LUXEMBURG/BERLING
LJ MIT DPA

Tanz-Parties, Fan-Treffen, Gedenk-Joggingrunden, Auktionen, Diskussionsrunden, Konzerte und Andachten mit Kerzenlicht: Seit 40 Jahren ist der „King of Rock’n’Roll“ Elvis Presley tot, aber an seiner „Graceland“-Villa in Memphis wird es rund um seinen Todestag am heutigen Mittwoch wohl so trubelig zugehen wie nie zuvor. „Wir erwarten die größte Elvis-Woche aller Zeiten mit Fans aus der ganzen Welt, die die ultimative Pilgerreise unternehmen, um mit uns das Leben und die Legende von Elvis Presley auf ganz besondere Art und Weise zu feiern“, heißt es von den Organisatoren. Dutzende Veranstaltungen sind geplant.

Dieser laszive Hüftschwung! Die Stimme! Die Outfits - und natürlich die Haartolle! All das schrie nach Rebellion, nach Protest und nach sexueller Befreiung, ließ die vor allem jugendlichen Fans des Musikers in den 50er und 60er Jahren reihenweise in Ohnmacht fallen - und versetzte das konservative Amerika in Wut. Die Mischung aus weißer Country-Musik, schwarzem Rhythm and Blues und Bass ist damals völlig neu und verändert die Musikwelt für immer. 

Das Kind wollte eigentlich ein Fahrrad

Presley wurde am 8. Januar 1935 in Tupelo im US-Bundesstaat Mississippi als Sohn eines Gelegenheitsarbeiters und einer Näherin in ärmlichste Verhältnisse hineingeboren. Als er zehn Jahre alt wurde, schenkten ihm die Eltern statt des erhofften Fahrrads für 7,90 Dollar eine Gitarre. Der in der Schule oft gehänselte Junge brachte sich die Griffe selbst bei und konnte dank seiner Musikalität und seiner Erfahrungen aus dem Kirchenchor schon bald professionell spielen.

1954 kam dann „That’s All Right“, seine erste Rock’n’Roll-Platte. Immer wieder riefen die Hörer bei der lokalen Radiostation an und baten um Wiederholung, 15 mal wurde sie schließlich aufgelegt. Von da an ging es steil nach oben - in seiner Karriere wird Presley mehr als eine Milliarde Platten verkaufen, drei Grammys bekommen, in mehrere Musik-Ruhmeshallen aufgenommen werden und in mehr als 30 Hollywood-Filmen mitspielen. Es gibt Briefmarken mit seinem Gesicht darauf, und bis heute verkaufen sich seine Alben weltweit. 

Aber der erfolgsverwöhnte und von Fans angebetete Musiker ist privat ein einsamer und verzweifelter Mann. Bei seinem Militäreinsatz im hessischen Friedberg (1958 bis 1960) hatte Presley die damals erst 14-jährige Soldatentochter Priscilla Beaulieu kennengelernt und 1967 geheiratet. Neun Monate später kommt Tochter Lisa Marie zur Welt. Doch das Paar lebt sich schnell auseinander. Priscilla berichtet von einem Teufelskreis aus Schlaf-, Aufputsch- und Beruhigungsmitteln, denen Elvis verfallen war, und über die wenige Zeit, die für die Familie bleibt. 1973 lässt sie sich scheiden. Presley leidet unter der Scheidung - und auch darunter, dass sein Stern zusehends verblasst. Die Beatles und die Rolling Stones sind die neuen Stars. Fans erkennen ihren einstigen Liebling kaum wieder, so aufgedunsen und zugedröhnt präsentiert sich Presley auf der Bühne.

Den Schmerz betäuben

Im Juni 1977 gibt er sein letztes Konzert vor knapp 20.000 Menschen in Indianapolis. „Er sah schrecklich aus, richtig schlecht“, sagte die damals 30 Jahre alte Jacque Quick jüngst dem Radiosender 93.1 WIBC. „Natürlich wussten wir alle, dass er nicht gesund war. Aber er legte einen guten Auftritt hin.“ Die damals 16-Jährige Jeannie Drews beschrieb das Konzert in der „Greensburg Daily News“ sogar als „Auftritt seines Lebens“. „Er gab wirklich alles. In der vordersten Reihe zu sein, so nahe an jemandem wie Elvis zu sein, machte mir Herzrasen, es war surreal. Er war unser König.“

Es hatte nicht das letzte Konzert des „King of Rock’n’Roll“ sein sollen, für den Sommer war eine Tournee geplant. Aber dazu kam es nicht mehr. Seinen letzten Song nahm er im August 1977 im „Dschungelraum“ seines Hauses auf, Titel: „Way Down“ - Weg nach unten. Wenige Tage später war er tot. „Niemand hat Elvis umgebracht außer Elvis“, erklärt sein Manager „Colonel“ Tom Parker.

Presley wurde nur 42 Jahre alt, gefunden auf dem Bauch liegend im Badezimmer von „Graceland“. „Tod durch Herzversagen“, stellt ein Arzt fest. Fettsucht und jahrelanger Medikamentenmissbrauch. „Er konnte es nicht ertragen, was aus ihm geworden war, und hat den Schmerz betäubt, wo immer es ging“, sagt seine Biografin Alanna Nash.

Der Mythos aber bleibt bis heute. „Elvis ist zu einer Zeit gestorben, als es seinem Ruhm nur guttun konnte“, sagte Biograf Samuel Roy einmal. Ende Mai wurde Presleys Privatjet für mehr als 400.000 Dollar versteigert - dabei ist das Flugzeug längst Schrott. Und auch Musik und Andenken des Sängers verkaufen sich weiter. 

„Der richtige Mann zur richtigen Zeit“ - Steven Pitman über die Faszination für Elvis Presley

Steven Pitman hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht: Seit neun Jahren ist der vormals im Import-Export-Geschäft Tätige voll und ganz „Elvis-Tribute Artist“ und tritt auf zahlreichen Events auf. Wie ist er dazu gekommen? Wir haben nachgefragt.

Können Sie sich an den Todestag von Elvis Presley erinnern?

STEVEN PITMAN Ja, sehr deutlich. Ich war zwölf und gerade beim Kartenspielen mit Vater und Schwester, als die Nachricht im Radio kam. Ich kannte Elvis vorher nicht. Danach spielte das Radio 24 Stunden seine Songs. Von dem Moment an habe ich mich näher für den Künstler interessiert. Ich habe begonnen, Dinge über ihn zu sammeln. Mein erster Besuch in Memphis mit 15 hat mich auch geprägt.

Vom Fan zum Elvis-Impersonator ist allerdings ein langer Weg, nicht...

PITMAN In der Tat. Als Jugendlicher habe ich begonnen, in meinem Zimmer Elvis-Songs nachzusingen. Das hat auch meine Stimme beeinflusst. Mein liebstes Hobby war aber der Sport, ich habe lange Handball gespielt. Irgendwann hat mich ein Freund gefragt, bei seiner Hochzeit ein paar Elvis-Songs zu singen. 1999 hatte ich meinen ersten öffentlichen Auftritt bei einer Weihnachtsfeier. Von da an stieg die Nachfrage. Vor acht Jahren habe ich meinen Beruf im Export-Import-Geschäft dann aufgegeben und die Elvis-Auftritte zum Beruf gemacht. Derzeit habe ich sechs bis sieben Elvis-Showkonzepte für unterschiedliches Publikum im Repertoire.

Die Nachfrage für Musik von Elvis scheint also nach wie vor groß zu sein. Wie erklären Sie sich die Faszination für diesen Künstler?

PITMAN Es ist schwer in Worte zu fassen. Ich glaube, dass zum einen Elvis‘ facettenreiche Persönlichkeit mitschwingt. Und natürlich war er ein Rock’n’Roll-Pionier. Er hatte Sex-Appeal, eine fantastische Stimme und ein ausgedehntes Repertoire. Außerdem kam ihm die Entwicklung des Massenmediums Fernsehen ab Ende der 1950er entgegen. Er war regelmäßig in Shows zu Gast und erreichte viele Millionen Zuschauer. Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und seine Musik ist unsterblich. Auch viele junge Leute finden sie gut, so dass die Begeisterung für Elvis weiter läuft.

Und was ist Ihr Lieblingssong von Elvis?

PITMAN Schwierig für mich, einen der 700 bis 800 rauszupicken, die es gibt. Was mir allerdings besonders gut gefällt ist „In the Ghetto“, „If I can dream“ und „Heartbreak Hotel“.

„Tolle Stimme - toller Mensch“: Gespräch mit der „Elvis Presley Fan Club Luxembourg“-Präsidentin Francine Dumong

Er zählt 55 zahlende Mitglieder, aber seine Facebook-Seite „liken“ fast 35.000: Der „Elvis Presley Fan Club Luxembourg“ hat eine verhältnismäßig große Reichweite. Während die Facebook-Seite mehrmals täglich mit Fotos und Infos zum „King“ aktualisiert wird, gibt der in Howald beheimatete Club auch sechsmal im Jahr eine Newsletter mit vielen weiteren Informationen heraus. In der Liste der Ehrenmitglieder: Priscilla Presley, die letzte Gattin des Künstlers. „Ich habe sie bereits zweimal getroffen“, sagt Francine Dumong, Gründerin und Präsidentin des Clubs, den sie bereits vor 35 Jahren aus der Taufe hob. „Ich bin seit 1969 Elvis-Fan“, erzählt sie, „ich dachte zuerst, das ist so ein Rock’n’Roller, aber als ich zuerst „In the Ghetto“ hörte, hat mich diese außergewöhnliche Stimme gleich fasziniert.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich Elvis noch nie gesehen“. Noch heute ist Francine Dumong traurig darüber, dass sie den „King“ nicht „live“ erleben konnte. Als sie 1975 in die USA reiste, um nach einem Abstecher in Memphis ein Elvis-Konzert in Las Vegas zu besuchen, war das leider verschoben worden. Danach bot sich ihr keine Gelegenheit mehr, einen Auftritt des Künstlers zu besuchen, der mit nur 42 Jahren starb. Und bis heute eine riesige Fan-Gemeinde zählt. „Er hatte eine Super-Stimme, aber er war auch ein guter Mensch mit einer tollen Ausstrahlung“, schwärmt Francine Dumong und erinnert daran, dass der „King“, der aus sehr ärmlichen Verhältnissen kam, viel für Wohltätigkeitsaktionen gespendet hat. Auf die Idee, einen Fanclub zu gründen kam Francine Dumong im Kontakt mit Mitgliedern anderer Clubs, die 1982 zur „Elvis Presley Convention“ in Luxemburg kamen. „Der Luxemburger Club ist offiziell von Elvis Presley Enterprises anerkannt“, fügt sie bei. Und dass natürlich jeder willkommen ist, der sich für den „King“ interessiert. Die E-Mail-Adresse des Clubs: epfc_luxembourg@yahoo.com