Gute Boxerfilme gibt es etliche, wie zum Beispiel „Raging Bull“, „Rocky“ oder „Cinderella Man“. Mit „Southpaw“ von Actionfilm-Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“, „Olympus Has Fallen“) reiht sich ein weiterer in diese Liste ein. „Southpaw“ bedeutet Rechtsausleger, also ein Boxer, dessen rechte Hand die Führhand ist und die linke die Schlaghand.
Vom Helden zum Nichtsnutz
Boxer Billy Hope (Jake Gyllenhaal) wuchs im Waisenhaus auf, wo er seine Frau Maureen (Rachel McAdams) kennenlernte. Nun wurde er zum vierten Mal Weltmeister im Halbschwergewicht und nichts scheint sein Glück trüben zu können, bis es zu einem Streit mit dem Herausforderer Miguel Escobar (Miguel Gomez), kommt. Ein Bodyguard dreht durch, ein Schuss löst sich, und Maureen sinkt tödlich getroffen zu Boden. Billy verliert nicht nur seine Frau, sondern wegen vieler Schulden und seinem unehrlichen Manager Jordan Mains (Curtis „50 Cent“ Jackson) sein ganzes Vermögen. Nach einigen Eskapaden entzieht ein Gericht ihm das Sorgerecht für seine Tochter Leila (Oona Laurence), die in einem Heim untergebracht wird. Er hat nunmehr nur ein Ziel, seine Tochter wieder an seiner Seite zu haben. In der Trainingshalle von Tick Wills (Forest Whitaker) bekommt er einen Job als Nachtwächter und kann hier umsonst trainieren. Nach einiger Zeit willigt Tick ein, unter seinen Bedingungen Billy zu trainieren. Als Billy bei einer Benefizveranstaltung durch einen Knockout wieder auf sich aufmerksam macht, bietet ihm Jordan Mains ein Titelmatch gegen Escobar an.
Klischees und Emotionen
Der Film ist eine Ansammlung von Situationen und Figuren, die man irgendwo schon mal gesehen hat. So boxt Billy wie einst Rocky Balboa und versucht seinen Gegner mit beleidigenden Sprüchen fertigzumachen. Tick Wills erinnert an Frankie Dunn aus „Million Dollar Baby“. Zudem finden sich viele Klischees wieder, wie das vom armen Kerl, der durch sein Talent reich wird oder das vom ungerechten Justizapparat, der herzlos Vater und Tochter auseinander reißt.
Trotzdem akzeptiert der Zuschauer das Gezeigte, denn es wird auf eine überraschende Art und Weise von Schauspieler Jake Gyllenhaal und der jungen Schauspielerin Oona Laurence dominiert. Gyllenhaal überzeugt voll und ganz als gewiefter Boxer im Ring, als verliebter Ehemann und als liebevoller Vater. Laurence spielt ganz ernsthaft die vom Vater enttäuschte Tochter, die ihm zwar sagt, sie würde ihn hassen, ihn trotz allem aber über alles liebt - und dann löst sich ihre harte Miene auf, und Tränen kullern über ihr Gesicht. Dieser verzwickten Vater-Tochter-Beziehung entspringen etliche ehrliche emotionale Momente, die betroffen machen. Und Regisseur Fuqua weiß, wie man mit der Kamera und dem Schnitt Spannung erzeugen kann, was die Boxmatches beweisen. Somit wurde aus „Southpaw“ ein überaus sehenswerter Boxerfilm.



