LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Mutmaßlicher Kinderschänder vor Gericht

Berichtet wurde schon darüber, doch heiß diskutiert wird der Fall erst jetzt. Die Zwischenfälle sollen sich 2005 und 2009 ereignet haben. Erst 2013 sei die Sache aufgeflogen: Am 19. März 2014 zeigte eine Mutter bei der Polizei den heute 40-jährigen Mann Agostino R. wegen Vergewaltigung an. Er soll sich an ihrem sechsjährigen Sohn vergriffen haben. Es soll zum Oralsex gekommen sein. Dem Mann wird vorgeworfen, sich Ende 2005 und 2009 in Düdelingen an einem heute knapp 18-Jährigen (bei den Zwischenfällen damals sechs und neun Jahre alt) vergriffen zu haben. Er soll dem Jungen auch Pornos im Fernsehen und am Computer gezeigt haben. 2013 soll der Angeklagte derart unter Depressionen gelitten haben, dass er sich umbringen wollte. Vor Gericht behauptet der Mann, er würde wegen einer Falschaussage vor Gericht stehen. Durch eine zerrüttete Beziehung hätte die Frau ihren Sohn angestiftet, ihn der Vergewaltigung zu beschuldigen.

Laut Aussage der Mutter wollte der Junge nur spielen, unter diesem Vorwand soll der ebenfalls in Düdelingen wohnhafte vermeintliche Täter den Jungen in die Falle gelockt haben. Er habe auf den Jungen aufgepasst. Sie habe ihm vertraut, weil er der Gatte ihrer Schwester war. Der Kleine hätte auch manchmal bei ihm übernachtet. Zu Protokoll gab die Frau, dass R. dem Jungen neue Spiele zeigen wollte. Nichtsahnend wäre der Junge der Aufforderung nachgekommen. Die Sache sei durch eine Lehrerin aufgeflogen. Die hatte mit der Schwester der Mutter über den Vorfall geredet. Was für Spielchen der Angeklagte wirklich mit dem Jungen vorhatte, konnte aber nicht herausgefunden werden. Die Mutter konnte das vor Gericht nicht genau erklären was da passiert war. Ob dieser den Jungen unvermittelt vergewaltigte (Oralsex) steht offen. Aus Respekt vor ihrem Sohn, weil der die Sache nicht publik machen wollte, habe sie erst am 19. März 2014 Klage gegen den Mann erstattet.

Der Mann sei ein Mensch ohne große Empathie. Er neige dazu, keine Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Gearbeitet habe er nur unregelmäßig. Der Mann habe egozentrische Züge und würde dazu neigen, sich selbst zu überschätzen. Der Angeklagte leide aber nicht an seelischen Erkrankungen. So charakterisierte der psychiatrische Sachverständige Dr. Marc Gleis den Angeklagten im Prozess. Dr. Gleis hält den Angeklagten deshalb für schuldfähig.

Zu den psychischen Folgen der Tat stellte eine Psychologin in einem Gutachten fest, dass der Junge an einer massiven posttraumatischen Belastungsstörung leidet, die einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen ist. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.