LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Enttäuschende Realverfilmung vom Disney-Klassiker „Dumbo“

Der Zeichentrickfilm „Dumbo“ (1941) von Ben Sharpsteen ist einer jener Filme, die man nie vergisst, sei es nur wegen der emotionsgeladenen Szene, wo der kleine Elefant seine eingesperrte Mutter aufsucht, von ihr gestreichelt und schlussendlich auf ihrem Rüssel geschaukelt wird. Im Hintergrund läuft der Song „Baby Mine“. Diese Szene brachte sogar den General Stilwell (Robert Stack) in Steven Spielbergs Kriegsfilm „1941“ zum Weinen. Allerdings wird das 2019-Remake mit realen Figuren ziemlich schnell aus der Erinnerung der Zuschauer verschwinden, auch wenn der Regisseur Tim Burton heißt, und es die Disney-Studios sind, die es finanzierten, und die mit den Realverfilmungen von „The Jungle Book“ oder „Beauty and the Beast“ ein glücklicheres Händchen bewiesen.

Der Kleine mit den riesigen Ohren

Milly (Nico Parker) und ihr Bruder Joe (Finley Hobbins) warten auf ihren Vater Holt (Colin Farrell). Endlich kommt er aus dem Krieg heim, und auch wenn er einen Arm verloren hat, ist die Freude groß. Als ihre Mutter verstarb, und der Vater in den Krieg ziehen musste, blieben sie im Zirkus von Max Medici (Danny DeVito) bei den Artisten zurück. Max hat allerdings die Pferde von Holt verkaufen müssen, um über die Runden zu kommen. Holt soll sich stattdessen um die neue Elefantenkuh Jumbo kümmern. Sie ist trächtig. Mit dem Zirkus-eignen Zug - der Song „Casey Junior“ wird von Max geträllert - fährt die Truppe durch verschiedene Städte. Eines Nachts ziehen die Störche über den Zug, und am nächsten Tag entdecken die Kinder den neugeborenen Elefanten, den sie Jumbo Junior nennen. Doch der Kleine hat riesige Ohren, was ihm den Spottnamen Dumbo einbringt. Die Kinder entdecken, dass er mit Hilfe einer Feder fliegen kann. Schnell wird er zur Attraktion, und zieht den ruchlosen Besitzer des Amüsement-Parks „Dreamland“ Mr. Vandevere (Michael Keaton) an. Seine Begleitung ist die Trapezartistin Colette (Eva Green).

Kalt und kitschig

Im Remake fehlt die Szene nicht, in der Dumbo von seiner eingesperrten Mutter liebkost wird. Nur lässt diese Szene kalt. Burton hat übrigens alles im Studio gefilmt, und am Computer wurde der Film zusammengesetzt. Dem Macher von originellen Filmen wie „Edward Scissorhands“, „Sleepy Hollow“, „Big Fish“ oder „Corpse Bride“ gelingt es nicht, die großen Gefühle vom Original in seine Realverfilmung einfließen zu lassen. Es geht sicher nicht darum, dass die Zuschauer ein Taschentuch nass weinen, sondern um sie mit einem Minimum von Gefühlen in ihrem Innersten zu packen und so dem Original treu zu bleiben. Zudem wirkt die Szene mit den Störchen kitschig, ja, im Kontext des ganzen Films ist sie komplett überflüssig. Die Figur vom geldgierigen Vandevere wurde für das Remake erfunden. Sie erscheint aufgesetzt und irreal, wie der ganze Teil, der im „Dreamland“ spielt. An der Liebesgeschichte zwischen Colette und Holt ist ebenfalls nichts Originelles oder Packendes. Somit hätten sich die Disney-Studios dieses Remake sparen können, oder sie hätten es auf einem ganz anderen Niveau spielen lassen sollen, der Realität eines Zirkus, mit einem Schuss Fantasie.