte sein Auto verkauft, die Taschenlampe sei im Kofferraum gewesen.

Niemand kann V. etwas nachweisen

Der Verteidiger beantragte Freispruch aus Mangel an Beweisen, denn es sei kein Beweis für die Schuld seines Mandanten gegeben. Auch wenn erwiesen sei, dass die Taschenlampe V. gehöre. Niemand habe V. am Tatort gesehen und niemand könne seinem Mandanten etwas nachweisen.

Für die Anklagevertreterin gab es hingegen keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte die Tat mit begangen hat. Die Staatsanwaltschaft ist von der Schuld des Mannes überzeugt und beantragte zwei Jahre Haft.
Das Urteil erfolgt am 9. Februar